Der Menschensammler - Dicte Svendsen ermittelt Kriminalroman
berührte es seine Neugier auf eine Weise, die ihm gefährlich erschien. Es löste ein Kribbeln und Prickeln aus, das dem Gefühl ähnelte, wenn er mit Dem Besonderen Patienten sprach.
Smidt griff nach einer zerfledderten Zeitung, die jemand auf dem Tisch hatte liegenlassen. Er blätterte ziellos darin herum, während er das Gespräch wieder aufnahm.
»Erinnerst du dich noch daran, als irgendjemand Hasch in den Eintopf an Palles Geburtstag gemischt hatte?«
Janos versuchte sich zu erinnern.
»Nur verschwommen«, gab er zu.
»Wer es glaubt, wird selig«, sagte Smidt. »Zu viele Köche und so … Tauchte an diesem Abend nicht Lisa auf?«
Sie hatten beide hart um ihre Aufmerksamkeit gebuhlt, Torben und er. Lisa war gerade im Studentenwohnheim eingezogen und hatte mit ihrem Medizinstudium angefangen. Sie hatte lange blonde Haare, die bis zur Hüfte reichten, und hatte rote Hosen und wahrscheinlich rote Clogs getragen. Außerdem hatte man ihre Brüste unter der Bluse sehen können.
»Die Befreiung der Frau«, sagte Smidt schwärmerisch. »Keine trug mehr einen BH.«
|218| Die Erinnerung versetzte ihm nur einen kleinen Stich. Es war bereits zu lange her, aus einer längst vergangenen Zeit. Er hatte das Mädchen erobert und war der Liebe begegnet. Aber wie so oft waren seine Ambitionen der Fortsetzung gemeinsamer Pläne in die Quere gekommen.
Während Smidt weiter durch die
Avisen
blätterte, schwor er sich, dass der Job ihm nie wieder das nehmen durfte, was ihm wichtig war.
Janos Kempinski blieb abrupt mitten im Gang stehen, während seine Gedanken noch bei ihrem Gespräch in der Kantine hingen. Die Zeitung!
Er drehte auf dem Absatz um und rannte zurück in die Kantine. Zum Glück lag sie noch auf dem Tisch. Er blätterte bis zu der Seite, an die er sich erinnerte, weil Torben Smidt sie gelesen hatte. Der Artikel über den Stadion-Mord ging über die gesamte Doppelseite. Von einem kleinen Foto neben dem Artikel, begleitet von einer Mailadresse, sah ihn die Frau aus dem Foyer mit einem geheimnisvollen Lächeln an.
Ohne es sich selbst erklären zu können, ließ er sich auf den Stuhl sinken und las in fünf Minuten den Artikel durch. Natürlich hatte er auch von diesem Mord gehört, jeder Mensch in Århus hatte das mitbekommen. Allerdings hatte er nicht die weiteren Ermittlungen verfolgt. Die Arbeit hatte ihn davon abgehalten, außerdem waren andere Dinge wichtiger gewesen.
Dicte Svendsen hieß also diese Journalistin. Soweit er wusste, gab es in seiner Abteilung nichts, was ihr professionelles Interesse hätte wecken können. Allerdings war sie als Spürhund bekannt, eine, die Geheimnisse aufwirbeln konnte. Natürlich hatte das auch seine Daseinsberechtigung, aber er war nie ein spezieller Freund der Presse gewesen. Im Laufe der Jahre hatte er zu oft beobachtet, wie Kollegen an den Pranger gestellt worden waren. Und er hatte einseitige und verzerrte Artikel über die Länge der Wartelisten oder die Unzulänglichkeiten des Gesundheitswesens gelesen. Natürlich hatte Dicte Svendsen daran |219| keine Schuld, aber dennoch war seiner Überzeugung nach dieser Berufsstand nicht der allzu vertrauenswürdigste. Was für ein Anliegen hatte sie also bei ihrem Besuch im Krankenhaus gehabt? Recherchierte sie für eine Geschichte? Was es auch sein mochte, es hatte bestimmt nichts Gutes zu bedeuten.
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Kapitel 33
John Wagner nahm den Aufzug in den vierten Stock zum Kriminaltechnischen Institut. Auf dem Weg nach oben versuchte er sich über die Fortschritte zu freuen, die sie in dem Stadion-Fall gemacht hatten. Ihnen war es gelungen, den Zeitraum von Mette Mortensens Aktivitäten in besagter Samstagnacht einzugrenzen. Der Taxifahrer hatte zu Protokoll gegeben, dass er gegen 2 Uhr 15 alle drei Personen vom Åboulevarden zu einer Adresse in der Jægersgårdsgade gebracht hatte. Das war Arne Bays Anschrift. Alle drei seien im Treppenhaus verschwunden; sie wären allerbester Laune gewesen, vor allem das Mädchen, das so viel gekichert und geplappert hätte, dass es seine Handtasche im Wagen liegengelassen hatte.
Es war ärgerlich, dass der Taxifahrer sich nicht früher gemeldet hatte, aber die folgenden Tage hatte er mit einer Lungenentzündung im Bett verbracht und war deshalb erst so spät auf dem Revier erschienen. Zum jetzigen Zeitpunkt ließ sich noch nichts Genaues sagen, aber eines stand fest: Sie würden jeden Zentimeter von Bays Wohnung untersuchen müssen, dem letzten, bekannten Aufenthaltsort von Mette
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