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Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition)

Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition)

Titel: Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karl May
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war, um hinten aus dem Wagen zu schlüpfen.
    Das Alles aber war nicht so leicht gewesen, als man glauben sollte, denn der alte Teppich genirte mich ungeheuer, und der Wächter warf zuweilen einen forschenden Blick auf mich. Zum Glück war das Geräusch, welches mein Messer in dem Korb hervorbrachte, bei dem Stampfen der Hufe, dem Gekreische der Räder und dem Gerumpel des Wagens nicht zu hören gewesen.
    Ich wartete, bis abermals einer jener Blicke auf mich gefallen war, wühlte mich unter das Heu und kroch – mit den Beinen voran – zu der Öffnung hinaus. Ich berührte mit den Füßen den Boden und zog den Kopf in das Freie nach.
    Jetzt erst war ich meiner Freiheit völlig sicher, und es galt, zu einem Pferde zu kommen.
    Wir befanden uns in einer ebenen Gegend und auf einem, wie es schien, wenig befahrenen Wege; auf beiden Seiten war Wald. Links ritt der Derwisch und rechts ein Zweiter, ganz so, wie ich vermuthet hatte. Das Pferd des Ersteren war nicht groß, schien mir aber besser als dasjenige des Anderen zu sein. Es hatte ein wolliges Fell, eine prächtige Mähne und einen Schweif, welcher fast die Erde berührte. Sein Gang war kräftig und doch elastisch leicht. Ah, wenn es zwei Personen tragen könnte!
    Dieser Gedanke elektrisirte mich. Erst ich der Gefangene des Derwisches, und dann er der meinige!
    Ich nahm das Messer zwischen die Zähne. Der Reiter hatte keine Ahnung von dem Vorgang hinter ihm. Er trabte wohlgemuth neben dem Wagen her und konnte also von den Anderen nicht gesehen werden. Er hatte nur die Spitzen seiner Füße in den Bügelschuhen. Zwar war sein Sitz ein fester, da das Pferd türkisch gesattelt war; aber ein Hieb in das Genick mußte seinen Oberkörper nach vorn stoßen, so daß er voraussichtlich bügellos wurde. Dann mußte er seitwärts aus dem Sattel gebracht werden. Für mich war dabei die Hauptsache, mich fest auf dem Pferde zu halten, um nicht abgeworfen zu werden.
    Einige rasche Schritte brachten mich hinter den Gaul. Ich holte aus und kniete im nächsten Augenblick auf der Croupe hinter dem Reiter. Das Pferd war über diesen plötzlichen Überfall einige Sekunden ganz verdutzt. Es blieb stehen. Das genügte. Ein Fauststoß in das Genick brachte die Füße des Reiters aus den Bügelschuhen. Ich packte ihn bei der Gurgel, erhob mich aus der knieenden Stellung, riß ihn dadurch aus dem Sattel und ließ mich in denselben fallen, ohne ihn los zu lassen. Das geschah grad noch zur richtigen Sekunde, denn jetzt stieg das Pferd vorn empor. Ich fand noch Zeit, mit der freien Hand die Zügel zu erfassen, drückte das Thier herum und ritt langsam und so leise als möglich davon – natürlich den Weg zurück, welchen wir gekommen waren.
    Dieser machte sehr bald eine Biegung. Vor derselben blickte ich mich um. Der Wagen war ruhig weiter gerollt: man hatte also noch gar nichts bemerkt. Das war nur dadurch möglich, daß die durchweg hölzernen Räder auf den ebenso hölzernen Achsen ein wahrhaft höllisches Gekreisch hervorbrachten; daß ferner der Wagen zwischen mir und dem zweiten Reiter gewesen war, und daß es endlich demselben auch nicht ein einziges Mal eingefallen war, sich umzusehen.
    Ich wäre gar zu gern Zeuge der Verblüffung gewesen, welche sich dieser Leute bemächtigen mußte, wenn sie merkten, daß ihr Anführer und ihr Gefangener zugleich verschwunden seien. Es wäre mir auch gar nicht schwer gefallen, mich zu verstecken und – ohne Gefahr für mich selbst – diesen Augenblick abzuwarten; aber ich wollte das Glück denn doch nicht in Versuchung führen und dachte auch an die Freunde, welche jedenfalls in nicht gewöhnlicher Sorge um mich waren.
    Darum nahm ich den Derwisch quer über meine Beine herüber und spornte das Pferd zu einem gestreckten Galopp an.
    Ali Manach war von meinem Angriff so überrascht worden, daß er sogar vergessen hatte, einen Schrei auszustoßen. Dann hatte ich ihm die Gurgel so zusammengedrückt, daß es ihm gar nicht möglich gewesen war, einen lauten Ruf hervor zu bringen. Ein gurgelndes Röcheln war Alles gewesen, was er hatte hören lassen. Jetzt aber lag er vor mir, still und bewegungslos, und ich glaubte, ihn erdrosselt zu haben.
    Das Pferd galoppirte so weich, eben und ausdauernd, daß ich nicht zu befürchten brauchte, eingeholt zu werden. Übrigenshatte ich jetzt nicht mehr Veranlassung, einen Kampf zu scheuen, denn ich war nun auch mit Schießwaffen versehen. Ali Manach hatte nämlich zwei geladene Pistolen im Gürtel stecken, welche ich

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