Die geheimen Jahre
durch Erde ersetzt worden.
»Die Flut muà ihn herausgewaschen haben.« Sie sah Daniel an. »Lally hat ihn genommen. Hast du das gewuÃt?«
»Ich habâs mir gedacht«, antwortete er langsam. »Es ist eine Weile her, da hat sie mir etwas gesagt ⦠und dann passierte die Sache mit Fay â¦Â«
»Lally hat ihn auf der Koppel versteckt. Er muà all die Jahre hier gelegen haben. Sie erzählte mir davon, als ich sie im Sanatorium besuchte.«
Sie reichte ihm das Schmuckstück und sah zu, wie er es untersuchte. Seine Lider waren gesenkt, sein Gesichtsausdruck nicht zu deuten. »Hast du deswegen das Land an Harry verkauft?« fragte er.
Sie berührte seine Hand. »Es war richtig, Daniel. Wir alle wurden verletzt, aber du am meisten. Du hast alles verloren. Ich muÃte ⦠muÃte versuchen, alles wiedergutzumachen.«
Als er zu ihr aufsah, entdeckte sie keinen Ausdruck von verletztem Stolz in seinem Gesicht, sondern Liebe und Einverständnis. Zögernd sagte er: »Wir könnten ganz gut zusammenpassen, findest du nicht auch? Du hast den Wirtschaftsgarten und ich mein Schreiben. Es wäre unkonventionell, aber â¦Â«
Es stand eine Frage in seinen Augen. Sie verstand die Frage, konnte aber noch nicht antworten. Sie sah sich um und sagte: »Alles verändert sich, Daniel â spürst du es nicht? Selbst Drakesden verändert sich.«
Er kniff die braunen Augen zusammen, als er zum Horizont sah. »Ich war früher immer neidisch auf Nicholas«, sagte er. »Auf die Blythes. Auf das alles hier. Aber ihre Zeit ist vorbei, nicht wahr? Alles ist fortgeschwemmt worden.«
Stillschweigend gab sie ihm recht. Sogar ihr Sohn, der Letzte der Blythes, würde nicht in die FuÃstapfen seiner Vorfahren treten. Sie hatte Marjories Angebot abgelehnt, für William die Privatschule zu bezahlen. William würde die hiesige Schule besuchen, in Drakesden aufwachsen, zu Drakesden gehören. Alles änderte sich, und es war richtig, daà sich dieser Wandel im Leben ihres Sohnes widerspiegelte.
Der Feuerdrachen lag noch immer in Daniels Hand. Thomasine sah auf das einzelne böse gelbe Auge und dachte, daà es von seinem Versteck aus alles beobachtet und ihrer aller Leben vergiftet hatte.
Leise, fast flüsternd, sagte sie: »Ich werde ihn wegwerfen. In den tiefsten Deich ⦠oder drauÃen ins Meer. Nicholas «, fuhr sie, auf die Brosche starrend, fort, »Fay ⦠sogar Lally ⦠wir wurden alle verletzt.«
»Es war der Krieg, der uns verletzt hat«, sagte Daniel leise. Er legte den Arm um ihre Schultern. »Der Krieg hat Nicholas mehr angetan als mir, weil er in dem Glauben erzogen wurde, es wäre ruhmvoll, ein Held sein. Ich jedoch hab nur nach etwas gesucht, was mir ein paar regelmäÃige Mahlzeiten einbrachte.« Er zog sie an sich. »Aber uns gehtâs gut, Thomasine. Wir haben überlebt, nicht wahr?«
Sie lieà sich in seine Arme schlieÃen. Als sie ihn küÃte, dachte sie, daà Lally recht hatte, daà es keine Rolle mehr spielte. Sie steckte den Feuerdrachen, den nutzlosen, verblichenen Flitterkram, in die Tasche. Sie hatten überlebt, genauso Nicholasâ Sohn und auf gewisse Art auch Drakesden.
Als sie sich schlieÃlich loslieÃen, sagte Daniel erneut: »Es könnte funktionieren, nicht wahr, Thomasine? Mit uns, meine ich.«
»Was würden die Leute im Dorf denken?« fragte sie neckend. »Ich hinter dem Pflug und du bei deinen Büchern? Stell dir nur vor, was alle sagen würden.«
Seine Augen glänzten. »Ich könnte ab und zu einen Ballen Heu tragen, denke ich. Und ich bin sehr geschickt im Rübenhacken.«
»Und wenn du berühmt bist und zu allen Schriftstellerpartys eingeladen wirst, wird sich jeder wundern, warum du die komische Frau mit Stroh im Haar und schmutzigen Fingernägeln geheiratet hast â¦Â«
Er zog sie erneut an sich. »Nein, das werden sie nicht«, antwortete er. »Sie werden krank sein vor Eifersucht.« Er nahm ihre Hände in die seinen und sagte wieder: »Es wird funktionieren, nicht wahr, Thomasine?«
Lächelnd sah sie zu ihm auf. »Ja, ich glaube, das könnte es.«
In Harold Markhams Wagen fuhren sie an die Küste. William saà auf dem Rücksitz mit einem Picknickkorb neben sich. Es herrschte schönes Frühlingswetter, auf den Feldern war von der Ãberschwemmung fast nichts
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