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Das Rosenhaus

Das Rosenhaus

Titel: Das Rosenhaus Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Sarah Harvey
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bequem.
    Und er hatte sein Studio. Er liebte es, in ihm zu arbeiten. Seit
Jahren schon dachte er darüber nach, sich ein größeres Studio einzurichten. Bei
seinem letzten Besuch in New York hatte er sogar überlegt, sich dort ein Loft
zu kaufen, doch hatte bisher immer der letzte Kick gefehlt, um sich endgültig
für hier oder dort zu entscheiden. Merrien Cove war der einzige Ort, an den er
regelmäßig unregelmäßig zurückkehrte – und darum bewahrte er alles, was er
brauchte, hier auf.
    Die meiste Zeit war er ohnehin auf Achse, und das gefiel ihm. Es gab
jenseits seines eigenen Erfahrungshorizontes so vieles zu entdecken.
    Deshalb wollte er Patrick Cooper, den ruppigen Journalisten, auch
gerne nach Neuguinea begleiten, das hatte er bereits entschieden.
    Aber aus irgendeinem unerfindlichen Grund hatte ihm Nathan am
Telefon gesagt, er brauche, bevor er endgültig zusagen könne, noch ein, zwei
Tage, um einige persönliche Angelegenheiten zu regeln. Zwar deutete Cooper vage
drohend an, sich einen anderen Fotografen zu suchen, aber Nathan wusste genau,
wie gerne Cooper ihn und niemand anderen für das Projekt gewinnen wollte.
    In diesem Punkt war Nathan mit einer unerschütterlichen
Selbstsicherheit gesegnet. Er wusste, dass er gut war. So, wie er wusste, dass
er laufen konnte. Punkt, aus. So war das. Vollkommen natürlich.
    Seine innere Uhr hatte sich noch immer nicht ganz an die britische
Zeit gewöhnt, und so kam es, dass er seit vier Uhr morgens wach und seit sechs
Uhr an der Arbeit war.
    Und nun stand er mit der Kamera in der Hand an der äußersten Kante
der Steilküste, ganz in der Nähe des sich in den Ort hinunterwindenden
Wanderweges.
    Er redete sich ein, den perfekten Sonnenaufgang fotografieren zu
wollen, doch die Sonne war längst aufgegangen, und er stand noch immer an
seinem Posten. In Wirklichkeit wartete er auf Lily, das wusste er. Er wusste
nur nicht genau, warum.
    Es hatte nach einem warmen Tag ausgesehen, als er aus dem Haus ging,
aber inzwischen war ihm die Feuchtigkeit in die Kleidung und danach bis in die
Knochen gekrochen.
    »Idiot«, beschimpfte er sich selbst und wollte gerade gehen, als er
das Quietschen des Gartentors von Rose Cottage hörte. Er blieb stehen und
wartete, bis Lily in Hörweite war.
    »Guten Morgen.«
    Sie machte einen Satz zur Seite, als hätten die Worte sie
buchstäblich umgehauen, fing sich dann aber und lachte ihn etwas unbeholfen an.
    »Tut mir leid, Sie müssen mich für überirdisch schreckhaft halten,
aber ich mache diese Runde jeden Tag, und hier oben ist mir so gut wie noch nie
jemand begegnet.«
    »Ich weiß.«
    »Was wissen Sie?«
    »Dass Sie jeden Tag hier Ihre Runde machen. Ich habe Sie beobachtet.
Tut mir leid, ist eine schlechte Angewohnheit von mir, nehmen Sie es bitte
nicht persönlich. So bin ich. Immer auf der Suche nach dem perfekten Motiv.«
    »Klingt ja fast wie in einem Krimi.« Ihr scheues Lächeln verriet
ihm, dass sie ihm verziehen hatte, und ermunterte ihn, den Faden
weiterzuspinnen.
    »Sie krönen meine Suche mit Erfolg.«
    Sie schnaubte und machte eine wegwerfende Handbewegung.
    »Ich bin noch nie besonders fotogen gewesen.«
    »Irrtum. Glauben Sie mir, ich bin Experte.«
    »Mag sein.« Sie dachte über seine Einschätzung nach, als sei ihr
diese Möglichkeit nie in den Sinn gekommen. »Aber ich lasse mich einfach nicht
gerne fotografieren. Ich komme mir doof dabei vor.«
    »Aber jeder muss sich doch mal fotografieren lassen. An Geburtstagen
…«
    Sie schüttelte den Kopf.
    »Weihnachten?«
    »M-m.«
    »Nicht mal bei Ihrer Hochzeit?«
    »Da habe ich die ganze Zeit den Schleier vorm Gesicht gelassen.
Selbst beim Empfang.«
    »Das ist nicht Ihr Ernst?«
    »Stimmt. Ich hatte gar keinen Schleier. Nicht einmal ein Kleid. Oder
zumindest nicht den Traum in Weiß. Ich hatte ein blaues Sommerkleid mit
Gänseblümchenmuster an, das ich für fünfzehn Dollar im Second-Hand-Laden
erstanden hatte, und Liam, mein Mann, trug Jeans. Wir waren nicht gerade das
glamouröseste Brautpaar.«
    Automatisch fasste er sich an die eigene zerschlissene Jeanshose.
»Fünfzehn Dollar? Sie haben also in Amerika geheiratet?«
    Sie wirkte leicht zerknirscht, wie sie sich auf die Lippe biss und
nickte.
    »In Las Vegas. Total peinlich, oder?«
    »Nein.«
    Sie schwiegen kurz, dann fragte sie:
    »Sind Sie verheiratet?«
    Er schüttelte den Kopf.
    »Waren Sie’s mal?«
    »Nö.«
    »Wären Sie es gerne?«
    »Vielleicht. Eines Tages.«
    »Wenn Sie die richtige Frau gefunden

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