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Der Dieb der Finsternis

Der Dieb der Finsternis

Titel: Der Dieb der Finsternis Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Richard Doetsch
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Fahrstuhl. Die Franzosen strömten nach draußen und ließen Michael und KC allein und in plötzlicher Stille zurück.
    Die Türen schlossen sich. Sekunden später öffneten sie sich wieder im vierten Stock.
    Michael begleitete KC zur Tür ihres Zimmers. Dabei blickte er die ganze Zeit auf ihr blondes Haar, das im weichen Licht der Flurbeleuchtung glänzte, betrachtete ihren Körper und ihre bei jedem Schritt sanft schwingenden Hüften.
    »Michael«, sagte KC. Sie blickte zwar in seine Richtung, vermied es aber, ihm in die Augen zu schauen. »Es tut mir leid, dass ich dich in diese Geschichte mit hineingezogen habe.«
    »Du hast mich in nichts hineingezogen.«
    »Ich werde das Bild einfach nicht los, Cindys Tränen und Simon …« KC stockte. »Ich habe sie immer nur belogen. Und ich habe dich belogen. Du hast geglaubt, du wärst mit einem aufrichtigen Menschen zusammen, mit einer ehrlichen Frau … das bin ich aber nicht. Jetzt ist Schluss mit der Lügerei und dem Versteckspiel.«
    »Du hattest Grund zu lügen.«
    »Nein. Wir dürfen die Menschen, die wir lieben, nicht belügen. Ich habe gesehen, was ich Cindy damit angetan habe. Ich muss dir die Wahrheit sagen.«
    Liebevoll lächelte Michael sie an.
    »Ich glaube«, fuhr KC fort, »dass es Menschen gibt, denen die Liebe nicht vergönnt ist, während es anderen bestimmt ist, bedingungslos geliebt zu werden.« KC atmete tief durch. »Ich kann dir deine Ehefrau nicht ersetzen. Michael …«
    »Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, sich über solche Dinge den Kopf zu zerbrechen, KC. Wir müssen uns jetzt darauf konzentrieren, deine Schwester und Simon zurückzubekommen. Danach können wir über alles andere reden.« Michael streckte die Hand aus und strich mit den Fingern zärtlich über KCs Wange. »Lass uns diese Dinge erst einmal beiseitestellen. Morgen ist ein neuer Tag.«
    KC blickte ihm tief in die Augen.
    »Es tut mir leid, Michael.« Sie trat einen Schritt zurück und benutzte ihre elektronische Schlüsselkarte, um die Zimmertür zu öffnen. »Gute Nacht.«
***
    Klickend fiel die Tür ins Schloss. KC betrat ihre Suite. Sie ging nach oben in das große Bad, drehte die Dusche auf und zog sich aus. Dann trat sie in die Granitkabine und ließ das heiße Wasser auf ihren Körper prasseln. Fünf Minuten später drehte sie das Wasser wieder ab, hüllte sich in ein Badetuch und trat zurück in das Bad aus Marmor.
    Unvermittelt erfasste sie panische Angst. Einen Moment stand sie wie erstarrt da; dann schnappte sie sich ihre Hose, die auf dem Boden lag, und griff in die Vordertasche. Zuerst dachte sie, es sei verschwunden, dann aber hielt sie es plötzlich in der Hand und zog es heraus.
    KC hielt den winzigen Gegenstand ganz fest und rutschte an der Wand entlang auf den Fußboden, während sich der Dampf aus der Dusche langsam auflöste.
    Sie hatte alles getan, was in ihrer Macht stand, damit die Wachen diesen Gegenstand nicht fanden, als man sie in Amsterdam filzte und als Iblis sie abgetastet und die Visitenkarte von Michaels Vater in ihrer Tasche gefunden hatte. Sogar im Gefängnis von Chiron war es ihr gelungen, den Gegenstand immer wieder an einer anderen Stelle zu verstecken, ohne dass es jemandem aufgefallen war. Er hatte keinen nennenswerten pekuniären Wert, bedeutete ihr aber so viel, dass es mit Geld nicht zu bezahlen war. Es war das einzige Geschenk, das ihr jemals ein Mensch aus Liebe gemacht hatte. KC las die Gravur, Morgen ist ein neuer Tag , und legte sich die Kette mit dem Anhänger um den Hals. Dann schloss sie die Augen und hielt den Anhänger so fest, als würde sie Michaels Herz in Händen halten.
    Darüber schlief sie ein – auf den Handtüchern auf dem Badezimmerboden.
***
    Michael stand auf dem Balkon seiner Hotelsuite. Er blickte auf das nächtliche Istanbul und über den Bosporus nach Asien. Dabei ließ er sich KCs Worte noch einmal durch den Kopf gehen. Sie hatte in ihm etwas zu neuem Leben erweckt – etwas, von dem er geglaubt hatte, dass es gestorben sei und dass er es zusammen mit Mary begraben hatte. Doch irgendwo tief in seinem Innern hatte KC sein Herz gefunden.
    Sie war eine starke, kluge Frau, deren Gefühle derzeit auf eine harte Probe gestellt wurden. Dennoch kämpfte sie weiter, mit einem Lächeln auf den Lippen. Sie waren einander sehr ähnlich, nicht nur im Hinblick auf das, was sie taten, auch im Hinblick auf ihre Persönlichkeit und ihren Charakter.
    Allerdings war an diesem Tag eine Sache aufgekommen, die Michael noch immer

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