Der Auftrag
handeln.«
Jaryn nickte. »Gut, Caelian, handeln wir gemeinsam. Weißt du schon, wie wir vorgehen wollen?«
»Hm, nein. Ich dachte, du …«
»Aha. Also, der Mann, der uns helfen kann, ist ein Gesetzloser. Deshalb kann ich dich dabei nicht gebrauchen. Er würde nicht wollen, dass ich einen Fremden mitbringe.«
»Du kennst einen Gesetzlosen?«
»Rein zufällig, ja. Und er ist mir etwas schuldig. Die ganze Angelegenheit ist schließlich gesetzwidrig, ist gegen unseren Herrscher gerichtet. Da kann nur einer, der nicht in unserer Gesellschaft lebt, etwas ausrichten, verstehst du?«
Caelian überlegte. »Wenn du ihn gefragt hast, kommst du doch wieder zurück?«
»Ja natürlich. Ich will wieder nach Margan.«
»Ich werde hier auf dich warten. Wie lange wird es dauern?«
»Mindestens zwei Tage. Die wirst du doch nicht hier im Wald verbringen wollen?«
»Mache dir um mich keine Sorgen. Ich werde am Weg sitzen, wenn du wiederkommst. Ich kann nicht ohne dich in den Mondtempel zurückkehren. Suthranna würde mich schelten, dass ich dich aus den Augen verloren habe.«
Jaryn sah ihn nachdenklich an. Ihm war, als sehe er Caelian zum ersten Mal als das, was er war: ein netter, verlässlicher und kluger Junge, den er nicht betrüben wollte. Dass er ein Mondpriester war, nun, das war ein Makel, aber er würde schon noch herausbekommen, weshalb er dort war und wie er es dort aushielt.
»Ich beeile mich«, murmelte er.
»Willst du nicht vorher etwas essen?«
»Unterwegs«, rief Jaryn und war schon aufgebrochen.
15
Da er schneller als gewöhnlich gelaufen war, erreichte Jaryn die Rabenhöhle am späten Nachmittag. Die Schenke war gut besucht, aber es waren noch Plätze frei. Seine Blicke überflogen rasch die Gäste, war Rastafan unter ihnen? Sein Herz klopfte. Was würde er sagen, wenn er ihn sah? Er wäre sicher verwundert, aber würde er sich auch freuen?
Da kam auch schon Mariella auf ihn zu, in einer Hand einen Bierhumpen, in der anderen ein Scheuertuch. Sie blickte ihn finster an. »Du schon wieder?«
Das war kein herzliches Willkommen. Jaryn erinnerte sich. Er hatte sie das letzte Mal recht unwirsch behandelt, weil er keinen Erfolg bei seiner Suche gehabt hatte. Mariella hatte ihm schöngetan, und er hatte es nicht beachtet. Keine Frau mochte das. Er lächelte sie freundlich an, wissend, dass sein Lächeln andere bezauberte. »Ja, ich schon wieder, schönste Mariella. Wie du siehst, hat es mir bei euch gefallen. Ich war zuletzt etwas missgelaunt, kannst du mir verzeihen?«
Sofort hellte sich ihr Gesicht auf. »Hast du die Frau mit dem Kind gefunden?«
»Noch nicht, aber …« Er reckte seinen Hals, um sich in der nur von blakenden Lampen erhellten Gaststube besser umzusehen.
»Dasselbe wie letztes Mal?«
»Äh – ja. Ja. Dasselbe. Sag, Mariella, ist Rastafan da?«
Sie verschloss sich augenblicklich. »Rastafan?«
»Ja, oder war er seitdem wieder hier?«
Ihre Augen verengten sich. »Ich kenne keinen Rastafan«, erwiderte sie mit eisiger Stimme.
»Aber Mariella, erinnerst du dich nicht? Er war mit seinem Freund da, einem Glatzkopf, und wir …«
»Du redest Unsinn. Hier war nie ein Rastafan, und nun troll dich, wir brauchen hier keine Schnüffler.«
»Mariella, ich muss ihn sprechen, es ist sehr wichtig.«
»Hast du keine Ohren? Es gibt hier keinen Rastafan, hat nie einen gegeben. Und wenn du dich nicht gleich davonmachst, hole ich meinen Vater.«
Mit dem schwarzbärtigen Sassan wollte Jaryn sich nicht anlegen. Verwirrt trat er den Rückzug an. Was war hier inzwischen geschehen? Er machte ein paar Schritte, sah sich noch einmal zur Tür um, dann ging er nachdenklich die Dorfstraße hinunter, Richtung Wald. Mariellas Leugnen konnte nur bedeuten, dass Gefahr in der Nähe war. Hatten des Königs Schergen Rastafan hier aufgespürt? Konnte er sich nicht mehr in der Rabenhöhle blicken lassen? Aber wie sollte er ihn dann finden? Schon wieder war er vergeblich auf der Suche, und diesmal machte es ihm die Brust eng, denn es konnte bedeuten, dass er Rastafan nie wiedersah. Außerdem musste er unverrichteter Dinge zu Caelian zurückkehren, der irgendwo an der Straße geduldig auf ihn wartete. Caelian – ein Mondpriester. Er war so ganz anders, als er sich diese vorgestellt hatte. Oder war sein Bild von Anfang an falsch gewesen?
Jaryns Selbstzweifel nahmen zu. In letzter Zeit hatte sich vieles als falsch oder als Trugbild herausgestellt. Sein fest gefügter Lebensentwurf war ins Wanken geraten. War er
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