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Die Lennox-Falle - Roman

Die Lennox-Falle - Roman

Titel: Die Lennox-Falle - Roman Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Heyne
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Wissenschaftler, einen Arzt, der Hervorragendes geleistet hat. Die Operationen, die er durchgeführt hat, haben Geschichte gemacht.«
    »Und worauf hatte er sich spezialisiert?«
    »Das Gehirn. Man sagte ihm nach, er habe ›goldene Hände und Finger wie Quecksilber‹. Das ist ein wörtliches Zitat von Hans Traupmann, einem weiteren berühmten Spezialisten auf diesem Gebiet.«
    »Wer?«
    »Traupmann, Hans Traupmann. Chef der Gehirnchirurgie Nürnberg.«
    »Sind die beiden befreundet?«
    »Abgesehen von der Tatsache, daß sie Berufskollegen sind, gibt es keine Hinweise auf eine persönliche Freundschaft.«
    »Enthalten die Unterlagen irgendwelche Hinweise oder Meinungen darüber, weshalb Kröger seine Stellung aufgegeben hat und nach Schweden ausgewandert ist?«
    »Abgesehen von seiner eigenen sehr emotional klingenden Erklärung, nein. Er hatte zwanzig Jahre lang höchst komplizierte, man könnte sagen, nervenaufreibende Operationen durchgeführt und erklärt, er sei ausgebrannt. Seine ›Quecksilber‹-Finger
hätten ihre Sicherheit verloren und er wolle nicht das Leben von Patienten riskieren. Höchst bewunderswert.«
    »Höchst nebulös«, sagte Moreau leise. »Hat sich irgend jemand an seinem gegenwärtigen Aufenthaltsort für ihn interessiert?«
    »Darüber liegen, wie Sie sehen werden, nur vage Aussagen vor. Einige ehemalige Kollegen, die von ihm gehört haben, aber das liegt nicht weniger als vier Jahre zurück, haben erklärt, er habe im Norden von Göteborg eine Praxis als Allgemeinmediziner eröffnet und sich einen schwedischen Namen zugelegt.«
    »Wer sind diese ›ehemaligen Kollegen‹?«
    »Ihre Namen stehen in dem Bericht. Sie können sich mit Ihnen in Verbindung setzen, wenn Sie das wünschen.«
    »Das wünsche ich.«
    Als Moreau die deutsche Botschaft verlassen hatte, ging er geradewegs zu seinem Dienstwagen, stieg ein, nickte seinem Fahrer zu, daß er abfahren solle und griff nach dem Telefon. Er wählte eine sichere Nummer. »Jacques?«
    »Ja, Claude?«
    »Lassen Sie eine gründliche Untersuchung über einen Arzt namens Traupmann, Hans Traupmann, Chirurg in Nürnberg, durchführen.«
     
    Drew Lennox hatte in seinem überreizten Zustand das Gefühl, der Abend ziehe sich endlos in die Länge, nehme überhaupt kein Ende. Er hatte vor zwei Stunden mit Karin gesprochen, als sie noch in der Botschaft gewesen war, und war mit ihr übereingekommen, sie im Interesse absoluter Sicherheit nicht in ihrem Apartment an der Madeleine anzurufen. Bei dem Gespräch hatte sie ihm eine dringende Nachricht aus Washington übermittelt. Er solle Wesley Sorenson auf seiner Geheimleitung anrufen und es so lange versuchen, bis der Cons-Op-Direktor sich meldete. Wenn er bis achtzehn Uhr Washingtoner Zeit immer noch keine Verbindung bekommen hatte, solle er Sorenson zu Hause anrufen.
    Er hatte es mehrfach bis achtzehn Uhr versucht. Dann hatte er Wes zu Hause angerufen. Mrs. Sorenson hatte sich gemeldet; sie hatte die richtigen Sprüche drauf. »Mein Mann erwartet einen Anruf von unserem Antiquitätenhändler in Paris. Falls Sie das
sind - Mr. Sorenson ist bis neunzehn Uhr nach unserer Zeit beschäftigt, aber wenn es Ihnen keine Umstände macht, rufen Sie doch bitte danach an. Wir haben leider die Nummer Ihrer Wohnung nicht. Er ist sehr an dem Teppich interessiert, den wir letzten Monat gesehen haben.«
    »Der ist noch nicht verkauft, Madam«, hatte Drew gesagt. »Ich melde mich dann in einer Stunde wieder bei Ihnen. Das ist das Wenigste, was ich für so gute Kunden tun kann.«
    Was konnte so wichtig sein, daß Sorenson es als »dringend« bezeichnete? Doch in der Enge des Hotelzimmers über etliche Möglichkeiten, die es gab, nachzubrüten, war ihm einfach unerträglich. Außerdem trug er die Uniform, die ihn kaum atmen ließ, sein Haar war lächerlich blond gefärbt, er würde die Brille tragen, die Karin ihm gegeben hatte, und im übrigen war es draußen bereits dunkel. Was könnte sicherer sein, als die Kombination von Verkleidung und Dunkelheit? Schließlich hatte er das Handy. Wenn Witkowski oder sonst jemand in der Botschaft ihn brauchte und ihn im Hotel nicht erreichen konnte, würden sie sicher diese Nummer versuchen.
    Er fuhr mit dem Aufzug in die Lobby und ging am Pult des Concierge vorbei und kam sich albern vor, als die Hotelangestellten so etwas wie militärische Ehrenbezeigungen vollführten, bis er dann schließlich die Drehtür hinter sich gelassen hatte und sich auf der Rue de Castiglione befand. Herrgott,

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