Das Rachespiel: Psychothriller (German Edition)
Festus …
»Außerdem ist es schweinekalt in dieser Bude. Also, ihr könnt euch ja von mir aus weiter von diesem Idioten an der Nase herumführen lassen. Mir reicht’s jetzt, ich hau ab.« Torsten sah zu Frank, dem es so vorkam, als warte Torsten nur darauf, dass sie ihn überredeten, noch zu bleiben. Mit ruhiger Stimme sagte Frank: »Du hast in dem Film doch gesehen, zu was dieser Irre fähig ist. Und die Meldung im
Volksfreund
über die Leiche am Moselufer hast du bestimmt auch gelesen, oder?«
»Klar.«
»Und? Lässt dich das kalt?«
Torsten zuckte mit den Schultern. »Habe ich den Kerl vielleicht umgebracht? Außerdem – du glaubst doch nicht im Ernst, dass du dabei zugesehen hast, wie dieser Alte von den Ratten gefressen wurde. Ich wette, da ist rumgetrickst worden.«
Frank schüttelte den Kopf. »Ich wünschte, es wäre so, aber ich kann mir nicht vorstellen, wie.«
»Wenn du so sicher bist, dass uns jemand verarscht, hast du denn auch eine Idee, wer?«, wandte sich Jens, der langsam aufzutauen schien, jetzt an Torsten. »Hast du vielleicht irgendwann jemandem was von damals erzählt?«
Torstens Gesichtszüge verhärteten sich, er machte einen großen Schritt auf Jens zu, der instinktiv den Kopf ein wenig einzog. Langsam hob Torsten den rechten Arm und deutete mit dem Zeigefinger auf Jens’ Gesicht. »Merk dir was, Kupfer. Ich erzähle niemals Dinge weiter, die nicht erzählt werden sollen.« Der Arm blieb noch einen Moment erhoben. »Und außerdem, wer sagt euch denn, dass
er
nicht selbst wieder aufgetaucht ist und jetzt seine Spielchen mit uns treibt? Aus Rache? Ihr wisst doch, was mit ihm los war. Dem ist doch alles zuzutrauen.«
»Was?«, machten Frank und Manuela fast gleichzeitig. Jens stand wohl noch zu sehr unter dem Eindruck des drohenden Zeigefingers, um zu reagieren. »Waaas?«, äffte Torsten übertrieben nach. »Warum denn nicht?«
»Er ist tot«, stellte Frank sachlich fest.
»Pah! Hast du das gesehen?«
»Nein, aber … Wir wissen doch, was passiert ist.«
»Nichts wissen wir. Als wir ihn das letzte Mal gesehen haben, hat er noch gelebt, schon vergessen?« Torstens Blick wanderte von einem zum anderen, bohrte sich jedes Mal für Sekunden in die Augen seines Gegenübers, bevor er ihn wieder aus seinem Bann entließ. »Also noch mal: Hat einer von euch ihn tot gesehen?«
Niemand antwortete. »Also.«
»Was soll denn deiner Meinung nach mit ihm passiert sein?«, fragte Manuela. »Ich meine, niemand hat seitdem etwas von ihm gehört.«
Torsten zuckte mit den Achseln. »Was weiß denn ich? Vielleicht ist er abgehauen, weil ihm alles gestunken hat. Jeder wusste doch, dass er ein Volltrottel war, vielleicht wollte er irgendwo anders ganz neu anfangen?«
»Mit dreizehn?«, fragte Jens.
»Ja und? Es sind schon viele mit dreizehn von zu Hause abgehauen, haben sonst wo gelebt und sind Jahrzehnte später plötzlich wieder aufgetaucht.«
»Das mag ja sein«, sagte Frank müde. »Aber die hatten wahrscheinlich auch einen IQ von mehr als 70 .«
Ihm war kalt. Er zog seinen Pullover von den Schultern und streifte ihn über, lehnte sich mit dem Rücken an eine der wenigen freien Stellen der Wand und ließ sich langsam daran herabgleiten, bis er auf dem grau marmorierten Linoleumboden saß. Sein Blick ruhte auf einer Art Stahlkessel, der an der gegenüberliegenden Wand befestigt war und dessen Funktion sich ihm nicht erschloss. »Bleib, Torsten, wenigstens so lange, bis wir klarsehen, was hier gespielt wird. Wer auch immer hinter der Sache steckt, der scheint großen Wert darauf zu legen, dass wir zusammen sind. Und selbst, wenn
er
es tatsächlich wäre – wenn du jetzt verschwindest, erfahren wir vielleicht nie, was der Grund für das alles ist.« Er hob den Kopf und sah Torsten direkt an. »Und im schlimmsten Fall muss tatsächlich noch jemand sterben. Wir brauchen dich hier.«
Eine Weile sahen sie sich stumm an, und Frank glaubte zu erkennen, dass die Aggressivität in Torstens Augen weniger geworden war. »Also gut, großer Anführer. Ich bleibe noch eine Weile. Aber ich hoffe, der Irre lässt sich nicht allzu viel Zeit. Lange bleibe ich nicht in diesem scheißkalten Bau.«
Auch Jens hatte mittlerweile seine Jacke angezogen. Er setzte sich zwei Meter neben Frank auf einen der Stühle und zog die Kragenenden dichter zusammen. »Wirklich ganz schön kalt hier drinnen.«
Frank sah zu Manuela hinüber, die sich auf die Platte des kleinen Tisches gesetzt hatte. »Du frierst doch sicher
Weitere Kostenlose Bücher