Deathkiss - Suess schmeckt die Rache
einen finsteren Ausdruck an. »Sieh dir mal ihr Kinn und das Maul an«, forderte er Shannon auf.
Sie betrachtete das Gesicht der Stute. Dunkle Augen waren misstrauisch auf sie gerichtet. Molly versuchte sich aufzubäumen, als Shannon sie über den Zaun hinweg streicheln wollte, doch Nate hielt sie fest. »Ich sehe nichts«, sagte Shannon. »Worauf soll ich achten? … Oh.« Sie erkannte die dunklen Stoppeln an Mollys Maul. »Moment mal. Da fehlen ja Haare.«
»Sie fehlen nicht einfach, ich glaube, sie wurden abgeflämmt.«
»Abgeflämmt?«, wiederholte sie und entdeckte ein paar schwarze Stoppeln. »Bei dem Brand?«
»Davor.«
»Wie bitte?« Sie starrte ihn entgeistert an.
»Von dem Kerl, der dich überfallen hat.«
»Aber warum?« Noch während sie die Frage stellte, fanden ihre sich überschlagenden Gedanken die einzige Antwort, die einen Sinn ergab. »O nein …«
»Um sie in Angst und Schrecken zu versetzen«, sagte Nate tonlos. »Damit Molly nicht mehr zu bändigen war. Um dich zu zwingen, die Box zu betreten, so dass du mit dem verstörten Tier in der Falle saßest.« Ein Muskel in seiner Wange zuckte, und er fügte hinzu: »Der Täter hat die ganze Sache sehr sorgfältig geplant. Und er hat Molly nicht nur erschreckt, sondern regelrecht gequält. Schau hier.« Er zeigte Shannon einen Flecken dunkler Haut am Maul der Stute, offensichtlich eine Verbrennung.
»O nein.« Shannon betrachtete das Pferdemaul eingehender und sah die Stelle jetzt ganz deutlich. Übelkeit stieg in ihr auf. »Wer ist denn pervers genug, so etwas zu tun?«
»Jemand, der wild entschlossen und zu allem bereit ist. Jemand, der einen mörderischen Hass auf dich hat. Er muss eine Fackel oder ein Feuerzeug oder einen brennenden Stock benutzt haben.«
»Verdammt!« Shannon war zutiefst erschüttert über diese Grausamkeit. Sie ließ die Szene, auf die Nate sich bezogen hatte, noch einmal Revue passieren: Sie hatte versucht, Molly anzufassen, sie zu streicheln, doch das Pferd hatte den Kopf zurückgeworfen. »Hast du das der Polizei gemeldet?«
»Noch nicht«, erwiderte er. Shannon verstand seine Abneigung gegen die Ordnungshüter: Nate war ebenso wie sie in der Vergangenheit zu Unrecht des Mordes angeklagt worden. Achtzehn Monate seines Lebens hatte er im Gefängnis verbracht. Er traute der Polizei nicht. »Ich dachte mir, du würdest es ihnen vielleicht selbst sagen wollen.«
»Das werde ich tun«, sagte sie und griff automatisch in die Tasche, in der normalerweise ihr Handy steckte, doch dann fiel ihr ein, dass es zum Aufladen im Haus lag.
Himmel! Ihr Blick wanderte von Nates besorgtem Gesicht zu der Herde. »Sind noch weitere Tiere verletzt?«
»Nicht, dass ich wüsste.«
»Hast du auch die Hunde untersucht?«
»Ja.«
»Gut.« Zwar war sie unsagbar empört über Mollys Verletzung, zugleich jedoch erleichtert, dass keine weiteren Hinweise auf solche abscheuliche Tierquälerei vorlagen.
»Vielleicht ist es an der Zeit, eine Alarmanlage zu installieren, um dein Haus, den Stall und die Zwinger zu schützen.«
Er öffnete den Haken der Führleine und ließ Molly frei. Schnaubend trabte die Stute hinüber zu den übrigen Pferden, wo sie stehen blieb, mit dem Schweif zuckte und nervös die Ohren spielen ließ.
»Ich lasse in meinem neuen Haus eine anbringen. Es muss sowieso renoviert werden. Und Alexi Demitri war heute hier. Er sagt, er besitzt eine Firma, die die Installation vornehmen kann.«
»Ich mag diesen Mann nicht«, sagte Nate tonlos.
»Das sagtest du bereits.«
Er presste die Lippen zusammen und trat durchs Gatter. »Du solltest deine Pläne noch einmal überdenken. Bis zum Umzug dauert es noch eine Weile, und die Gefahr droht doch offenbar gerade jetzt, ganz akut. Vielleicht solltest du auch hier etwas unternehmen.«
Damit hatte er allerdings recht: Sie musste noch ein paar Wochen lang hier wohnen, und die Vorstellung, dass ihr Angreifer nach Belieben hatte kommen und gehen können, verursachte ihr Gänsehaut. Womöglich war der Täter sogar im Haus gewesen, und falls er zurückkam … Ihr Magen krampfte sich zusammen. »Ich werde Alexi jetzt gleich anrufen«, sagte sie.
»Warum war er eigentlich hier?« Die Sonne sank tiefer, und die Schatten auf den Wiesen wurden länger. Khan war der Suche nach Eichhörnchen im Holzhaufen müde, trabte heran und winselte um Nates Aufmerksamkeit. Nate kraulte den Hund gewohnheitsmäßig hinter den Ohren. »Was wollte Demitri?«
»Er hat mir die Schlüssel zum Holzschuppen
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