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Der Auftraggeber

Der Auftraggeber

Titel: Der Auftraggeber Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Daniel Silva
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Palästinenserführer ist. Er ist in diplomatischer Mission unterwegs. Er ist niemand, den du fürchten müßtest. Sobald er spürt, daß du Angst vor ihm hast, wird er vermuten, du wüßtest mehr, als du wissen solltest.«
    »Ich verstehe.«
    »Sei nicht überrascht, wenn auf deinem Anrufbeantworter Nachrichten sind. Wir sorgen dafür, daß ein paar aufgesprochen werden. Vergiß nicht, daß nach den von Jusef festgelegten Regeln nur Julian Isherwood weiß, daß du verreist bist. Vielleicht ruft Isherwood an, um zu fragen, wann du voraussichtlich zurückkommst. Vielleicht hat sich in der Galerie etwas ergeben, das deine Anwesenheit erfordert. Vielleicht ruft ein Angehöriger oder eine Freundin aus Paris an, um sich zu erkundigen, wie es dir in London geht. Vielleicht ruft ein Mann an und will dich zum Abendessen einladen. Du bist eine attraktive Frau. Es wäre verdächtig, wenn nicht auch andere  Männer hinter dir herwären.«
    Sie dachte: Warum also nicht du, Gabriel?
    »Jetzt zu heute abend: Ich möchte, daß du nochmals schwere Bedenken gegen die ganze Sache vorbringst, bevor du Jusef deine Entscheidung mitteilst. Für Jacqueline Delacroix mag die Idee, mit einem fremden Mann zu verreisen, nicht besonders ungewöhnlich sein, aber für Dominique Bonard muß sie völlig abwegig klingen. Ich möchte, daß du dich mit ihm streitest. Ich möchte, daß du ihn dazu zwingst, Garantien für deine Sicherheit abzugeben. Letzten Endes erklärst du dich natürlich einverstanden - aber nicht ohne erregte Diskussion. Hast du verstanden?«
    Jacqueline nickte langsam, von der ruhigen Intensität Gabriels wie hypnotisiert.
    »Sorg dafür, daß dieses Gespräch in seiner Wohnung stattfindet. Ich will hören, was er dir sagt. Ich will seinen Tonfall noch ein letztes Mal analysieren. Nachdem du zugestimmt hast, darfst du nicht überrascht sein, wenn er dich nicht mehr wegläßt. Sei nicht überrascht, wenn er dich für diese Nacht anderswo unterbringt. Dominique Bonard kann sich darüber beschweren - sie kann sogar leere Drohungen ausstoßen, sie wolle auf der Stelle gehen -, aber Jacqueline Delacroix darf sich von nichts überraschen lassen. Und vergiß nicht, daß wir in der Nähe sind, wo immer er dich hinbringt. Wir passen auf dich auf. Ich passe auf dich auf.«
    Er blieb kurz stehen und begann dann wie zuvor Schamron langsam in der Galerie auf und ab zu gehen. Dabei machte er einen Augenblick vor dem Luini halt und betrachtete die Venus. Jacqueline fragte sich, ob er imstande war, die Schönheit eines Kunstwerks zu würdigen, oder dazu verdammt, überall nur Mängel zu suchen. Gabriel machte kehrt, kam zurück und setzte sich neben sie aufs Sofa.
    »Eines möchte ich noch sagen. Ich möchte, daß du darauf vorbereitet bist, wie alles enden wird. Es kann an einem ruhigen, völlig geheimen Ort passieren, oder es kann mitten auf einer belebten Straße geschehen. Ich will darauf hinaus, daß du nicht vorher wissen wirst, wann es soweit ist. Vielleicht siehst du mich kommen, vielleicht auch nicht. Siehst du mich kommen, darfst du mich nicht ansehen. Du darfst nicht zusammenzucken. Du darfst keinen Laut von dir geben. Du darfst nichts tun, was ihn auf mich aufmerksam machen könnte. Sonst sind wir unter Umständen beide tot.«
    Gabriel machte eine Pause, dann fügte er hinzu: »Er ist nicht gleich tot. So wirkungsvoll ist eine Beretta Kaliber zweiundzwanzig nicht. Dazu sind mehrere Treffer an der richtigen Stelle nötig. Wenn ich ihn niedergeschossen habe, muß ich die Sache zu Ende bringen. Dafür gibt's nur eine sichere Methode.«
    Er machte aus seiner rechten Hand eine Pistole und setzte den Zeigefinger an die Schläfe.
    »Ich will nicht, daß du mir zusiehst, wenn ich das tue. Der Mann, der das tut, bin nicht wirklich ich.«
    Sie streckte ihre Hand aus und nahm seine Hand von der Schläfe. Sie drückte den Zeigefinger sanft in die Handfläche, so daß seine Hand nicht mehr einer Beretta glich. Dann beugte Gabriel sich endlich zu ihr hinüber und küßte sie.
    »In welcher Stimmung ist sie?« fragte Schamron, als Gabriel auf die Oxford Street abbog und nach Osten weiterfuhr.
    »Sie ist entschlossen.«
    »Und Sie?«
    »Meine Gefühle sind jetzt irrelevant.«
    »Sie sind kein bißchen aufgeregt? Die Aussicht, in den Kampf zu ziehen, begeistert Sie nicht? Die Jagd gibt Ihnen nicht das  Gefühl, vollkommen lebendig zu sein?«
    »So etwas empfinde ich schon lange nicht mehr.«
    »Sie und ich sind verschieden, Gabriel. Ich schäme mich

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