Die Blüte des Eukalyptus
Nachsehen hätte.
Am anderen Ende der Stadt warf Jake erneut einen Blick auf die Karte, auf der Benjamin Rogers eine Stelle am Ufer des Flusses Yarra Yarra mit einem X gekennzeichnet hatte. Trotzdem war er auf den Anblick der fürstlichen Residenz nicht im Geringsten vorbereitet. Jake pfiff durch die Zähne. Protzig? Jesses, Yankee. Das wäre stark untertrieben!
Das Anwesen, das als Palazzo bekannt war, musste selbst Jennys hohen Ansprüchen genügen. Ein prächtiges Gebäude, mit Marmorsäulen, Balkonen, Türmchen und Bleiglasfenstern, inmitten eines landschaftlich gestalteten Gartens, der mit Statuen griechischer Göttinnen geschmückt war.
Es war ein richtiges Schloss. Aber vor einigen Monaten hatte ihm Rogers erzählt, das Reich des Grafen stünde auf tönernen Füßen. Das galt wohl für die ganze koloniale Klassengesellschaft. Erst wurden die reichen Großgrundbesitzer von einer Welle des Aufschwungs getragen, doch von einem Tag auf den anderen waren ihre Ländereien nichts mehr wert und sie wurden ihr Vieh nicht mehr los. Jake dachte an die wiederholte Warnung des Gouverneurs, maßlose Spekulation, massive Verschuldung und die Dürre würden zu einem wirtschaftlichen Einbruch führen. Ja, aber wer hatte schon auf ihn gehört?
Jake sah zum Palazzo auf. Möglich, dass die Bankiers allmählich
in Panik geraten, aber dem verdammten Conte scheint es noch blendend zu gehen.
Er suchte die oberen Fenster ab und fragte sich, welches Pearls Schlafzimmer war. Er dachte daran, wie sie schon als ganz kleines Kind immer mit Flash auf dem Arm den Gartenpfad hinaufgelaufen war, wenn sie ihn hatte nach Hause kommen sehen.
Verbissen und belustigt zugleich über den absurden Kontrast zwischen dem Luxus des Palazzo und seiner abgerissenen Erscheinung ritt er die kreisförmige Kutschenauffahrt hinauf bis vor den prächtigen Portikus und schlang Horatios Zügel lässig um die Statue eines wilden Löwen, der die Treppe zum Hauseingang bewachte.
Als er an den Mistkerl dachte, der ihm seine Frau gestohlen hatte, umklammerte er die Taschenpistole in seiner Jackentasche. Sie war jederzeit einsatzbereit, aber zuerst musste er sich um Pearl kümmern.
Mit der als Geschenk verpackten deutschen Porzellanpuppe in der Hand, die ihn ein Vermögen gekostet hatte, betätigte Jake den kupfernen Türklopfer in der Form eines Göttinnenkopfes. Ein verschmitzt aussehender englischer Butler öffnete die Tür.
»Sagen Sie der Contessa, dass Jake da ist. Sie wird mich sehen wollen.«
Man führte ihn in einen prächtigen Salon. Durch die hohen, mit langen Vorhängen gesäumten Balkontüren blickte man auf den Fluss. Der Raum war größer als jeder Stall und vollgestopft mit so vielen Gemälden und Statuen, dass man ein ganzes Museum damit hätte füllen können.
Dann erschien Jenny auf einer geschwungenen Treppe. Jake wappnete sich gegen ihre Schönheit. Seine Erinnerung hatte ihn getäuscht: Sie war noch schöner als das Gesicht, das ihn im Traum verfolgte. Sie trug ein exotisches Gewand, das mit einem Paradiesvogel bestickt war und sich eng an ihren Körper schmiegte.
Beide schwiegen, bis Jenny in ihre Rolle als Contessa zurückfand.
»Wie schön, dass du gekommen bist, Jakey. Ich hatte schon befürchtet, meine Einladung hätte dich nicht erreicht.«
»Es wäre hilfreich gewesen, wenn du mir deine neue Adresse mitgeteilt hättest«, entgegnete er kühl. »Es hat eine Weile gedauert, bis ich dich ausfindig gemacht hatte. Wie war es in Neuseeland? «
Jenny lachte wie ein kleines Mädchen. »Wie dumm von mir, das zu vergessen, aber ich bin froh, wieder zuhause zu sein. Die Neuseeländer sind zu mürrisch und auch zu geizig, wenn du mich fragst — sie wissen einfach nicht, wie man das Leben genießt.« Sie bot ihm einen Platz an.
Jake konnte sich zwischen mehreren mit Blattgold verzierten Stühlen entscheiden, die wie prunkvolle Kinderthrone aus einem Märchenbuch aussahen. Er setzte sich auf einen und meisterte die Enge, indem er ein Bein über das andere schlug.
»Auf einem Sattel sitzt es sich bequemer«, sagte er. »Aber nichts für ungut.«
Jenny lachte entzückt. »Keine Angst. Du hast dich kein bisschen verändert, Jakey.«
»Oh, da täuschst du dich aber gewaltig! Wie ich sehe, bist du zu deiner natürlichen Haarfarbe zurückgekehrt«, erwiderte er, ohne einen Hehl aus seinem Sarkasmus zu machen. »Hast du beschlossen, dich nicht mehr vor mir zu verstecken?«
Jenny errötete, und Jake spürte einen Stich im Herzen. Obwohl sie
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