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Der Prediger von Fjällbacka

Der Prediger von Fjällbacka

Titel: Der Prediger von Fjällbacka Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Camilla Läckberg
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die Decke gehen würde, wenn er erführe, daß sie sich mit Johan traf, hatte außerdem noch tiefer gehende Ursachen. Johan war ihr Cousin, und die Fehde zwischen beiden Familienteilen währte schon geraume Zeit. Sie selbst war damals noch nicht einmal geboren, auch Jacob nicht. Den Grund für das Zerwürfnis kannte sie nicht, sie wußte nur, daß es so war, und deshalb prickelte es ganz besonders, wenn sie sich zum Treffen mit Johan nach draußen schlich. Außerdem fühlte sie sich wohl mit ihm. Er war zwar ziemlich zurückhaltend, aber er war schließlich zehn Jahre älter als sie und besaß dadurch eine Sicherheit, von der Jungs in ihrem Alter nur träumen konnten. Daß sie Cousin und Cousine waren, kümmerte sie nicht. Heutzutage durften die sogar heiraten, und obwohl das in ihren eigenen Zukunftsplänen nicht vorgesehen war, hatte sie nichts dagegen, mit Johan dieses und jenes auszuprobieren, nur herauskommen durfte es nicht.
    »Wolltest du irgendwas, oder hattest du nur vor, mich ganz allgemein zu überwachen?«
    Jacob seufzte tief und legte ihr die Hand auf die Schulter. Sie versuchte sich loszureißen, aber sein Griff war fest.
    »Ich begreife wirklich nicht, woher all diese Aggression kommt. Die Jugendlichen, mit denen ich arbeite, hätten alles dafür gegeben, wenn sie ein solches Zuhause und eine solche Kindheit gehabt hätten wie du. Ein bißchen Dankbarkeit und Reife wären wirklich angebracht, verstehst du. Und ja, ich wollte etwas. Marita hat das Abendbrot fertig, also kannst du dich ja wohl mit dem Umziehen beeilen und zum Essen kommen.«
    Er löste seinen Griff und verließ den Stall, um sich zum Wohnhaus zu begeben. Maulend legte Linda die Kardätsche weg und ging, um sich fertigzumachen. Sie hatte trotz allem ziemlich großen Hunger.
     
    Wieder einmal hatte man Martin das Herz gebrochen. Zum wievielten Mal hintereinander, wußte er nicht, aber es tat nicht weniger weh, bloß weil er daran gewöhnt war. Wie all die Male zuvor hatte er gedacht, daß es diesmal die Richtige war, die den Kopf neben ihm aufs Kissen legte. Zwar hatte er genau gewußt, daß sie bereits vergeben war, aber mit der ihm eigenen Naivität glaubte er, mehr als nur ein Zeitvertreib für sie zu sein, und erwartete, daß die Tage des Mannes, mit dem sie zusammen lebte, gezählt waren. Er ahnte nicht, daß er mit seiner unschuldigen Miene und seinem regelrecht niedlichen Äußeren wie Honig auf Bienen wirkte, wenn es um ein wenig ältere, gesetztere Frauen ging, die mit ihrer besseren Hälfte im gewohnten Alltagstrott lebten. Männer, die sie nicht wegen eines netten fünfundzwanzigjährigen Polizisten zu verlassen gedachten. Allerdings zögerten sie nicht, sich mit selbigem auf der Matratze zu vergnügen, wenn die Lust und das Bedürfnis nach Bestätigung es verlangten. Nicht, daß Martin etwas gegen den physischen Teil eines Verhältnisses einzuwenden hatte, er war sogar besonders talentiert auf diesem Gebiet, aber sein Problem bestand darin, daß er auch ein ungewöhnlich gefühlvoller junger Mann war. Die Verliebtheit fand ganz einfach guten Nährboden in Martin Molin. Aus diesem Grund endeten seine kleinen Amouren für ihn stets mit Heulen und Zähneknirschen, wenn die Frauen Dankeschön sagten und in ihren vielleicht öden, aber geordneten und wohlvertrauten Alltag heimkehrten.
    Er seufzte tief, als er jetzt am Schreibtisch saß, zwang sich jedoch, nichts anderes als die vor ihm liegende Aufgabe zu sehen. Die Anrufe, die er bisher getätigt hatte, waren ergebnislos geblieben, aber noch hatte er eine Menge Polizeidienststellen abzuarbeiten. Daß die Datenbank gerade dann zusammenbrechen mußte, wenn sie am dringendsten benötigt wurde, war wohl sein übliches Pech. Deshalb saß er jetzt hier und wählte eine Telefonnummer nach der anderen, um jemanden zu finden, auf den die Beschreibung der toten Frau zutreffen konnte.
    Zwei Stunden später lehnte er sich zurück und warf voller Enttäuschung den Stift gegen die Wand. Bei keinem von denen, die als vermißt gemeldet waren, konnte es sich um das Mordopfer handeln. Was sollten sie jetzt tun?
    Es war so verdammt ungerecht. Er war älter als dieser Rotzjunge und hätte derjenige sein müssen, dem man das Kommando bei der Ermittlung übertrug, aber Undank war der Welten Lohn. Schon seit dieser verdammte Mellberg hier war, hatte er sich zielbewußt bei ihm lieb Kind gemacht, ohne daß es ihm etwas gebracht hätte. Ernst nahm die Kurven auf dem Weg nach Fjällbacka mit Bravour, und

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