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Der Prediger von Fjällbacka

Der Prediger von Fjällbacka

Titel: Der Prediger von Fjällbacka Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Camilla Läckberg
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duftete.
    Nachdem sie sich aus der Umarmung freigekämpft hatte, begrüßte sie Connys Frau Britta, doch gab sie ihr nur höflich die Hand, da sich beide nur wenige Male begegnet waren. Brittas Handschlag war feucht und schlapp, es war fast so, als halte man einen toten Fisch in der Hand. Erica schauderte, und sie bekämpfte den Impuls, ihre Hand an der Hose abzuwischen.
    »Was für ein Bauch! Hast du Zwillinge da drin, oder?«
    Es gefiel ihr ganz und gar nicht, ihren Leibesumfang derart kommentiert zu bekommen, aber sie hatte schon früher verstanden, daß Schwangerschaft ein Zustand war, der es einem jeden Erdenklichen erlaubte, sich zur Körperform der zukünftigen Mutter zu äußern und ihr auf viel zu familiäre Weise an den Bauch zu fassen. Sie hatte sogar erlebt, daß Fremde auf sie zugekommen waren und ganz selbstverständlich ihren Bauch betatscht hatten. Erica wartete nur darauf, daß das obligatorische Begrapschen begann, und es dauerte auch nur wenige Sekunden, bevor Connys Hände zur Stelle waren, um die Sache zu untersuchen.
    »Oh, was für einen kleinen Fußballspieler ihr da drin habt. Ganz klar ein Junge, bei den Tritten. Kommt her, Kinder, dann könnt ihr mal fühlen!«
    Erica vermochte nicht zu protestieren und wurde von zwei Paar eisklebrigen Händen attackiert, die auf ihrem weißen Umstands-T-Shirt Abdrücke hinterließen. Glücklicherweise verloren Lisa und Victor bald das Interesse.
    »Und was sagt der stolze Vater? Zählt er die Tage, oder?«
    Conny wartete die Antwort nicht ab, und Erica erinnerte sich, daß Dialoge nicht gerade seine starke Seite waren. »Ja, verdammt, man erinnert sich schließlich, wie es gewesen ist, als diese kleinen Rotzgören zur Welt gekommen sind. Ein wirklich tolles Erlebnis. Aber sag ihm, er soll es lassen, sich das da unten anzugucken. Das nimmt einem für ziemlich lange die Lust.«
    Er lachte glucksend und stieß Britta mit dem Ellbogen in die Seite. Sie sah ihn nur sauer an. Erica begriff, daß dieser Tag lang werden würde. Hoffentlich kam Patrik rechtzeitig nach Hause.
     
    Patrik klopfte vorsichtig an Martins Tür. Er war ein bißchen neidisch auf die Ordnung da drinnen. Der Schreibtisch war so sauber, daß man ihn als Operationstisch hätte benutzen können.
    »Wie läuft’s? Hast du was gefunden?«
    Martins deprimierte Miene war Antwort genug, bevor noch das Kopfschütteln kam. Was für ein Mist. Das wichtigste beim jetzigen Stand der Ermittlung war, die Identität der Frau festzustellen. Irgendwo saßen Leute und machten sich Sorgen um sie. Verflucht, jemand mußte sie doch vermissen!
    »Und bei dir?« Martin wies mit dem Kopf auf die Akte, die Patrik in der Hand hielt. »Hast du gefunden, wonach du gesucht hast?«
    »Ich denke schon.«
    Patrik zog einen Stuhl näher und setzte sich neben Martin.
    »Sieh mal hier. Zwei Frauen verschwanden Ende der siebziger Jahre aus Fjällbacka. Ich begreife nicht, warum mir das nicht sofort eingefallen ist, das stand doch damals groß in allen Zeitungen, aber hier ist jedenfalls das Ermittlungsmaterial, das noch vorhanden ist.«
    Der Ordner, den er auf den Tisch gelegt hatte, war mächtig staubig, und er sah, daß es Martin in den Fingern juckte, ihn abzuwischen. Ein warnender Blick hielt ihn davon ab. Patrik öffnete die Akte und zeigte die Fotos, die zuoberst lagen.
    »Das hier ist Siv Lantin, sie verschwand am Mittsommertag 1979. Sie war neunzehn Jahre alt.« Patrik zog das nächste Foto hervor. »Das hier ist Mona Thernblad, sie verschwand zwei Wochen später und war damals achtzehn Jahre alt. Keine von beiden ist jemals gefunden worden, trotz eines enormen Aufgebots. Man suchte den Wald und den Grund des Sees ab und machte alles, was du dir denken kannst. Sivs Fahrrad wurde in einem Straßengraben entdeckt, aber das war alles, was man gefunden hat. Und von Mona gab es als einzige Spur lediglich einen Turnschuh.«
    »Ja, jetzt, wo du es sagst, erinnere ich mich auch daran. Es gab ja wohl einen Verdächtigen, stimmt’s?«
    Patrik blätterte in den vergilbten Papieren und zeigte mit dem Finger auf einen maschinengeschriebenen Namen.
    »Johannes Hult. Ausgerechnet sein Bruder, Gabriel Hult, ist es gewesen, der die Polizei angerufen und berichtet hat, daß er seinen Bruder mit Siv Lantin auf dem Weg zu dessen Hof in Bräcke gesehen hat, und zwar in der Nacht, als sie verschwand.«
    »Wie ernst hat man diesen Hinweis genommen? Ich meine, es muß etwas anderes dahinterstecken, wenn man seinen Bruder als

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