Deathkiss - Suess schmeckt die Rache
auf dem neuen Anwesen gebracht.«
Nates Gesicht nahm einen verbissenen Ausdruck an; die Haut spannte sich über seinen hohen Wangenknochen. »Ich dachte, nach allem, was geschehen ist, würdest du vielleicht doch nicht umziehen wollen.«
»Aber vielleicht bin ich dort oben sogar sicherer.«
Er schnaubte. »Das Gehöft ist noch abgelegener.«
»Hör mal, das haben wir doch alles längst durchgesprochen. Alexi hatte übrigens noch einen anderen Grund für seinen Besuch.«
»Nämlich?«
»Er wollte mir sein Beileid wegen Mary Beths Tod aussprechen. Und außerdem hat er mir ein Geschenk gebracht.«
Nate zog eine Augenbraue hoch und straffte sich.
»Einen Welpen.« Sie zögerte. »Komm, ich zeige ihn dir.«
»Er hat dir einen Hund geschenkt?«, vergewisserte sich Nate skeptisch. »Mhm.« Shannon war bereits auf dem Weg zur Hintertür. Mit drei langen Schritten hatte Nate sie eingeholt, und gemeinsam gingen sie über die Veranda. Die alten Bodendielen knarrten unter seinen Stiefeln.
Als Shannon die Hand nach dem Türgriff ausstreckte, berührte Nate ihren Arm – der erste Körperkontakt seit dem Feuer. »Warte mal«, sagte er leise. »Wie geht es dir eigentlich?« Sein Blick verriet, wie ernst es ihm mit der Frage war.
»Ganz gut.« Sie sah ihn mit einem nicht ganz echten Lächeln an. »Hast du nicht selbst mal gesagt, dass ich zäh wie Leder bin?«
Er senkte den Blick. »Könnte ja sein, dass ich mich geirrt habe.«
»Nein!«
Sie öffnete die Tür, und er ließ die Hand sinken. Nates Problem war, dass bei ihm alles sehr tief ging, das wusste sie. Seine Gefühle waren alles andere als oberflächlich, auch wenn er sie häufig verbarg.
In der Küche trat sie an den Verschlag, in dem der Welpe bereits wieder aufgewacht war. Das kleine Fellknäuel hüpfte und sprang in seinem Gefängnis herum. Behutsam beugte sich Shannon über den Maschendraht und nahm den zappelnden kleinen Hund auf den Arm. »Skatouli«, sagte sie, während der Welpe ihr begeistert das Gesicht leckte. »Komm, ich will dich Nate vorstellen.« Shannon reichte dem hochgewachsenen Mann das Hündchen, und wie so ziemlich jedes Tier wurde auch Skatouli in Nates großen, schwieligen, unendlich sanften Händen augenblicklich ruhig. »Eine reinrassige Labradorhündin … Ohne Papiere, versteht sich.«
»Quatsch«, versetzte Nate ruhig. »Ebenso gut könntest du behaupten, ich sei ein reinblütiger Cherokee oder Khan hier ein preisgekrönter Australischer Schäferhund.« Er sah auf, streichelte jedoch noch immer den kleinen Hund. Khan, der seinen Namen gehört hatte und ohnehin stets im Mittelpunkt stehen wollte, drängte sich an Nates Beine. Er winselte erwartungsvoll, bellte dann mürrisch. Der Welpe erschrak und stieß ein hohes Kläffen aus.
»Ich weiß. Aber sie ist süß und wahrscheinlich auch klug.«
»Ich habe dir doch gesagt, du darfst Demitri nicht trauen«, betonte Nate noch einmal. »Der Kerl hat hinterhältige Motive und ist nicht so uneigennützig, wie er tut.«
Shannon seufzte. »Das höre ich nicht zum ersten Mal.«
»Und du ignorierst es. Wie immer.«
»Nicht wie immer. Ich nehme deine Ratschläge an, wenn ich sie für vernünftig halte. Sieh den Tatsachen ins Gesicht, Santana, es geht nicht nur um Demitri. Du traust überhaupt keinem Menschen.«
Er stieß einen abschätzigen Laut aus, und Shannon lachte leise. Sie hatten schon öfter über dieses Thema gesprochen. »Außerdem gefällt mir die neue Ranch.«
»Ich weiß. Zwecklos, noch länger darüber zu diskutieren«, sagte Nate. »Es ist ja beschlossene Sache.« Die Falten um seinen Mund gruben sich noch etwas tiefer ein.
Shannon ging nicht weiter auf seine ablehnende Haltung ein. Auch ihm wollte sie nicht erklären, was der eigentliche Grund für ihren Umzug war: dass sie den Geistern der Vergangenheit entkommen wollte. Als sie aufsah, begegnete sie Nates verhangenem Blick. Manchmal war es ihr, als besäße er die Fähigkeit, bis in ihre tiefste Seele zu schauen, ihre Gedanken zu lesen.
Vorsicht, Nate, vielleicht gefällt dir nicht, was du dort siehst.
»Suchst du was?«, fragte sie.
»Ich versuche nur, aus dir klug zu werden.«
»Das wird dir nie gelingen, Santana.«
Er lächelte. »Lass mir Zeit.«
Sie wussten beide, dass es nie so weit kommen würde. Als er ihr den Welpen übergab und die Küche verließ, spürte sie doch einen kleinen Stich im Herzen.
Nates ruhige Überlegenheit, seine augenscheinliche Gelassenheit verbargen einen wahren Orkan in seinem
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