Die Legende von Shannara 01 - Brooks, T: Legende von Shannara 01
nicht, worüber wir reden, deshalb spielt das keine Rolle. Wenn ich fertig bin, umarme mich. Und versuche, verängstigt auszusehen. Schaffst du das? Danach wirst du dorthin zurückgebracht, wo sie dich gefangen halten, aber ich werde dich dort wegholen. Verstehst du?«
Sie nickte. »Ich verstehe.«
»Und denk an die Umarmung«, sagte er.
Sie nickte wortlos und ließ sein Gesicht nicht aus den Augen.
Dann sprachen sie über Belanglosigkeiten, wie er es ihr angekündigt hatte, aber sie machten ein Frage- und Antwortspiel daraus. Im Zelt war es heiß. Deladion spürte, wie ihm der Schweiß unter der schweren Lederkluft den Rücken hinunterlief. Von außen trommelte der Regen noch immer sein Stakkato gegen das Zelt. Er bemühte sich, den Blick des Mädchens immer auf sich gerichtet zu halten, damit sie auch weiterhin ihre Rolle spielte. Denn die Trolle, die sich dicht an sie herandrängten, durften nicht merken, dass sie getäuscht wurden. Das Mädchen blickte ihn unentwegt an, starrte ihm fast in die Augen. Sie hatte kapiert, worum es hier ging. Sie zuckte nicht einmal mit der Wimper.
Schließlich kam Inch zum Ende, nickte ihr kurz zu und richtete sich langsam wieder auf. Im selben Moment stürmte sie auf ihn zu, schlang ihre Arme um seine Schultern und umarmte ihn fest. Er klopfte ihr beruhigend auf den Rücken und schob sie dann von sich weg.
Dann wandte er sich wieder an Taureq Siq. »Sie bestätigt, was ich dir schon gesagt habe. Aber es gibt auch gute Neuigkeiten. Nicht jeder besitzt solche Waffen, sondern nur die Menschen aus den größeren Städten. Jene verfügen auch über kleinere Kampfverbände, die aber nicht sehr gut ausgebildet sind. Du kannst sie mit Leichtigkeit überwinden, sobald du weißt, wie du ihre Waffen außer Kraft setzt.«
Taureq Siq beobachtete ihn scharf. »Das wirst du mir erklären. Aber nicht, bevor Arik zurück ist. Er kommt morgen früh. Betrachte dich bis zu seiner Ankunft als meinen Gast.«
Als deinen Gefangenen, meinst du wohl . Inch hatte nichts anderes erwartet, aber es bestürzte ihn, dass Taureqs ältester Sohn schon so bald zurückerwartet wurde. Also musste er rasch handeln, falls er vorhatte, lebend aus diesem Lager herauszukommen. »Es wäre mir eine Ehre, Taureq.«
Das Mädchen wurde in sein Gefängnis zurückgebracht. Der Wächter führte sie durch die Zeltklappe hinaus. Inch blickte ihr kurz nach, beachtete sie dann aber nicht weiter. »Ich hätte gern etwas zu essen und einen Platz zum Schlafen«, meinte er an Siq gewandt. »Ich war den ganzen Tag unterwegs.«
Der Maturen nickte den Wachen zu, die ihn hergebracht hatten. »Gebt ihm alles, was er will, aber lasst ihn nicht aus den Augen.«
Damit wandte sich Taureq Siq ab und richtete seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes. Das Gespräch war beendet. Deladion Inch ging zur Zeltklappe, ohne auf seine Eskorte zu warten. Er schob die Plane beiseite und trat hinaus in den Regen, der sich inzwischen von einem heftigen Schauer in einen Wolkenbruch verwandelt hatte. Die Dämmerung hatte eingesetzt, und im grauen Dunst flackerten und zischten die Fackeln in der Nässe. Ohne es sich anmerken zu lassen warf er einen Rundblick durch das Lager. Es gelang ihm gerade noch, die schlanke Gestalt des Mädchens auszumachen, bevor es im Gewirr von Zelten und Trollen verschwand. Er merkte sich jedoch die Richtung, in der die Kleine weggeführt worden war, denn das würde ihm später helfen, sie zu finden.
Seine Wachen traten heraus und führten ihn mit respektvollem Abstand in die entgegengesetzte Richtung. Inch grinste, nickte und folgte ihnen, wobei er sich auf dem Weg zu dem etwa vierzig Meter entfernten, kleinen und schäbigen Zelt die Umgebung genau einprägte. Das Zelt diente normalerweise als Materiallager oder als Stallung für Tiere und war ein unübersehbarer Hinweis von Taureq, wie viel er von dem Söldner hielt. Bei einer anderen Gelegenheit wäre Deladion Inch wütend geworden. Aber jetzt spielte das keine Rolle. Denn nach der heutigen Nacht würde er nie wieder hierher zurückkehren.
Er drängte sich in das Zelt, legte sich eine Schlafmatte zurecht, die zwischen lauter Zeltplanen, aufgestapelten Balken und Streben ausgerollt war, und stellte erfreut fest, dass sein Quartier wenigstens trocken blieb. Die Wachen brachten ihm etwas zu essen, und er setzte sich mit seinem Abendessen auf den Boden. Es war irgendein Eintopf und warmes Bier. Es reichte ihm völlig.
Er aß, trank und richtete sich dann auf eine lange
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