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Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition)

Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition)

Titel: Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Gesa Schwartz
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Hadros bedachte sie mit einem strengen Blick.
    »Die Schergen der Hölle sind uns bereits auf den Fersen«, fuhr er fort. »Und die Engel wären es ebenso, wenn sie wüssten, wie unsere wahren Ziele lauten. Carmenya hat uns im Morgengrauen verlassen, je weniger sie von unseren Plänen erfährt, desto besser, und Avartos sandte eine Depesche an die Königin, die sie darüber unterrichtete, dass wir uns nun auf die Suche nach Bhalvris begeben werden. Mehr braucht auch sie nicht zu wissen – noch nicht. Habt ihr verstanden?«
    Nando nickte unmerklich. Es kam ihm so vor, als ruhte Hadros’ Blick plötzlich nur auf ihm.
    »Sohn des Teufels«, raunte der Jäger. »Ich spüre das Blut der Dämonen ebenso in deinen Adern wie den schwachen Geist eines Menschen. Doch du hast dich den Schatten entgegengestellt, und du hast obsiegt. Dein Wille ist stark. Mit all deiner Kraft verlangst du nach jener Waffe, die den Teufel schon einmal verwundete – Bhalvris, das Schwert Michaels, das in die Finsternis fiel.« Das Licht des Schreins glomm auf und verfing sich in den Augen des Kriegers, sodass sie unheilvoll flackerten. »Doch der Schrein ist leer. Denn mit dem Beginn meines Exils gab ich das Schwert in sicherere Hände. Ich gab es in die Hände … des Lichts.«
    Noemi zog die Brauen zusammen. »Und was bedeutet das?«
    Die Frage war über ihre Lippen gekommen, ohne dass sie darüber nachgedacht hatte, das konnte Nando sehen. Vergebens versuchte sie, ihre Verlegenheit zu verbergen, aber sie wandte sich nicht ab, als Hadros sie direkt ansah.
    »Ich präzisiere«, sagte er beinahe freundlich. »Unnütze Fragen sind solche, die ihr euch auch selbst beantworten könntet. Ich bin nicht für eure Bequemlichkeit da und auch nicht für eure Einfalt. Also strengt eure Geisteskraft an, sie ist schwach genug.«
    Avartos setzte sich auf. Nando wusste nicht, ob es an der Beleuchtung lag oder an der Dunkelheit ringsum, aber aus irgendeinem Grund wirkte der Engel auf einmal bleicher als sonst, und eine düstere Anspannung lag auf seinen Zügen. »Ihr tut meinen Schülern Unrecht«, sagte Avartos an Hadros gewandt. »Ich lehrte sie viel über unser Volk, doch nicht alles. Es gibt Wahrheiten, die ihnen nach wie vor verschlossen sind, und vieles, was uns Gewissheit ist, ist in ihrer Welt nicht mehr als eine Legende. Das können wir ihnen kaum zum Vorwurf machen.« Eine stille Zustimmung trat in Hadros’ Schweigen, und Avartos richtete seine Aufmerksamkeit auf Noemi und Nando. »Ihr kennt die Legenden Nhor’ Kharadhins«, begann er. »Die Legenden der Armeon Rhay und der Wüste des Lichts.«
    In diesem Moment loderte der Schrein auf. Die gläsernen Gebäude Nhor’ Kharadhins tauchten darin auf, und dann die Wüste des Lichts unter dem nächtlichen Firmament. Es war kaum vorstellbar, dass sich an diesem Ort einst die fruchtbaren Lande der Farben erstreckt hatten. Die Wüste schien unendlich zu sein. Ihr Sand glitzerte, als würde eine kalte Glut darin ruhen. Das Licht des Schreins hüllte Nando ein, es nahm ihn mit sich in die Wüste. Er spürte den Sand unter seinen Füßen und den Wind, der unbändig und frei über die Dünen strich. Wie von ferne vernahm er Avartos’ Stimme, aber er konnte den Engel nicht sehen. Er stand ganz allein in einer Wüste aus glühendem Staub, das Silberlicht der Sterne über sich.
    »Einst erstreckte sich das Reich meines Volkes weit über die Grenzen der Hauptstadt hinaus«, sagte Avartos leise. »Und es gab kaum einen Ort auf der Welt, der es an Schönheit mit den Armeon Rhay aufnehmen konnte. Aber mit dem Zerwürfnis von Engeln und Dämonen zerfiel auch der Glanz dieser Welt. Mein Volk musste seine Macht zunehmend konzentrieren und zog sie in Nhor’ Kharadhin zusammen, während die Dämonen ihre dunklen Kräfte im Pandämonium bündelten. So wuchs die Wüste. Ich war lange nicht mehr dort. Doch ich erinnere mich daran, wie er einst gewesen ist. Ich verbrachte meine Kindheit in den Landen der Farben, in der Burg Oreid, die aus kostbarstem Glas und Stein geschaffen war – blau wie der Himmel an klaren Tagen. Dort gab es ein tiefschwarzes Meer, noch immer kann ich seine Wellen hören … doch nun ist da nichts mehr als Felder aus Staub.«
    Nando erinnerte sich an die Schattenhaftigkeit, die Avartos bei ihrem letzten Gespräch über die Armeon Rhay in seinem Blick getragen hatte, und er spürte die Traurigkeit, die seinen Freund bei diesen Gedanken durchzog. Langsam bückte er sich und ließ den Sand durch seine

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