Denkwürdigkeiten aus meinem Leben [microform]
sehe krank aus. Erfahrene Matronen wollten daraus Besorgnisse schöp-fen; aber Therese ward glücklich von einem schönen und gesunden Mädchen entbunden, die noch jetzt als Mutter von neun Kindern und Gattin des-Vizepräsi-denten von Hauer ^3^) lebt. Indessen hatte man bei der Taufe des Kindes oder nach derselben die schöne Wöchnerin zierlich geputzt, eine Menge Besuche bei ihr eintreten lassen, und diesem, freilich verkehrten Verhalten ward es zugeschrieben, daß Therese plötz-lich sehr krank wurde, ihr Übel von Stunde zu Stunde, von Tag zu Tag stieg, und das blühende, edle, liebenswürdige Weib, die glückliche Gattin und Mutter noch vor dem Ende der neun Tage eine Leiche war^^*).
Ich fühlte diesen Verlust sehr tief und schmerzlich, nicht bloß um der Verblichenen selbst, sondern auch um ihres untröstlichen Mannes, meines teuern Freun-
des willen, und ich sprach mein Gefühl in einem Ge-dicht aus, das dieses traurige Ereignis besang und in der Sammlung meiner Gedichte enthalten ist^^^).
Als mein Hochzeitstag heranrückte, den meine Eltern auf den 25. des schönsten Monats, des Mai, festgesetzt, wünschte ich, daß meine wertern Jugend-freunde daran teilnehmen und mich an diesem Tage umgeben sollten. Fräulein Ravenet bat ich, meine Kranzjungfrau zu werden, ihr Pflegevater, der Regie-rungsrat von Heß, wurde zu meinem einen Zeugen ^ oder Beistand erwählt, und "mein lieber Dürfeid, dem ich es kaum zuzumuten wagte, ein Jahr nach seinem unendlichen Verlust bei meiner Hochzeit gegenwärtig zu sein, übernahm doch aus freundschaftlicher Güte für mich die Stelle des zweiten. Pichlers Beistände waren der damalige Hof rat von Sonnenfels, dessen Name in Österreich in dankbarem Andenken lebt, und ein junger Baron von Lederer^^^, der denn nun -auch so gut wie die beiden älteren Beistände und Dürfeid längst schon hinübergegangen ist und die Brautleute dort erwartet, wo wir uns wahrscheinlich in nicht langer Frist alle zusammenfinden werden.
Dieser 25. Mai 1796, ein Mittwoch, war von dem herrlichsten Frühlingswetter begünstigt und in unserm Hause vom frühen Morgen an ein geschäftiges Treiben und Drängen, das mich in innerer und äußerer Un-ruhe und Spannung erhielt. Gegen Abfend erschienen die Hochzeitsgäste und unsere nächsten Freunde und Bekannten; denn wir beide, Pichler und ich, wünschten kein rauschendes Fest, und es sollte doch eines werden! Meines Mannes Bruder, der würdige Pfarrer^'),
traute uns, und mit tiefbewegter Seele kam ich von der Trauung zurück^^^), wo ich zwar nicht geweint, aber desto mehr gezittert hatte, wie denn überhaupt meine Tränen nicht bei jenen Anlässen fließen, die sie sonst bei meinem Geschlechte hervorzurufen pflegen, wohl aber bei Regungen und Äußerungen öffentlicher Erhebung oder Freude. So haben sie später die Land-wehrlieder meines Freundes CoUin^^^) und die An-strengungen und Siege der Jahre 1813—14 reichlich fheßen gemacht.
Wir waren also nach Hause gekommen, ein sehr elegantes Gouter war eingenommen, und es fing an zu dunkeln, da bemerkten einige von der Gesellschaft, die zufälligerweise an ein Fenster, welches in den Garten sah, getreten waren, daß es im Garten von Menschen wimmle, und in der Entfernung der Schein von Lichtern zu sehen sei. Meine Mutter lächelte bei dieser Bemerkung ganz geheimnisvoll; aber sie schwieg, denn sie allein wußte von der Überraschung, welche liebe Freunde uns bereitet hatten, nämlich das Fräu-lein von Paradis, deren unglücklicher Bhndheit und ihres seltsamen Geschicks schon erwähnt worden ist^*"). Ihr Vater war ein vieljähriger Bekannter und Freund des meinigen^*!), Fräulein Therese, obwohl viel älter als ich, trug von jeher eine lebhafte Neigung zu mir, die ich herzlich erwiderte, und die Musik, welche sie, mit so vielem Glück als Freude, als den vorzüglichsten Trost in ihrer Lage trieb, wurde zu einem neuen Band zwi-schen uns. Wir hatten bereits kleine Komödien, auch einige Oratorien und Opern, meistens ohne Theater und Spiel miteinander aufführen geholfen; „Cora" und „Amphion" von Naumann ^*2) und viele andere, auch einige Kompositionen von Fräulein Paradis
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selbst; doch fand ich, daß weder ihre noch die Kom-positionen des Fräuleins von Martinez^*^) (die einzigen Werke von weibhchen Kompositeurs, die mir bekannt geworden) von großem Belange waren.
Es ist überhaupt eine seltsame Bemerkung und sie möge hier stehn, weil sie eine Veranlassung gefunden hat, daß es noch nie einer
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