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Der Weg der Könige - Sanderson, B: Weg der Könige - The Way of Kings - The Stormlight Archive, Book 1

Der Weg der Könige - Sanderson, B: Weg der Könige - The Way of Kings - The Stormlight Archive, Book 1

Titel: Der Weg der Könige - Sanderson, B: Weg der Könige - The Way of Kings - The Stormlight Archive, Book 1 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Brandon Sanderson
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mit beharrlicher Stimme. »Warum sagst du mir das erst jetzt?«
    »Tut mir leid«, erwiderte er. »Ich war nicht sicher, ob Vater es tatsächlich ernst meint. Deshalb habe ich nicht darüber gesprochen. «
    Das war allerdings eine Lüge. Er hatte gewusst, dass sein Vater es ernst meinte. Kal hatte bloß nicht erwähnen wollen, dass er bald weggehen musste, weil er zum Arzt ausgebildet werden sollte. Vor allem hatte er es nicht vor Laral aussprechen wollen.
    Sie stemmte die Hände in die Hüften. »Ich war der Meinung, du solltest Soldat werden.«
    Kal zuckte die Achseln.
    Sie rollte mit den Augen, sprang vom Felskamm herunter und setzte sich auf einen Stein neben ihm. »Willst du denn kein Hellauge werden und eine Splitterklinge erringen?«
    »Vater sagt, das passiert nicht sehr oft.«
    Sie kniete sich vor ihn. »Ich bin aber sicher, du könntest es schaffen.« Diese Augen – so hell und lebendig, dieses schimmernde Grün, die Farbe des Lebens!
    Kal stellte fest, dass es ihm immer mehr gefiel, Laral anzusehen. Natürlich wusste er, was mit ihm geschah. Mit der
Genauigkeit eines Chirurgen hatte ihm sein Vater den Prozess des Erwachsenwerdens dargelegt. Doch es gab so viele Gefühle dabei, die durch die sterilen Beschreibungen seines Vaters nicht erklärt wurden. Einige dieser Gefühle betrafen Laral und die anderen Mädchen im Ort. Andere Gefühle hatten etwas mit dem seltsamen Tuch der Melancholie zu tun, das ihn immer dann zu ersticken drohte, wenn er es nicht erwartete.
    »Ich …«, sagte Kal.
    »Sieh mal«, unterbrach ihn Laral. Sie erhob sich und kletterte auf ihren Felsen. Ihr feines gelbes Kleid flatterte im Wind. Noch ein Jahr, und sie würde einen Handschuh über der linken Hand tragen – das Zeichen eines Mädchens, das erwachsen wurde. »Komm mal hoch und sieh dir das an.«
    Kal stand langsam auf und blickte nach Osten. Dort wuchsen Knurrbüsche in dichten Gruppen um die Stämme der massigen Markelbäume herum.
    »Was siehst du?«, wollte Laral wissen.
    »Braune Knurrbüsche. Vermutlich sind sie tot.«
    »Der Ursprung ist irgendwo da draußen«, sagte sie und deutete nach Osten. »Das ist das Sturmland. Vater sagt, dass wir hier die Windbrecher für die furchtsameren Länder im Westen sind.« Sie drehte sich zu ihm um. »Wir sind von edler Abstammung, Kal, sowohl die Dunkelaugen als auch die Hellaugen. Das ist der Grund, warum die besten Krieger schon immer aus Alethkar gekommen sind. Großprinz Sadeas, General Amaram … und sogar König Gavilar höchstpersönlich.«
    »Vermutlich.«
    Sie stieß einen übertriebenen Seufzer aus. »Weißt du, ich hasse es, mit dir zu reden, wenn du in dieser Stimmung bist.«
    »In welcher Stimmung denn?«
    »So wie jetzt. Du weißt schon. Wenn du den Kopf hängen lässt und andauernd seufzt.«
    »Aber du bist doch diejenige, die gerade geseufzt hat, Laral.«
    »Du weißt schon, was ich meine.«
    Sie trat von dem Felsen herunter und schmollte. Das tat sie manchmal. Kal blieb an Ort und Stelle stehen und schaute nach Osten. Er wusste nicht genau, was er gerade fühlte. Sein Vater wollte, dass er Chirurg wurde, aber er selbst schwankte noch. Es war nicht nur wegen der aufregenden und wunderbaren Geschichten. Er glaubte, er konnte eher etwas verändern, wenn er Soldat wurde. Er glaubte, dann wirkliche Veränderungen herbeiführen zu können. Ein Teil von ihm träumte davon, in den Krieg zu ziehen, Alethkar zu beschützen und neben den heldenhaften Hellaugen zu kämpfen. Irgendwoanders etwas Gutes zu tun als in dieser kleinen Stadt, in die sich doch nie eine wichtige Persönlichkeit verirrte.
    Er setzte sich. Manchmal hegte er solche Träume. Und zu anderen Zeiten war ihm alles gleich. Seine schrecklichen Gefühle waren wie ein schwarzer Aal, der sich in ihm wand. Die Knurrbüsche da draußen überlebten die Stürme, indem sie um die dicken Stämme der Markelbäume dicht zusammengedrängt wuchsen. Ihre Rinden waren mit Stein überzogen und ihre Zweige so dick wie die Beine eines Mannes. Aber die Knurrbüsche dort hinten waren tot. Sie hatten nicht überlebt. Es hatte nicht ausgereicht, dass sie sich eng aneinandergeschmiegt hatten.
    »Kaladin?«, fragte eine Stimme hinter ihm.
    Er drehte sich um und sah Tien. Tien war zehn Jahre alt, zwei Jahre jünger als Kal. Doch er sah viel jünger aus. Während ihn die anderen Kinder einen Zwerg nannten, sagte Lirin, dass Tien seine wahre Größe noch gar nicht erreicht hatte. Aber mit seinen runden, roten Wangen und dem schlanken

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