Der Krake
gestrichen worden. Eine Frau saugte an ihrem halb verschütteten Getränk. Ein Mann führte Selbstgespräche. Drei Leute drängten sich um einen Tisch in einer anderen Ecke.
Ich glaube, hier werde ich meinen nächsten Geburtstag feiern, dachte sie in einem Anflug kühlen Sarkasmus. Die Jukebox spielte wieder etwas Neues: »Funky Town«, die Version von Pseudo Echo. Heilige Scheiße, jetzt auch noch »Iron Lung«, Big Pig. Alle Achtung! Aber damit fangt ihr mich nicht. Da müsst ihr schon mehr Einsatz zeigen. Spielt Yazz, »The Only Way is Up«, dann buche ich den Laden für meine Hochzeitsparty.
Sie sah einer Frau zu, die Bilder auf den Tisch malte und dann und wann ein paar Spritzer Bier hinzufügte. Die Frau blickte auf und lutschte nachdenklich das verunreinigte Bier von ihrem Finger. Marge wandte angewidert den Blick ab. Auf dem Tisch malte sich das Bierbild von allein weiter.
»Und, was haben Sie zu bieten?«
Marge blickte auf. Zwei Männer in den Vierzigern oder Fünfzigern stolzierten argwöhnisch auf sie zu. Der eine verzog keine Miene, seine Züge gaben nichts preis; der andere, der, der gesprochen hatte, verzog dagegen ständig das Gesicht, als wollte er Kinder bespaßen.
»Wie war das?«
»Brian sagt, Sie wollen mitspielen? Was haben Sie anzubieten? Kratzt du mir die Seele, kratz ich dir die Seele, wie du mir, so ich dir, Schätzchen. Also, was haben Sie zu bieten? Wir stehen hier alle auf ein bisschen Theologie, also, keine falsche Scheu.« Er leckte sich die Lippen. »Kommen Sie schon, schenken Sie uns ein Jenseits.«
»Entschuldigung«, sagte sie gedehnt. »Ich wollte niemanden in die Irre führen. Ich bin hier, weil ich Hilfe brauche. Ich brauche Informationen, und jemand hat mir gesagt ... Ich muss Ihnen ein paar Fragen stellen.«
Kurz trat Stille ein. Der Mann, der nichts gesagt hatte, gab sich weiter recht teilnahmslos, richtete sich aber gemächlich zu voller Größe auf und verließ den Pub. Unterwegs stellte er sein unangetastetes Getränk auf dem Tresen ab.
»Verdammte Axt«, sagte der andere leise. »Wer zum Teufel denken Sie, dass Sie sind? Kommen hier einfach rein ...«
»Bitte«, sagte Marge. Ihr verzweifelter Ton überraschte sogar sie selbst und ließ ihn verstummen. Sie trat den Stuhl auf der anderen Seite unter dem Tisch hervor und winkte ihm zu, Platz zu nehmen. »Bitte, bitte, bitte. Ich brauche wirklich Hilfe. Bitte setzen Sie sich und hören Sie mir zu.«
Der Mann setzte sich nicht, aber er wartete. Er legte eine Hand auf die Stuhllehne und musterte sie.
»Ich habe gehört, jemand ...«, setzte sie an. »Ich habe gehört, dass jemand von Ihnen vielleicht etwas über den Krakenkult wissen könnte. Sie wissen doch, dass der Krake verschwunden ist, nicht wahr? Tja, mein Liebhaber auch. Jemand hat ihn geholt. Und seinen Freund. Niemand weiß, wo sie sind, und diese Dinge haben miteinander zu tun, und ich muss mit diesen Leuten reden. Ich muss herausfinden, was da vorgeht.«
Der Mann wippte auf den Absätzen, kratzte sich an der Nase und bedachte sie mit einem finsteren Blick.
»Ich weiß ein paar Dinge«, sagte Marge. »Ich hänge da auch drin. Ich brauche auch um meinetwillen Hilfe ...« Sie senkte die Stimme. »Sie kennen Goss und Subby? Die sind zu mir gekommen und haben mich bedrängt.« Der Mann riss die Augen weit auf. Dann setzte er sich und beugte sich zu ihr hinüber. »Darum muss ich diese Krakenfreunde finden, denn die schicken solche Leute los, um mich zu terrorisieren ...«
»Jetzt mal ganz ruhig«, erwiderte der Mann. »Goss und Arschficker Subby? Heilige Widdereier, Mädchen, es ist ein verdammtes Wunder, dass Sie noch atmen. Sehen Sie sich nur mal an.« Er schüttelte den Kopf. Abscheu oder Mitleid oder irgendwas. »Wie sind Sie überhaupt hierhergekommen? Wie haben Sie diesen Ort gefunden?«
»Jemand hat mir davon erzählt ...«
»Fabelhaft, nicht wahr? Jemand hat Ihnen einfach davon erzählt.« Er schüttelte den Kopf. »Wozu machen wir uns all diese Mühe? Es dürfte überhaupt niemand wissen, dass dieser Blahdclat -Ort existiert.« Er griff auf ein Adjektiv aus dem Patois zurück, obwohl er weiß war und einen knarzenden Cockney-Akzent hatte. »Das ist eine geheime Straße, Mädchen.«
»Sie ist hier drauf.« Marge wedelte mit ihrer Karte.
»Ja, und das sollte der einzige Ort sein, an dem sie ist. Haben Sie eine Ahnung, was eine Trap Street ist? Wissen Sie, wie schwer es ist, so was hinzukriegen?« Wieder schüttelte er den Kopf. »Hören Sie,
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