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Die Eiserne Festung - 7

Die Eiserne Festung - 7

Titel: Die Eiserne Festung - 7 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: David Weber
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Situationsbewusstseins, das ihm seine künstlich in ihrer Leistungsfähigkeit gesteigerten Sinne verliehen, und der Reaktionsgeschwindigkeit, die er seinem faseroptischen Nervensystem verdankte, konnte er sich während der zeitraubenden Ritte zwischen Cherayth und Maikelberg durchaus leisten, Multitasking zu betreiben. Also kam er endlich dazu, die anscheinend unendlich großen Datenpakete abzuarbeiten, die Owls Fernsonden ihm lieferten.
    Genau damit hatte sich Merlin beschäftigt, seit er den Palast verlassen hatte. Wie fast immer, wenn er die Daten ungestört durcharbeiten konnte, hatte er einige bislang gänzlich unbemerkte Alligatoren entdeckt, die gerade aus dem Schlamm gekrochen kamen. Die meisten dieser Alligatoren stellten noch keine katastrophale Gefahr dar. Aber zumindest einer von ihnen würde das Thema eines sehr interessanten Gesprächs mit Erzbischof Maikel werden.
    Aber unter diesen Umständen ist es besser, wenn ich das aufschiebe, bis ich zu Hause persönlich mit ihm sprechen kann.
    Mit diesem Gedanken überquerte Merlin auf dem Rücken seines Reittiers die Maikel-Brücke, die größte der drei Zugbrücken, die über den König-Sailys-Kanal führten. Dumpf klapperten die Hufeisen über die schweren Planken der Brücke. Merlin schob die Datenpakete beiseite und konzentrierte sich auf die Brücke. Das Gespräch mit Staynair konnte warten, bis er wieder nach Cherayth zurückgekehrt wäre. Jetzt war er hier, um mit Herzog Eastshare zu sprechen. Das versprach ebenso interessant zu werden.
    »Seijin Merlin!«
    Der braunhaarige, braunäugige Ruhsyl Thairis, seines Zeichens Herzog Eastshare, war fünfundvierzig Jahre alt. Er war ein paar Zoll weniger als sechs Fuß groß, aber für seine Körpergröße recht untersetzt. Obwohl er zu den ranghöchsten Adeligen im ganzen Königreich Chisholm gehörte, erhob er sich sofort, als Merlin in sein Arbeitszimmer geleitet wurde.
    »Euer Durchlaucht«, erwiderte Merlin die Begrüßung und verneigte sich tief.
    »Es ist gut, Euch wiederzusehen!«, fuhr Eastshare fort und streckte ihm die Hand entgegen. Sie drückten einander die Unterarme, und der Herzog gestattete sich ein schiefes Grinsen.
    »Es ist gut, Euch zu sehen«, wiederholte er, »aber ich frage mich doch, warum genau mir diese Ehre zuteil wird. Oder vielmehr, warum so rasch.«
    »Das, Euer Durchlaucht, hat sogar mehrere Gründe. Aber einer davon ist ungleich wichtiger als alle anderen.« Merlins Lächeln, die Antwort auf Eastshares, war sogar noch schiefer. »Vor allem haben Ihre Majestäten eine Nachricht für Euch, die Ihres Erachtens am besten persönlich zu überbringen ist.«
    »Ach?« Fragend wölbte Eastshare eine Augenbraue.
    »Um ganz ehrlich zu sein, Euer Durchlaucht, ist das Ganze ein wenig ... kompliziert. Ich denke, ich werde einen Moment brauchen, um alles angemessen zu erläutern.«
    »Ich verstehe.«
    Nachdenklich blickte Eastshare seinen Besucher an. Obschon seine Treue ganz der Krone und vor allem Sharleyan Tayt Ahrmahk galt, war der Herzog doch von Kopf bis Fuß ein echter chisholmianischer Edelmann. Seit Herzog Halbrook Hollows Hochverrat hatte Merlin sich regelmäßig davon überzeugt, dass Eastshares Treue dem Kaiserreich gegenüber aufrichtig war - trotz einiger anfänglicher Vorbehalte seinerseits der Kirche von Charis gegenüber (vergewissert hatte sich Merlin zum einen im persönlichen Gespräch, zum anderen anhand der Aufzeichnungen, die Owls SNARCs ihm geliefert hatten). Doch trotz dieser aufrichtigen Treue gehörte Eastshare dem Menschenschlag an, der ernstliche Schwierigkeiten hatte zu begreifen, dass die überwiegende Mehrheit der Bürgerlichen ebenso normale Menschen waren wie er selbst. In seinem Falle war das noch nicht einmal Arroganz; er verstand es einfach nicht. Das natürliche Überlegenheitsgefühl eines Adeligen war so sehr Teil der Welt, in die er hineingeboren und in der er aufgewachsen war, dass es für ihn im wahrsten Sinne des Wortes unmöglich war, diesen geistigen Sprung zu vollziehen - außer vielleicht auf rein intellektueller Basis, aber ohne jegliche Emotion.
    Doch es gab einen Bereich, für den das erstaunlicherweise ganz offenkundig nicht galt: Eastshare hatte überhaupt keine Schwierigkeiten damit, einen Bürgerlichen, der zugleich auch Offizier der Army war, auf exakt der gleichen Stufe zu sehen wie einen adeligen Offizier gleichen Ranges. Tatsächlich war Eastshare dafür bekannt, dass er unerbittlich jegliche Form von Filzokratie aristokratischer

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