Deathkiss - Suess schmeckt die Rache
vorrätig hatte. »Was ist mit dir?«, fragte sie den Kleinen, als Skatouli auch den letzten Brocken vertilgt hatte und erwartungsvoll zu ihr aufblickte. »Hat Alexi dir etwa nichts zu fressen gegeben?« Sie schmuste ein Weilchen mit der kleinen Hündin, führte sie dann Gassi und setzte sie zurück in ihren Verschlag, bevor sie sich an die Arbeit machte und die anderen Hunde versorgte. Sie bekamen Futter und frisches Wasser, dann trainierte Shannon die Tiere einzeln. Anschließend reinigte sie die Zwinger mit dem Wasserschlauch.
Als sie fertig war, zeigte die Uhr schon nach elf, und ihr Magen knurrte. Sie ging in die Küche, wo sie vier Nachrichten auf dem Anrufbeantworter vorfand – zwei davon von ihrer Mutter, die verlangte, dass sie sich gegen siebzehn Uhr zu einem ›Familientreffen‹ einfand.
»Klingt aufregend«, sagte Shannon leise zu sich selbst. Der dritte Anruf war von einer Frau, die eine Unterbringung für ihren Hund suchte, der vierte von Anthony Paterno, dem Detective, der die Ermittlungen im Mordfall Mary Beth Flannery leitete. Er bat sie, ihn zurückzurufen, um einen Termin zur Vernehmung zu vereinbaren. »Noch aufregender«, knurrte Shannon, wählte aber trotzdem seine Nummer. Sie erreichte ihn nicht und hinterließ ihrerseits eine Nachricht.
Sie hatte gerade aufgelegt, als sie Nate über den Parkplatz aufs Haus zukommen sah. Wenige Sekunden später klopfte er an die Hintertür, öffnete sie und zog seine Stiefel aus.
»Wollte nur mal nach dir sehen«, sagte er lächelnd. »Wie geht’s dir?«
»Besser. Körperlich zumindest.« Ihre Rippen schmerzten immer noch, und die genähte Kopfverletzung fing an zu jucken, doch die bohrenden Kopfschmerzen hatten nachgelassen, und auch der Schmerz in ihrer Schulter war inzwischen erträglich. »Der Gedanke an Mary Beth ist natürlich noch immer schrecklich.«
Er nickte. Um das Thema zu wechseln, holte Shannon Becher aus dem Schrank. »Wie wär’s mit einem Kaffee?«
»Klingt gut.« Auf Socken betrat er die Küche und musterte den Welpen, der zu ihm aufsah und mit dem Schwanz wedelte. »Weißt du, sie braucht einen neuen Namen.«
Shannon sah zu, wie Nate die kleine Hündin mit seinen großen Händen hochhob, wofür das Tierchen ihm begeistert das Gesicht leckte.
»Und warum?«
Nate verbiss sich ein Grinsen. »Ich glaube nicht, dass sie sich gern Scheißerchen nennen lässt.«
»Was?«
»Skatouli heißt frei übersetzt Scheißerchen.«
»Du machst Witze.«
»Nein. Ich habe im Internet nachgeforscht.« Er setzte den Welpen zurück ins Ställchen, ohne sein Winseln zu beachten, und widmete sich Khan, der dringend Streicheleinheiten einforderte. »Manche Leute finden das vielleicht niedlich, aber ich persönlich meine, du könntest dir was Besseres einfallen lassen.«
»Jetzt freust du dich wohl, wie?«, sagte sie und warf ihm einen scherzhaft vernichtenden Blick zu, während sie Kaffee einschenkte und ihm einen Becher reichte.
»Ich sagte doch, dass ich Demitri nicht traue.«
»Ja, ich weiß.« Sie seufzte und nippte an ihrem Kaffee. »Wie wär’s mit Bonzi?«
»Himmel, das ist fast genauso schlimm. Was heißt das?«
»Keine Ahnung. Mir gefällt der Klang.«
»Gib dem Hund eine Chance. Sie braucht einen … richtigen Namen.«
»Wie Fido oder Stromer oder Goldlöckchen?«
»Goldlöckchen ist nicht schlecht.«
»Goldlöckchen ist bescheuert, Nate«, versetzte Shannon, trank einen großen Schluck Kaffee und ging vor dem Ställchen in die Knie, um der kleinen Hündin in die braunen Augen zu sehen. »Wie wär’s mit Marilyn?«
»Wie bitte?«
»Sie ist blond und schön und Marilyn Monroe ist Kult … Deshalb.«
»Monroe gefällt mir besser.«
»Nein. Klingt so männlich.«
»Bonzi auch.«
Sie überging den Seitenhieb. »Ich finde den Namen gut!«
»Marilyn?« Er ließ sich das Wort auf der Zunge zergehen und zog skeptisch eine Augenbraue hoch. »Auf jeden Fall tausendmal besser als Skatouli.«
Shannon lachte, und sie und Nate gingen dazu über, ihren Arbeitsplan für die Pferde und Hunde für die übrige Woche festzulegen. Sie vermied es, von ihrer neuen Ranch zu sprechen, um Nate nicht unnötig aufzubringen. Eine Viertelstunde später stellte er seinen Becher ab und ging wieder an die Arbeit.
»Schließ die Türen ab, auch tagsüber«, riet er ihr von der Veranda aus, wo er seine Stiefel anzog. »Was hier im Gange ist, lässt mir keine Ruhe.«
»Mir auch nicht, aber ich glaube, tagsüber kann ich mich im Haus sicher
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