Der Dieb der Finsternis
Dinge verstauen, die man niemals durch eine Sicherheitskontrolle hätte schleusen können. Michael kletterte in die schmale Öffnung und reichte drei große schwarze Reisetaschen nach oben, die Busch in Empfang nahm.
Busch zog den Reißverschluss der ersten Tasche auf, die mit einem goldenen Anhänger versehen war, wühlte sich durch Kletterausrüstung bis zum Boden, zog ein Messer heraus, das in einer Scheide steckte, sowie einen Kompass und zwei Rollen Seil. Er öffnete die nächste Tasche, in der er mehrere Pistolengürtel fand und kartonweise Munition.
»Mein lieber Mann«, sagte Busch. »Gut, dass du nicht mit normalen Fluglinien unterwegs bist.«
Michael ignorierte seinen Freund, kletterte aus dem Bauch des Jets und öffnete die dritte und letzte Tasche: Sie war vollgepackt mit elektronischen Geräten und technischen Spielereien, einer Tauchausrüstung und vier Lehmklumpen, die mit durchsichtiger Plastikfolie umwickelt waren. Michael überprüfte den Inhalt der drei Taschen und prägte sich genauestens ein, was jede enthielt. Er setzte sich und dachte einen Moment nach. Dann stand er auf, ging ins Heck des Flugzeuges und kam mit vier Lederröhren zurück, die jeweils einen Meter lang waren. Jede der Röhren besaß einen Schultergurt aus Leder und sah wie eine Transportrolle aus, wie sie für Bauzeichnungen benutzt wird. Michael öffnete sie. Eine Stahlröhre kam zum Vorschein, die man an der Oberseite aufdrehen und luftdicht verschließen konnte.
»Ist das dein Täschchen für alle Tage, um gestohlene Gemälde zu transportieren?«, scherzte Busch.
»Sehr witzig. Aber sie sind tatsächlich für den Transport von Gemälden. Sie sind wasserfest, und man kann sie luftdicht verschließen.«
Michael warf sie in die erste Reisetasche. Er zog die Reißverschlüsse der Taschen zu und drückte die angebliche elektronische Schaltanlage wieder an ihren Platz. Dann schloss er die Fußbodenplanke, drehte die Schrauben fest, legte den Teppich, der von Wand zu Wand reichte, wieder richtig hin und drückte ihn mit dem Fuß glatt.
»Jetzt gibt es kein Zurück mehr«, sagte Busch und reichte Michael den Kompass und das Messer.
»Das gab es schon vor Stunden nicht mehr«, erwiderte Michael und ließ den Kompass und das Messer in seine Jackentasche gleiten. Er warf sich die zwei Rollen Seil über eine Schulter, eine der schwarzen Taschen über die andere, und eilte aus der Jettür nach draußen.
Busch hievte die verbleibenden zwei schwarzen Taschen vom Boden und trug sie über die Gangway des Jets nach unten. Dort warf er sie neben Michaels Tasche in den offenen Kofferraum der Limousine. Er schloss den Kofferraum und blickte durch die Heckscheibe auf KCs Hinterkopf. Dann drehte er sich zu Michael um.
»Der Augenblick, an dem es für dich kein Zurück mehr gab, war vor sechs Wochen, als du das Mädchen geküsst hast.«
19.
I blis sah den hünenhaften blonden Fahrer aus der Limousine steigen. Der Mann war in jeder Hinsicht gewaltig: groß, schwer, muskulös. Er war sich absolut sicher, dass er nicht nur als Chauffeur fungierte, obwohl er soeben um den Wagen herumlief und seinen Fahrgästen die Tür aufhielt. Das Mikla Iki war eines der exklusivsten Restaurants der Stadt, bekannt für seine Fischgerichte und sein Ambiente. Hier musste man schon Wochen im Voraus einen Tisch reservieren, was für KC anscheinend kein Hinderungsgrund gewesen war. Sie und ihr männlicher Begleiter stiegen aus der Limousine. Der Mann lief geradewegs auf den Eingang zu, als KC noch einmal stehen blieb. Sie drehte sich um und ließ den Blick schweifen. Für Iblis bestand nicht der geringste Zweifel: Sie hielt Ausschau nach ihm. Er saß immer noch hinter dem Steuer seines Taxis, das ein Stück weiter unten auf der Straße stand, in sicherer Entfernung, und starrte sie an. Die Passanten verrenkten sich die Köpfe nach ihrem blonden Haar und der schlanken, hochgewachsenen Gestalt und fragten sich, ob diese Schönheit möglicherweise irgendeine Prominente war.
Als die Limousine den Flughafen Istanbul-Atatürk verlassen hatte, war Iblis ihr in einigem Abstand in die Stadt gefolgt, in der inzwischen das Nachtleben tobte. Die beiden Männer, die KC begleiteten, ließ er gerade überprüfen. Bisher hatte er nur in Erfahrung gebracht, dass der Mann, mit dem sie zum Abendessen ging, der Sohn jenes reichen amerikanischen Rechtsanwaltes war, dessen Visitenkarte in ihrer Tasche gesteckt hatte. Iblis hasste Rechtsanwälte. Er hielt sie für Wichtigtuer, die
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