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Deathkiss - Suess schmeckt die Rache

Deathkiss - Suess schmeckt die Rache

Titel: Deathkiss - Suess schmeckt die Rache Kostenlos Bücher Online Lesen
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mit aschfahlem Gesicht in einem Ohrensessel. »Jesus, Maria und Josef«, sagte sie mit einem müden Seufzer. »Shannon Mary Flannery, du wirst den Vater meines Enkelkindes heiraten, und zwar schnellstmöglich. Ich benachrichtige auf der Stelle Pater Timothy.«
    »Nein!« Wenn Shannon sich je im Leben einer Sache völlig sicher gewesen war, dann war es, dass sie nicht die Frau dieses Mannes ohne Rückgrat werden wollte, den sie zu lieben geglaubt hatte.
    »O doch, du wirst heiraten«, knirschte ihr Vater. Er trat hinter den Sessel seiner Frau und legte eine große schwielige Hand auf Maureens zarte Schulter. »Und wenn ich den Jungen mit der Flinte vor den Altar jagen muss, er wird dich heiraten.«
    »Das sind doch vorsintflutliche Ansichten«, wehrte Shannon ab und straffte sich. »Ich kann das Kind allein großziehen.«
    »Heilige Jungfrau Maria! Das kommt nicht in Frage.«
    Ihre Mutter erhob sich ruckartig. Es kam selten vor, doch in dieser Situation zeigte sie einen eisernen Willen. Sie wies anklagend mit dem Finger auf ihre Tochter und verkündete: »Ich spreche mit Pater Timothy und mit Brendans Mutter und …«
    »Nein! Halte dich da raus. Ich erledige das!« Shannons Wangen glühten. Jetzt liefen die Tränen doch. Der Gedanke an eine Konfrontation mit Brendans Eltern versetzte sie geradezu in Panik. Sie hatte die beiden nie gemocht, und die jetzige Situation machte alles noch schlimmer. Bevor sie ein weiteres Wort herausbrachte, hob sich ihr Magen, und es stieg ihr säuerlich in die Kehle. Es war, als könne das Kind in ihrem Leib alles hören und verstehen, als wolle es laut dagegen protestieren.
    Sie flüchtete aus dem Zimmer und lief in das winzige Bad unter der Treppe, wo sie eine ganze Weile lang würgte. Erschöpft und keuchend biss sie schließlich die Zähne zusammen und schwor sich zu tun, was das Beste für das Kind war. Sie war sicher, es allein aufziehen zu können. Nicht mit der Hilfe ihrer missbilligenden Mutter, nach deren Ansicht dieses Kind in Sünde empfangen worden war. Nicht mit der Hilfe einer Horde von Brüdern, die selbst ihre eigene Mutter oft genug als unmoralische Draufgänger bezeichnete. Und nicht in Santa Lucia, wo sie jederzeit damit rechnen musste, Brendan auf der Straße zu begegnen.
    Shannon schluckte noch einmal krampfhaft, dann betätigte sie die Toilettenspülung und betrachtete ihr blasses Spiegelbild über dem Waschbecken. Im Wohnzimmer stritten ihre Eltern unterdessen weiter. Ihr Vater empörte sich über ›junge Böcke, die ihr Ding nicht in der Hose lassen konnten‹, ihre Mutter erregte sich wortreich über den ›Fluch der Flannerys‹, den sie immer dann zur Sprache brachte, wenn etwas nicht so lief, wie es sollte. Shannon sah ihre Mutter geradezu vor sich, wie sie hastig das Kreuz über ihrer mageren Brust schlug, wie immer, wenn sie von Schicksalsschlägen sprach.
    Noch jetzt, vierzehn Jahre später, schoss Shannon das Blut in die Wangen, wenn sie daran zurückdachte, wie sie ihren Eltern gestanden hatte, dass sie im dritten Monat schwanger war.
    »Der Fluch der Flannerys«, sagte sie noch einmal laut, und ihre Gedanken wanderten wieder zu ihrem Bruder Robert. Noch immer aufgewühlt von Mary Beths Anruf, nahm Shannon die Tasse mit Wasser aus der Mikrowelle. Sie fand eine Packung mit verschiedenen Kräutertees, die Sheas erste Frau, Anne, ihr vor langer Zeit zu Weihnachten geschenkt hatte, entschied sich für einen Beutel mit Himbeeraroma und hängte ihn in die dampfende Tasse. Kurz erwog sie, Robert anzurufen, verwarf den Gedanken jedoch gleich wieder.
    Mary Beth hatte recht. Jeder in der Stadt wusste von seiner Beziehung mit Cynthia Tallericco, denn Robert war aus ihrem gemeinsamen ländlichen Zuhause in eine eigene Wohnung umgezogen und hatte sich überhaupt nicht die geringste Mühe gegeben, sein Tun zu verbergen. Während seine früheren Flirts heimlich und kurzlebig waren, schien diese Affäre von Dauer zu sein. Sie war öffentlich bekannt. So bekannt, dass es Mary Beth und ihren zwei Kindern peinlich war. Doch das störte Robert offenbar nicht.
    Er beharrte eigensinnig auf der Scheidung, behauptete, dass er Cynthia liebte. Und er ließ sich auch von niemandem aus seiner Familie hineinreden. Er fand, es sei an der Zeit für etwas Neues und Mary Beth solle endlich ›anfangen zu leben‹. Mary Beth als gläubige Katholikin weigerte sich, beharrte darauf, Robert werde schon wieder ›zur Vernunft kommen‹, und benutzte die Kinder als Bauernopfer in einem

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