Der hellste Stern am Himmel
Küche, und plötzlich war Katie allein mit Bronagh, die gespielt übertrieben seufzte. »Männer und ihr Spielzeug. Darf ich mal deine Schuhe probieren? Dann male ich dir auch deine Nägel silbern an.«
Als die Männer von ihrer Probefahrt zurückkamen, war Katie von Bronagh, die gestand, dass sie Katie mochte, nach oben entführt worden.
Conalls riskantes Spiel war aufgegangen: Seine warmherzige Familie hatte sie überzeugt, dass er vielleicht nur halb verrückt war.
»Du kannst mich zum Lunch ausführen«, sagte sie zu Conall, »und dann kannst du abhauen. Es geht nicht, dass du –«
»Ich weiß, dass ich einfach aufkreuze und erwarte,
dass du meinetwegen alles umwirfst, was du dir seit Wochen vorgenommen hast, außerdem ist es allein meine Schuld, dass eine unvorhergesehene Firmenübernahme genau in der Woche stattfindet, in der dein Geburtstag ist, und zu allem Unglück habe ich auch noch deinen Spiegel nicht aufgehängt.«
Sie machte den Mund auf, dann machte sie ihn wieder zu. »Richtig.«
»Richtig«, stimmte er zu. »Aber immerhin habe ich mir Mühe gegeben, das musst du zugeben.«
Auf dem Weg zum Restaurant raste ein Fahrradfahrer auf sie zu, so dass sie erschreckt ausweichen mussten.
»Herr im Himmel!«, sagte Conall. »Die sind überall.«
»Sie verursachen mir Schuldgefühle. Weil ich denke, ich sollte auch mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren.«
»Wegen der Umwelt?« Conall machte die Tür zum Restaurant auf.
»Mmm …« Deswegen und wegen ihrer Oberschenkel. »Aber ich bin zu faul. Dabei habe ich als Kind mein Fahrrad so geliebt.«
Ein Kellner hatte Conall erkannt und führte sie sofort zu seinem üblichen Tisch.
Als sie sich setzten, fragte Katie: »Hattest du als Kind ein Fahrrad?«
Seine Miene verfinsterte sich.
»Was?«, fragte sie. »War das ein Zucken, oder was?«
»Ich hatte ein Fahrrad.«
»Was sollte dann das Zucken? Erzähl es mir. Es kann mein Geburtstagsgeschenk sein.«
»Ich habe dir schon eine Uhr geschenkt.«
»Erzähl es mir.«
Er zögerte. »Du weißt doch, wie ich aufgewachsen bin.«
Conall war in armen Verhältnissen aufgewachsen. Nicht in tiefster Armut wie in Die Asche meiner Mutter , nicht mit einem betrunkenen Vater und einer Mutter, die auf den Strich ging, aber doch von der Hand in den Mund. Sein Vater war Klempner gewesen, seine Mutter Schneiderin. In seiner Kindheit war das Wohnzimmer die Nähstube von Mrs. Hathaway gewesen, angefüllt mit Stoffballen und Stoffmustern und halb genähten Hochzeitskleidern. Da er schnell wuchs, waren neue Schuhe für ihn eine ständige Sorge seiner Mutter.
»Wir hatten kein Geld für ein Fahrrad.«
Katie erschrak über sich selbst. »Ich hätte nicht fragen sollen. Entschuldige bitte.«
Er wischte ihre Entschuldigung fort. »Das macht doch nichts. Bei Spudz gab es ein Angebot: Wenn man fünftausend Chips-Tüten gesammelt hatte, kriegte man ein Fahrrad.«
»Wer schafft es denn, fünftausend Chips-Tüten zu sammeln?«
Es entstand ein seltsames kleines Schweigen, dann sagte er: »Ich.«
»Wie?«
»Ich musste einen Ort finden, wo die Leute jede Menge Chips aßen, also bin ich zum nächsten Pub gegangen und habe mein Anliegen vorgetragen.«
»Wie alt warst du da?«
»Neun. Nein, zehn. Nein, neun.«
»Und was haben sie gemacht?«
»Die Leute hinter der Bar haben gelacht. Aber sie haben gesagt, sie würden für mich sammeln.«
»Und das haben sie auch getan?«
»Ja. Und die in drei anderen Pubs auch.«
»In drei anderen Pubs.« Schon mit neun hatte er unternehmerische Qualitäten gezeigt. Was hatte sie mit diesem Mann zu tun?
»Es hat fast vier Monate gedauert, aber ich habe fünftausend Chips-Tüten zusammenbekommen, und ich habe mein Fahrrad bekommen.«
»Was willst du mir damit sagen?«
Sie bemerkte, wie er sich innerlich wieder zurückzog. »Dass ich mit neun Jahren ein Fahrrad umsonst bekommen habe.«
Dass er nie aufgab? Dass er das bekam, was er haben wollte? Dass er von Dingen getrieben wurde, die sie niemals verstehen würde?
»Mein Spiegel –«, sagte sie.
»Er hängt an der Wand.«
»Seit wann?«
»Seit …« Er sah auf die Uhr. »Seit einer Stunde und vierundvierzig Minuten.«
»Jasons Hochzeit?«
»Ich bin rechtzeitig zurück. Ich schwöre es bei meinem Leben.«
»Bei deinem Leben?«
»Bei meinem Leben. Ich bin rechtzeitig zurück. Die Leute in Helsinki wissen Bescheid.«
Sie atmete langsam aus. Sie wusste nicht recht, ob sie sich schon entspannen konnte.
»Es tut mir leid«, sagte er
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