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Der Menschensammler - Dicte Svendsen ermittelt Kriminalroman

Titel: Der Menschensammler - Dicte Svendsen ermittelt Kriminalroman Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Elsebeth Egholm
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respektiert.
    »Kommt hier entlang.«
    Er folgte Haunstrups Stimme, Ivar K war ihm auf den Fersen. Beide mussten nach Luft schnappen, als Haunstrup die Tür aufstieß.
    »Verdammte Scheiße!«, stieß sein Begleiter und Kollege aus, als er wieder richtig denken konnte. »Diese perverse Drecksau! |225| Der muss es doch als Kind mit der Peitsche besorgt bekommen haben!«
    Der Raum war klein und wirkte wie eine Zelle. Und er wurde noch weiter dadurch beengt, dass alle Wände mit schallisolierenden Dämmplatten versehen waren, die wie Eierkartons aussahen, allerdings aus einem weitaus professionelleren Material. Das ist der perfekte Tatort, dachte Wagner. Aus diesem Raum drang kein Geräusch, kein noch so lautes Schreien. Und schon gar nicht die Stimme eines jungen Mädchens, das vor Angst und Schmerz um Hilfe rief.
    Gegenüber der Tür war ein Gitter an der Wand befestigt, das vom Boden bis zur Decke reichte. An glänzenden Stahlstangen hingen Peitschen, Ketten, Handschellen und Handfesseln aus Leder und diverse andere Instrumente, die als einziges Ziel hatten, jemandem größtmögliche Schmerzen zuzufügen. Vor dem Metallgitter stand ein Tisch, der einen augenblicklich an die gute alte »Streckbank« denken ließ. Er sah hart aus, war mit schwarzem Leder bezogen und mit diversen Schraubmechanismen sowie Metallstangen versehen, an denen man jemanden festbinden konnte. Auf einem kleinen Ecktisch standen drei Perückenköpfe mit drei verschiedenen Masken. Eine war eine Kopfmaske aus schwarzem Latex, eine aus Eisen und inspiriert von alten Rüstungen. Die dritte war eine Ledermaske, die aus einem Wirrwarr aus sich kreuzenden schwarzen Riemen bestand. Auf diesem wie auch auf den anderen Beistelltischchen standen heruntergebrannte schwarze Kerzenstumpen. An den Wänden hingen hier keine Plakate mit sexuellen Botschaften, sondern welche mit politischen: verherrlichende Porträts von Adolf Hitler, die Südstaatenflagge, Fotos von Brandanschlägen durch den Ku-Klux-Klan sowie White-Supremacy-Slogans. Es gab kein Fenster in diesem Raum.
    Ivar Ks Blick fiel auf die Kerzen.
    »Da hatte jemand aber doch Lust auf ein bisschen Gemütlichkeit!«, murmelte er und steckte einen Latexfinger in die Wachsoberfläche. Er hinterließ einen deutlichen Abdruck.
    |226| Er hob die Nase und schnupperte. »Jemand ist vor kurzem in diesem Raum gewesen.«
    Wagner musste ihm recht geben. In dem etwas stickigen Raum hing ein schwacher Duft von Kerzenwachs in der Luft, der sich mit dem Geruch von Körperausdünstungen vermischt hatte. Aber er bemerkte noch etwas anderes, und das war die Andeutung von Bewegung. Sein Glauben an Übernatürliches hielt sich in Grenzen, und er selbst würde sich als einen logisch denkenden und vernunftbegabten Menschen beschreiben. Und trotzdem hatte er das Gefühl, die Bewegungen wahrnehmen zu können, die in diesem Raum stattgefunden hatten. So als hätte ihn jemand genötigt, eine bizarre Choreographie auswendig zu lernen. Er sah Körper vor sich, die andere Körper erniedrigten und demütigten. Er sah Hände mit Peitschen durch die Luft schwingen und hörte das Klicken der Handschellen, die sich um ein Handgelenk schlossen. Und er sah Mette Mortensen vor sich; gedemütigt und angsterfüllt und mit der schrecklichen Gewissheit, sterben zu müssen.
    »Da muss es doch haufenweise Spuren geben«, sagte Ivar K.
    »Das könnte auch gleichzeitig das Problem sein«, sagte Haunstrup. »Wir dürfen nämlich nicht vergessen, das alles, was wir hier sehen, nicht verboten ist. Bizarr ist es, das mag sein, aber die sexuelle Disposition eines Menschen macht ihn nicht automatisch zum Mörder.«
    »Aber für einige gilt das doch«, erwiderte Ivar K. »Und dieser hier gehört definitiv dazu.«
    Wagner seufzte. Natürlich hatte Haunstrup recht, trotzdem konnte er sich des Eindrucks nicht erwehren, dass an diesem Ort etwas vor sich gegangen war, das mit dem Tod von Mette Mortensen zu tun hatte.
    »Wir müssen uns auf jeden Fall sehr gründlich umsehen«, sagte er und verließ den Raum.
     
    Er lief zu Fuß zum Polizeipräsidium zurück, während Ivar K noch in der Wohnung blieb. Auf der Straße hatte der Sommer |227| Einzug gehalten, und er versuchte, sich von den jungen Frauen in kurzen Sommerkleidern aufheitern zu lassen, die an ihm vorbeiradelten. Aber sie verwandelten sich alle in Mette Mortensen, deshalb starrte er auf den Bürgersteig vor sich. Die Sonne schien ihm in den Nacken, und von unten stieg ihm der Duft von erwärmtem

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