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Der Menschensammler - Dicte Svendsen ermittelt Kriminalroman

Titel: Der Menschensammler - Dicte Svendsen ermittelt Kriminalroman Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Elsebeth Egholm
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Augen betroffen hätte, wären die Familienangehörigen bestimmt darüber informiert worden.
    »Hatten sie ein enges Verhältnis zu Ihrem Vater?«
    »Sehr. Wir waren die besten Freunde.«
    »Waren Sie bei ihm, als er starb?«
    »Ja, wir alle waren da. Das Krankenhaus rief uns am Tag vor seinem Tod an und kündigte uns an, dass wir uns darauf vorbereiten sollten. Nach diesem Anruf waren wir ohne Unterbrechung bei ihm.«
    Niemand hätte also vor dem Ableben des Vaters dessen Augen entfernen können. Wenn etwas in diese Richtung geschehen war, dann erst nach seinem Tod.
    Dicte räusperte sich.
    »Was geschah nach seinem Tod? Wo wurde Ihr Vater aufgebahrt? Haben Sie ihn noch einmal gesehen?«
    Nach und nach gelang es ihnen, seinen letzten Gang zu rekonstruieren. Nachdem die Angehörigen sich eine Weile im Zimmer des Verstorbenen aufgehalten hatten, war der Tote danach von der Krankenschwester gewaschen worden. Sie hatte ihn gereinigt, Schläuche und Kanülen entfernt, die Augen zugestrichen und eine Binde um das Gesicht gelegt, um den Mund geschlossen zu halten, bis die Totenstarre einsetzte. Die Angehörigen hatten zugesehen und danach Gelegenheit gehabt, Abschied vom Verstorbenen zu nehmen.
    »Und dann?«
    Es folgte ein langes Schweigen.
    |245| »Danach sind wir nach Hause gefahren. Jørgen und ich, unser Sohn mit seiner Tochter und meine Schwester mit meinem Schwager und ihren drei Kindern.«
    »Wer hat die Beisetzung geregelt?«
    »Es kam einer zu uns rein, ein Serviceassistent oder so, der auch mit der Krankenhauskapelle zu tun hatte. Er hat uns einen Leichenbestatter empfohlen, mit dem das Krankenhaus wohl viel zusammenarbeitet. Und den haben wir dann auch angerufen. Er kam gleich am nächsten Tag zu uns nach Harlev raus und hat sich um den ganzen Papierkram und die Unterlagen fürs Erbschaftsgericht und so gekümmert.«
    »Haben Sie Ihren Vater danach noch einmal gesehen?«
    »Nein. Wir haben zusammen mit dem Leichenbestatter ausgesucht, was mein Vater anhaben sollte, und haben dann einen Sarg und eine Urne ausgewählt. Ich glaube, mein Vater wurde von der Kapelle zum Leichenbestatter gebracht, oder haben die das in der Kapelle gemacht? Ich weiß es leider nicht mehr so genau.«
    »Das ist schon in Ordnung«, beruhigte sie Dicte. »Ich werde das herausfinden, aber es wird eine Weile dauern. Ich habe so viele andere Geschichten, die noch geschrieben werden müssen. Aber Sie möchten nach wie vor, dass ich damit weitermache?«
    Zu ihrer Zufriedenheit gab es keine Sekunde des Zögerns.
    »Ja«, sagte Marie Gejl Andersen mit entschiedener Stimme. »Da ist etwas vorgefallen, was nicht passieren darf. Wir wollen die Wahrheit erfahren. Jemand muss dafür zur Rechenschaft gezogen werden, ob es das Krankenhaus, das Krematorium oder der Leichenbestatter ist. Es kann einfach nicht sein, dass man stirbt, und der Körper wird allen möglichen Dingen ausgesetzt, denen man nicht zugestimmt hat.«
    Dicte wollte das Gespräch beenden, als ihr plötzlich noch eine wichtige Frage einfiel.
    »Wurde zu irgendeinem Zeitpunkt über eine Obduktion gesprochen? |246| Oder wurden Sie gefragt, ob Ihr Vater seinen Körper der Wissenschaft zur Verfügung gestellt hatte?«
    Wieder folgte eine lange Pause.
    »Doch, die haben uns gefragt, ob wir etwas dagegen hätten. Sie sprachen davon, dass sie gerne den Behandlungserfolg oder so etwas abgleichen wollten, um die Ergebnisse mit irgendeiner Statistik zu vergleichen. Aber uns war dieser Gedanke unmöglich.«
    »Wer hat Sie denn gefragt?«
    »Vermutlich die Krankenschwester … Nein, der Arzt … Nein, ich weiß es nicht mehr genau. Wir waren alle so durcheinander zu diesem Zeitpunkt.«
    »Hatten Sie das Gefühl, unter Druck gesetzt zu werden?«
    Erneut eine dieser ausgedehnten Pausen.
    »Vielleicht nicht direkt unter Druck gesetzt. Aber es wurde deutlich, was für eine Antwort sie hören wollten.«
    Sie bat Marie Gejl Andersen um die Namen des Arztes und des Leichenbestatters, aber die konnte sich nicht erinnern und versprach, sich wieder zu melden.
    Nach diesem Gespräch musste Dicte zuerst den Artikel über den Einbruch ins Glasmuseum schreiben. Ihren Schwerpunkt legte sie darin auf den Verdacht der Musemsdirektorin, dass die Polizei bei ihrer Ermittlungsarbeit nicht wirklich in die Tiefe ging. Danach rief sie die Gewerkschaft der Polizei an, um einen Kommentar dazu zu bekommen, und hatte einen ziemlich frustrierten Vizepräsidenten in der Leitung. Die Klagen waren dieselben wie immer,

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