Die Füchsin
ich schon dabei wäre.«
»Das ist allerdings sehr ermutigend«, erwiderte Adam mit einem schmerzhaften Lächeln, und dann: »Austin, ich möchte nicht, daß du herumstehst und dir den Tod holst, während ich kämpfe. Ein Unglück ist genug, und du solltest dein Leben nicht auch noch sorglos aufs Spiel setzen. Hol jetzt mein Schwert, Junge, und dann gehst du ins Haus deines Vaters, wo du weitere Anweisungen von mir abwarten sollst.«
Austins Kehle wurde rau. »Mylord, ich möchte hier bei Euch sein«, sagte er entschlossen. »Das ist mein Platz als Euer Knappe.«
»Wie auch immer es ausgeht, es wird kein angenehmer Anblick sein«, warnte Adam, betrachtete ihn mit verengten, nachdenklichen Augen und erkannte, in welchem Maße dieser junge Bursche inzwischen gereift und beherrscht war. »Wenn ich unterliege, erwarte ich, daß sich alle Mitglieder meines Haushalts würdig verhalten. Falls du befürchtest, daß deine Trauer oder dein Zorn dich zu einer unüberlegten Tat treiben könnten, dann darf ich nicht zulassen, daß du teilnimmst.«
»Ich verspreche, mich Euer würdig zu erweisen, Mylord.« Austin stand aufrecht da, und plötzlich funkelten Tränen in seinen grünen Augen. »Bitte schickt mich nicht zu meinem Vater.«
Adam nickte kurz. »So sei es denn.« Er stand vom Tisch auf und schnallte sich seinen Schwertgürtel um; dabei ließ er dem Jungen Zeit, sich zu fassen. Austin nahm das Schwert, das in der Scheide steckte, von der Stelle, wo es an der Wand lehnte. Die vergoldete Lederhülle in der einen Hand, den Schwertknauf in der anderen, richtete er sich plötzlich auf und starrte entgeistert auf die Frau, die im Durchgang stand.
»Mylady«, murmelte er, und sein Gesicht wurde erneut knallrot.
Adam fuhr herum; auch sein Gesicht war jetzt so erregt wie das des Knappen, bevor die Farbe langsam daraus verschwand und es weiß wurde wie ein gebleichtes Leinenhemd. Ohne den Blick von Heulwen zu wenden, als fürchte er, sie könnte sich in Nichts auflösen, steckte er die Hand nach dem Schwert aus und schickte Austin mit einer kurzen Geste weg. Der Junge zögerte, verbeugte sich und verließ unwillig den Raum. Heulwen trat zur Seite, um ihn vorbeizulassen, dann schloß sie die Tür, nahm die Kapuze ihres Umhangs ab und näherte sich Adam. Er bemerkte, daß die reichverzierte Brosche mit Kristall und Topassteinen nicht mehr ihren Umhang zierte, sondern durch die Leopardennadel ersetzt worden war, die sie früher getragen hatte.
»Du solltest nicht hier sein.« Seine Stimme war ruhig und verriet nichts von den einander widersprechenden Gefühlen, die ihr Anblick in ihm geweckt hatte.
»Ich kann mich nicht hinter den verschlossenen Türen im Haus meines Vaters verbergen, wenn ich weiß, was dir heute bevorsteht.«
»Vielleicht wäre es leichter gewesen für uns beide.« Er legte seine Hand auf den Schwertgriff und nahm sachte die Waffe aus der Scheide.
»Aber nicht der beste oder der treueste Weg.« Sie wandte den Blick von seinem Gesicht auf den schimmernden Stahl, und eine deutlicher Schauer lief ihr über den Körper. »Adam, ich muß bei diesem Gottesurteil anwesend sein, schon Ralphs wegen. Es ist meine Pflicht als seine Witwe, da zu sein, ganz gleich, was sich am Ende ergibt.«
»Heulwen, wenn ich verliere, wird das keine schöne Sache für dich sein. Du würdest damit in aller Öffentlichkeit zur Buhlerin gebrandmarkt werden.«
Heulwen zuckte mit den Schultern und zwang sich zu einem Lächeln. »Ich habe immer noch Papa und Judith und Freunde der Familie zwischen mir und einer solchen Katastrophe. Ich habe keine Angst, was mich selbst betrifft.« Und dann verschwand ihr Lächeln und wich dem Entsetzen und der Spannung, die darunter lagen. »Adam, in Gottes Namen, steck dieses Schwert weg, bis du es ziehen mußt«, flüsterte sie. »Es macht mich ganz krank.«
Vorsichtig steckte er die Waffe wieder in die Scheide und legte sie auf den Tisch, dann ging er die drei Schritte zu ihr hin. Eine ihrer Strähnen hatte sich selbständig gemacht und strich über seine Hand. Er berührte sie, ließ seine Finger daran emporklettern wie an einem Strick, bis sie ihr Gesicht erreicht hatten. Sachte streichelte er die blaurote und gelbe Schwellung unter ihrem linken Auge. Er konnte ihr nicht sagen, daß er das Schwert ziehen mußte, um es zu schärfen; es hätte ihre Gedanken noch mehr auf die Schrecken gelenkt, die ihnen beiden drohten. Er wartete lieber, bis sie gegangen war.
»Bin ich denn auch nichts weiter als
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