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Die Abenteuer des Sherlock Holmes Bd.1

Die Abenteuer des Sherlock Holmes Bd.1

Titel: Die Abenteuer des Sherlock Holmes Bd.1 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Arthur Conan Doyle
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Unschuldsbeteuerung.«
      »Nach einer derart belastenden Serie von Ereignissen war das doch wohl eine höchst unglaubwürdige Erklärung.«
      »Im Gegenteil«, sagte Holmes, »es ist der hellste Streif am Horizont, soweit ich gegenwärtig sehen kann. Wie unschuldig auch einer sein mag, ein so absoluter Idiot kann er nicht sein, daß er nicht begreift, wie sehr die Umstände gegen ihn sprechen. Hätte er sich wegen der Verhaftung überrascht gezeigt oder den Entrüsteten gespielt, käme mir das höchst verdächtig vor; denn solch eine Überraschung oder solch eine Entrüstung wären unter den gegebenen Umständen nicht natürlich gewesen, sondern die beste Taktik eines Mannes, der nach Plan handelt. Daß er sich ohne weiteres in seine Lage schickte, läßt in ihm einen Unschuldigen oder jemanden mit bemerkenswerter Selbstbeherrschung und Festigkeit vermuten. Was seine Äußerung betrifft, er verdiene es nicht anders, so kann sie nicht überraschen, wenn Sie bedenken: Er hat neben der Leiche seines Vaters gestanden, und es gibt keinen Zweifel daran, daß er an dem Tag seinen Sohnesgehorsam soweit vergessen hatte, heftige Worte gegen seinen Vater zu schleudern und sogar, wenn man dem so wichtigen Zeugnis des kleinen Mädchens folgen will, seine Hand zu erheben, als hätte er ihn schlagen wollen. Der Selbstvorwurf und die Reue, die seine Worte erkennen lassen, scheinen mir eher Anzeichen für einen gesunden Verstand als für ein schlechtes Gewissen.«
      Ich schüttelte den Kopf. »Viele sind auf schwächere Beweise hin gehängt worden«, bemerkte ich.
      »Das stimmt. Und viele sind unschuldig gehängt worden.«
      »Wie erzählt der junge Mann selber den Hergang?«
      »Das, fürchte ich, ist für seine Anhänger nicht sehr ermutigend, obgleich darin ein oder zwei be denkenswerte Punkte enthalten sind. Sie finden es hier und können es selber lesen.«
      Er suchte aus dem Bündel eine Nummer des Lokalblattes von Herefordshire heraus, und nachdem er die Seite überflogen hatte, wies er auf den Abschnitt, in dem der junge Mann die Vorkommnisse darstellte. Ich setzte mich in die Ecke des Abteils und las aufmerksam. Da stand folgendes:
      ›Mr. James McCarthy, der einzige Sohn des Toten, wurde aufgerufen und gab zu Protokoll:
      Ich war drei Tage lang von Hause fort, in Bristol, und gerade am Morgen des vergangenen Montags, dem 3., zurückgekommen. Mein Vater befand sich zur Zeit meiner Ankunft nicht im Haus, und ich wurde vom Dienstmädchen davon unterrichtet, daß er mit John Cobb, dem Stallknecht, nach Ross gefahren sei. Kurz danach hörte ich die Räder seines Wagens im Hof, und ich sah, als ich durchs Fenster blickte, wie er ausstieg und den Hof schnell verließ; ich wußte aber nicht, wohin er ging. Dann nahm ich mein Gewehr und schlenderte zum Weiher von Boscombe. Ich wollte zum Kaninchengehege auf der anderen Seite des Sees. Unterwegs sah ich William Crowder, den Wildhüter, wie der es auch in seiner Aussage festgestellt hat. Aber er irrt sich, wenn er denkt, ich wäre meinem Vater gefolgt. Ich hatte keine Ahnung, daß er vor mir war. Ich war noch ungefähr hundert Yard vom Teich entfernt, als ich den Ruf ‚Cooee!’ hörte; das war das Signal, mit dem wir uns gewöhnlich verständigten. Ich lief los und traf ihn am Weiher. Er schien sehr überrascht, mich zu sehen, und fragte mich ziemlich grob, was ich da suchte. Es ergab sich ein Gespräch, das zu heftigen Worten führte und fast zu Schlägen, denn mein Vater war ein Mann von gewalttätiger Natur. Als ich merkte, daß er seinen Ausbruch nicht zügeln konnte, verließ ich ihn und ging in Richtung Hatherley-Farm. Ich war nicht weiter als einhundertfünfzig Yard entfernt, da hörte ich hinter mir einen Schrei, der mich veranlaßte zurückzulaufen. Ich fand meinen Vater in seinen letzten Atemzügen am Boden liegen, sein Kopf war furchtbar zugerichtet. Ich ließ mein Gewehr fallen und nahm ihn in die Arme, aber er hauchte unmittelbar darauf sein Leben aus. Ich kniete einige Minuten neben ihm und machte mich dann auf den Weg zu Mr. Turners Aufseher, weil sein Haus am nächsten lag, um Hilfe zu holen. Ich habe, als ich zu meinem Vater zurückkehrte, niemanden gesehen und kann mir nicht erklären, wie er zu den Verletzungen gekommen ist. Er war nicht beliebt, wegen seines ziemlich kalten und abstoßenden Betragens; aber soviel ich weiß, hatte er keine direkten Feinde. Mehr weiß ich nicht.
      Coroner: Hat Ihr Vater zu Ihnen noch gesprochen, ehe

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