Die florentinische Prinzessin
meines Frisiertischs auf, holte eine Goldbörse hervor und warf sie ihr vor die Füße. »Hier habt Ihr Eure Bezahlung. Ihr werdet sehen, dass Ihr Profit macht, ohnehin das Einzige, was Euch je interessiert hat.«
Sie begegnete meinem Blick, bevor sie die Börse aufhob. Dann ging sie, ohne sich noch einmal umzusehen.
Der Atem wich mir aus den Lungen. Die Knie gaben nach.
Auf dem Boden, das Gesicht in den Händen vergraben, gab ich mich meiner Trauer hin wie eine Florentinerin.
TEIL IV
1559 – 1560 Die Tiger
18
Wenn uns in Florenz ein Angehöriger stirbt, richten wir ein Festgelage aus. Wir laden Verwandte, Nachbarn und Freunde ein und sprechen von den schönen Zeiten mit dem Verblichenen. Wir erzählen Geschichten, manche heiter, manche traurig, aber stets in der Absicht, unsere Lieben noch ein wenig länger bei uns zu behalten. Wir erlauben uns eine Feier des Lebens, um unsere Trauer zu lindern und uns auf die Zukunft vorzubereiten, die uns erwartet.
Nichts davon war mir vergönnt. Kaum hatten le Balafré und Monseigneur unsere vierzig Tage Staatstrauer anberaumt, musste ich meine Klausur im Hôtel de Cluny antreten, diesem verfallenen alten Gemäuer, wo Königswitwen sich ein für alle Mal mit der Leere ihres Lebens abzufinden hatten. Es war ein archaischer Brauch, der sicherstellen sollte, dass die Königin nicht schwanger war, da dies die etablierte Thronfolge hätte durcheinanderbringen können, besonders, wenn sie später einen Sohn gebar. Henri und ich waren vor seinem Tode wochenlang nicht zusammengekommen, und die Zeit meiner Fruchtbarkeit näherte sich ihrem Ende, doch all das spielte keine Rolle. Die Guises hatten entschieden, dass ich mich dem Brauch zu fügen hätte.
Eingesperrt in Gemächer, die von oben bis unten weiß ausgehängt waren, legte ich aus Trotz die schwarze Trauerkleidung meiner italienischen Heimat an und wählte die gebrochene Lanze als Emblem. Natürlich wurde jede meiner Bewegungen Monseigneur von handverlesenem Personal hinterbracht. Ich sollte mein Schicksal beweinen, an Gottes Willen und meiner Hilflosigkeit verzweifeln, bis ich, von Gram zermürbt, in irgendeinem wohlbestallten Kloster oder Landgut Trost suchen würde. Schließlich war ich jetzt nicht mehr Königin. Mary Stuart hatte meinen Platz eingenommen; zweifellos wurde mein Wappen jetzt schon von den Wänden entfernt, um durch ihres ersetzt zu werden. Ich hatte meine Pension und mein eigenes Schloss; die Zeit war gekommen, mich wie andere Witwen vor mir von der Welt zurückzuziehen.
Nichts weiter wurde von mir erwartet.
Und ich überlegte es mir, lange und ernsthaft. Es wäre ein leichter Ausweg gewesen, einfach nach Chenonceau zu ziehen. Ich hätte zwischen meinen Weinbergen und Obstbäumen alt werden können, ohne einen Blick zurück. Warum sollte ich mir nicht noch ein bisschen stilles Glück gönnen? Hatte ich der Pflicht nicht schon genug geopfert? Anders als die Duchesse d’Etampes, die durch Dianes Einfluss bettelarm gestorben war, anders als Königin Eleonore, die nach dem Tod meines Schwiegervaters Frankreich ungeliebt und ungebraucht verlassen hatte, konnte ich mich vom Hof zurückziehen und mir ein neues Leben schaffen, unbelästigt von Querelen, die mich nichts mehr angingen.
Nur der Gedanke an den unendlichen Ehrgeiz der Guises, an die Gnadenlosigkeit, mit der die Meute meinen Sohn in der Verfolgung ihrer Ziele hetzen würde, stachelte mich an. Ich wollte meine Witwenschaft nicht in Ruhe aussitzen, während sie im Namen meines Kindes regierten. Ich hatte ihre unerträgliche Herrschsucht lange genug erlitten; die Zeit war gekommen, mir meinen Platz an der Seite meines Sohnes, unseres neuen Königs, zu erobern.
Wenn ich nicht für ihn kämpfte, wer sollte es sonst tun?
Ich erhob mich und schlug meinen Schleier zurück. Der Anblick meines Gesichts zum ersten Mal seit Wochen ließ die Hofdamen aufschrecken. Nur Lucrezia, die einzige Vertraute, die ich hatte mitnehmen dürfen, lächelte.
»Hoheit«, fragte eine der Damen, »fühlt Ihr Euch unwohl?«
»Im Gegenteil.« Meine Stimme klang rau vom langen Schweigen. »Ich fühle mich ausgezeichnet und habe Hunger. Lasst mir heute bitte Fleisch auftragen, denn mich gelüstet danach.«
»Fleisch?«, ächzte sie. Brühe, Brot und Käse waren alles, was Witwen essen sollten; Witwen hatten schwächlich zu sein, und Fleisch brachte das Blut in Wallung.
»Jawohl. Und zwar auf der Stelle. Während ich diniere, packt ihr meine Sachen für die Umsiedlung in den
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