Der Menschensammler - Dicte Svendsen ermittelt Kriminalroman
Entertaste, und wenige Sekunden später begann der Drucker zu brummen, um dann vier Seiten auszuspucken. Jacob Andersen legte sie in einen Umschlag und überreichte diesen Wagner.
»Ich hoffe, Sie können es zu etwas gebrauchen. Wir haben nur die Nummern und es noch nicht geschafft, die passenden Adressen zu überprüfen. Aber sollte es Schwierigkeiten geben, kommen Sie jederzeit zu uns.«
»Vielen Dank. Apropos Nummern«, sagte Wagner und nahm den Umschlag entgegen. »Wie sieht es denn mit ihren Notizbüchern aus? Konnte jemand schon den Code knacken, wenn es einen geben sollte?«
Andersen schüttelte den Kopf und setzte sich wieder an seinen Computer.
»Wir haben die Vermutung gehabt, dass es mit ihrem Job zu tun hat, und haben die Seiten unseren hausinternen Rechnungsprüfern gegeben. Vielleicht hat einer von denen eine Idee. Aber bisher habe ich noch nichts gehört.«
»Könnten Sie da für mich noch mal nachhaken?«
Anders nickte zerstreut, während er sich wieder seiner vorherigen Aufgabe widmete.
»Ich werde denen Dampf machen.«
Haunstrup brachte ihn zurück zur Eingangstür.
»Sehen wir uns dann später? Nachher in der Jægersgårdsgade?« Wagner nickte.
|223| »Wir haben den Mann schon in U-Haft und verhören ihn später. Ich wollte mir erst mal vor Ort ein Bild machen.«
»Pass auf, dass du nicht auf dem Öl ausrutschst«, warnte ihn Haunstrup mit einem schelmischen Lächeln.
Wagner gab die Telefonliste an Kristian Hvidt weiter und bat ihn, den Nummern Namen und Adressen zuzuordnen. Etwas später, nachdem er eine Runde durch die Kantine gedreht und sich ein Roastbeef gegönnt hatte, holte er Ivar K ab und fuhr mit ihm in die Jægersgårdsgade, wo bereits der blaue Bus der Kriminaltechniker vor dem Eingang parkte. Sie mussten weiße Schutzanzüge, Latexhandschuhe und blaue Plastiküberschuhe anziehen, bevor sie die Wohnung im dritten Stock betreten durften.
Ihr erster Blick fiel auf den Hund. Der lag angekettet vor dem Heizkörper, trug einen Maulkorb und sah aus, als wäre er in ein tiefes Koma gesunken. Wagner registrierte die Farben seines Fells: senfgelb und weiß.
Haunstrup tauchte aus den hinteren Räumen der Wohnung auf, ebenfalls in weißer Schutzkleidung. Er nickte zum Hund, der nicht registriert hatte, dass zwei neue Besucher sein Reich betreten hatten.
»Wir hatten unsere liebe Not mit dem Kleinen und mussten einen Tierarzt rufen, der ihm was zur Beruhigung verabreicht hat.«
Wagner betrachtete den Hund, der kleine Seufzer beim Atmen ausstieß. Es war ein muskulöses Exemplar, nicht besonders groß, aber kompakt.
»Mit so einem lumpigen Köter seid ihr nicht alleine klargekommen?«, zog er die Kollegen auf.
Haunstrup schüttelte den Kopf.
»Das ist ein Amstaff. Mit denen sollte man nicht spaßen.«
»Amstaff?«
»American Staffordshire Bullterrier. Eine Art Kampfhund, ist bei uns aber zugelassen. Allerdings würde ich dem und seinem |224| Besitzer nicht bei Nacht in einer einsamen, schummrigen Gasse begegnen wollen.«
Mit einem Handzeichen forderte er sie auf, ihm zu folgen. »Vor allem nicht nach dem, was wir hier sonst noch so gefunden haben.«
Wagner registrierte, dass die Wohnung sauber und stilvoll eingerichtet war und ganz eindeutig von einem Mann bewohnt wurde. Im Wohnzimmer stand eine Ledergarnitur mit einem riesigen Sofa, großen Stühlen und einem Armsessel auf einem cremefarbenen Teppich, der früher mal strahlend weiß gewesen sein mochte. An den Wänden hing zwar keine Pornographie, aber zumindest erotische Kunst mit deftigen, aber dennoch – das musste er zugeben – einigermaßen geschmackvollen Gemälden und Fotos von nackten Frauen und Männern in diversen Unterwerfungsposen. Im Bücherregal standen nicht besonders viele Bücher, aber das Repertoire war breit gefächert, von Hundebüchern bis zu Sachbüchern über ehemalige Naziführer, von Albert Speers Autobiografie bis zu einem obskuren Roman über Hitler.
The Hitler Scoop – Hunt for Führer’s Body
, las er auf dem Buchrücken. Dazwischen entdeckte er kleine Überraschungen wie Werke von Karl Marx und eine Novellensammlung von Edgar Allan Poe.
Aber er hütete sich davor, etwas zu berühren. Er wusste, dass die Kriminaltechniker am liebsten ohne Unterbrechung ihre Arbeit versahen und nicht von Vorgesetzten behindert werden wollten, die mögliche technische Beweise zertrampelten. Dennoch war es für Wagner unerlässlich, dass er sich selbst einen Eindruck verschaffte, und das wurde auch
Weitere Kostenlose Bücher