Der dreizehnte Apostel
auf den Klängen der Lyra Davids schwebenden Seraphim kredenzten Ihm himmlischen Wein. Speisen jedes erdenklichen Wohlgeschmacks und in den schönsten Farben auf Geschirr von Rubin und Achat standen dann vor Ihm in dem Juwelenlicht aus der unerschöpflichen, ewigen Quelle des Lichts …«
(Da siehst du, auf welchen Jargon man sich heutzutage einstellen muss , wenn man theologische Probleme diskutieren will!)
11.
»Unsinn«, widersprach ich. »Ich erinnere mich, wie bei einer Begegnung (damals begleitete mich mein Erzieher Polykrates) dem Meister nach dem Genuss eines Stücks geräucherten Fischs übel wurde, in Kapernaum war das. Und ich erinnere mich, wie, als ich zum zweitenmal in seiner Gegenwart war, bei einem Festmahl in Kana, der Lehrer zuviel von dem Geflügel aß, das man uns vorsetzte, und später über das Unbehagen scherzte, das Ihm sein überladener Magen verursachte; auch du, Johannes, kannst das eigentlich nicht vergessen haben. Als Mensch erduldete Er die Bedingungen unserer Leiblichkeit genauso wie wir alle. Oder wurde Ihm der Hintern von den himmlischen Heerscharen gewischt?« Johannes sagte zu mir: »Das beweist nur, wie vollkommen täuschend die Illusion war, daß wir glaubten, Er sei ganz wie wir einfachen sterblichen Menschen.«
12.
Ich fragte Johannes: »So meinst du, Er sei Gott und nicht durchaus menschlich?«
»Ich glaube, Er ist beides«, erwiderte Johannes, »doch so, daß Er in verschiedenen Momenten an verschiedenem Wesen teilhat. Seine Sohnschaft ist vom Vater abgeleitet, durch die Heilige Weisheit vermittelt, die Vorewigkeitliche Sophia. Sein Göttliches Wesen war vor der Welt und wird nach der Welt sein, ungeschaffen und ewig fortschreitend, jedoch ewig hervorbringend. Aber das ist das Ergebnis jahrelanger Studien an diesem Ort, wo ich mir die Erklärung solcher Lehren zur Lebensaufgabe gemacht habe.«11
Ich beharrte bei meiner Anschauung. »Selbst wenn der Meister sprach, wie nie zuvor ein Mensch geredet hatte – und nie wieder ein Mensch reden wird –, war Er doch im gleichen Raum mit uns anwesend. Wir konnten die Hand ausstrecken und Sein Fleisch berühren und die Wärme Seines Leibes fühlen!«
Aber Johannes hörte nicht zu. »Zu vieles ist mir geoffenbart worden, von dem ich einiges mitteilen kann, anderes freilich wurde mir allein anvertraut.«
(Aber zu welchem Zweck geschah in diesem Fall die Offenbarung, fragt man sich.)
13.
Johannes sagte zu mir: »Zuerst, wie der Meister gesagt hat, wird Jerusalem vernichtet werden, die Felder versalzen, die Brunnen vergiftet, die Mauern durchbrochen und von dem, was einst der Tempel war, wird kein Stein mehr auf dem anderen stehen. Schon häufen sich die Vorzeichen. Selbst hier in der Synagoge zu Ephesos hat man vor einem Opfer eine Kuh ein Lamm kalben sehen, ein Mutterschaf ein Kalb lammen. Vorzeichen der Greuel, die uns bevorstehen!« Weiter sagte Johannes zu mir: »Ich kann dir sagen, daß ich während meiner Zeit in der Wildnis auf einem kahlen Felsen, wo Sonne und Luft meine einzige Nahrung waren,12 die Brände und Leiden der kommenden Wehezeit erblickte, die Zerstörung aller Dinge, wo wird sein keine Seele ohne Pein und des Feuers Br unst zer rütten Mark und Bein. Bei so unerhörter Hungersnot, daß mangels Brot die Eltern werden fressen die Kindlein.«
Ich fragte Johannes, ob das nach der Mark und Bein zerrüttenden Feuersbrunst zu erwarten sei oder vorher.
14.
Er sagte zu mir: »Alle diese Leiden werden gleichzeitig sein. Qualen werden wir begegnen, wohin wir uns auch zur Flucht wenden. Und wieviel schlimmer noch wird es jenen ergehen, die sich Zweifel an der Auferstehung des Meisters erlauben.«
Ich erwähnte nichtsdestoweniger, daß ich allerdings hinsichtlich dieser Auferstehung gewisse Zweifel habe, da ich nicht zu denen gehörte, die Ihn mit eigenen Augen sahen, und überdies von den Jüngern, denen diese Gnade zuteil wurde, jeder etwas anderes gesehen haben wollte. Johannes sagte mir: »Da Er die Sünden aller Generationen einschließlich der gegenwärtigen aufgesammelt und konzentriert auf sich genommen, da Er des Irrtums und der Greuel ganze Fülle Seinem Göttlichen Wesen einverleibt, fiel Er durch die vielen Höllen bis hinab in die siebente unter Abadon, wo Er drei Tage lang eine schlimmere Prüfung als die des Kreuzes erduldete.«
15.
»Glaubst du wirklich«, fragte ich ihn, »daß Gott Seinen größten Propheten in die Tiefe eines feurigen Sees schleuderte, hinab zu den mit
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