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Die Löwen

Die Löwen

Titel: Die Löwen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Ken Follett
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ausgeschickt. Die können sich nicht alle eine Frau holen wollen.«
    Zahara gab sich noch immer den Anschein der Gleichgültigkeit, doch Jane merkte ihr die Erleichterung an. Was für eine besondere Bedeutung konnte es haben, fragte sie sich, dass Jussuf zum Logar-Tal gereist war, um von dort jemanden zu holen?
    Während sie sich dem Dorf näherten, wurde es dunkel.
    Von der Moschee her erklang eine Art Sprechgesang, der etwas Unheimliches hatte: Die blutrünstigsten Männer der Erde beim Gebet. Es erinnerte Jane immer an Josef, einen jungen russischen Soldaten, der den Absturz eines Hubschraubers auf der anderen Seite des Berges überlebt hatte. Ein paar Frauen brachten ihn zum Krämerhaus - das war im Winter gewesen, bevor sie die Klinik in die Höhle verlegt hatten -, und Jean-Pierre behandelte Josefs Wunden, während man einen Boten zu Masud schickte: Was sollte mit dem Russen geschehen? Wie Masuds Antwort gelautet hatte, erfuhr Jane dann eines Abends, als Alischan Karim in den vorderen Raum des Krämerhauses trat, wo der bandagierte Josef lag. Der Afghane hielt dem Russen die Mündung seines Gewehrs ans Ohr, und der Schuss riss dem jungen Soldaten praktisch den Kopf ab. Das war um die gleiche Tageszeit passiert, und der Singsang betender Männer tönte durch die Luft, während Jane das Blut von der Wand abwusch und das Gehirn des jungen Russen vom Boden aufwischte.
    Die Frauen ließen den letzten Teil des Pfads vom Fluss hinter sich, blieben dann vor der Moschee stehen und wechselten noch ein paar Worte, bevor jede ihrem Haus zustrebte.
    Jane warf einen Blick in die Moschee. Die Männer knieten im Gebet mit Abdullah, dem Mullah, als Vorbeter. Ihre Waffen, das übliche Durcheinander aus uralten Gewehren und modernen Maschinenpistolen, lagen in einer Ecke auf einem Haufen. Gleich darauf waren die Gebete zu Ende, und als sich die Männer erhoben, sah Jane, dass sich unter ihnen eine Anzahl Fremder befand. Sie fragte Zahara: »Wer sind die?«
    »Nach ihren Turbanen müssen sie aus dem PichTal und Jalalabad stammen«, erwiderte Zahara. »Es sind Paschtunen - eigentlich unsere Feinde. Warum sind sie hier?« Während sie noch sprach, löste sich ein hochgewachsener Mann mit einer Augenklappe aus der Menge. »Das muss Jahan Kamil sein – Masuds großer Feind!«
    »Aber dort ist Masud und spricht mit ihm«, sagte Jane und fügte auf englisch hinzu:
    »Just fancy that!« Zahara imitierte sie. »Jass fencey het!« Es war das erste Mal seit dem Tod ihres Mannes, dass Zahara einen Scherz machte. Ein gutes Zeichen: Zahara schien auf dem besten Weg, wieder sie selbst zu werden. Die Männer traten heraus, und außer Jane eilten alle Frauen davon. Sie hatte das Gefühl, allmählich zu begreifen, was da vor sich ging, und sie wollte sehen, ob sich ihre Annahme bestätigte. Als Mohammed herauskam, trat sie auf ihn zu und sagte zu ihm auf französisch: »Ich vergaß, dich zu fragen, ob deine Reise nach Faisabad erfolgreich war.«
    »Das war sie«, erwiderte er, ohne auch nur für einen Augenblick stehen zu bleiben : Er wollte nicht, dass seine Kameraden oder die Paschtunen bemerkten, dass er die Fragen einer Frau beantwortete.
    Jane blieb hartnäckig an seiner Seite, während er in Richtung seines Hauses schritt. »So ist also der Befehlshaber von Faisabad hier?«
    »Ja.«
    Janes Vermutung erwies sich als richtig: Masud hatte alle Rebellenführer hierher eingeladen. »Was hältst du von dieser Idee?« fragte sie ihn im Versuch, Einzelheiten zu erfahren.
    Mohammeds Gesicht nahm einen nachdenklichen Ausdruck an. Wie stets, wenn ihn ein Gespräch interessierte, legte er seine hochmütige Haltung ab. »Alles hängt von dem ab, was Ellis morgen tun wird«, sagte er. »Macht er auf sie den Eindruck eines Mannes von Ehre und gewinnt er ihre Achtung, so werden sie wohl seinem Plan zustimmen.«
    »Und hältst du diesen Plan für gut?«
    »Zweifellos wäre es eine gute Sache, wenn sich der Widerstand vereinen und von den Vereinigten Staaten Waffen erhalten würde.«
    Das war es also! Amerikanische Waffen für die Rebellen, vorausgesetzt, sie vereinten sich im Kampf gegen die Russen, statt sich die halbe Zeit gegenseitig zu befehden.
    Sie erreichten Mohammeds Haus, und Jane bog in Richtung des Krämerladens ab. Ihre Brüste fühlten sich voll an: Es war Zeit, Chantal zu stillen. Die rechte Brust fühlte sich ein wenig schwerer an, weil sie beim letzten Mal mit der linken angefangen hatte, und Chantal leerte die erste Brust immer sehr

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