Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Die Menschenleserin

Die Menschenleserin

Titel: Die Menschenleserin Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Jeffery Deaver
Vom Netzwerk:
eine dieser Nummern angerufen hat, die hinten in den Tagszeitungen stehen. Ich schätze, so hat’s wohl geklungen. Nein, Daniel hat eine Frau angerufen, die er kannte. Ich glaube, sie hatte ihm irgendwann mal geschrieben. Er hat viel Post bekommen.« Ein mattes Lächeln. »Fans. Das muss man sich mal vorstellen. Ein Mann wie er.«
    Dance beugte sich noch weiter vor. »Aber als Sie gelauscht haben, ging es gar nicht um Sex, oder?«
    »Nein, ich...« Ihm musste aufgegangen sein, dass er nichts davon gesagt hatte, mitgehört zu haben. Aber nun war es zu spät. »Nein. Die beiden haben bloß geplaudert.«
    »Sie haben beide gehört?«
    »Ja, ich war an einem anderen Apparat.«
    »Wann war das?«
    »Zum ersten Mal vor ungefähr einem Monat. Dann noch einige Male. Gestern. Als er im Büro gewesen ist.«
    »Werden die Anrufe dort verzeichnet?«
    »Nein, nicht die Ortsgespräche.«
    »Aber ein Ferngespräch wäre erfasst worden?«
    Waters starrte zu Boden. Er fühlte sich elend.
    »Was ist, Tony?«
    »Ich habe ihm eine Telefonkarte besorgt. Man ruft eine Achthunderter-Nummer an, gibt erst einen Code ein und dann die gewünschte Nummer.«
    Dance kannte diesen Service. Nicht zurückverfolgbar.
    »Wirklich, Sie müssen mir glauben. Ich hätte es nie getan, hätte er mir nicht diese Informationen gegeben... die waren gut. Sie haben Leben gerettet...«
    »Worüber haben die beiden gesprochen?«, fragte Dance freundlich. Man springt mit einem geständigen Verdächtigen niemals grob um, sondern zeigt sich als sein neuer bester Freund.
    »Über ganz normales Zeug. Sie wissen schon. Einmal ging es um Geld, das weiß ich noch.«
    »Was war damit?«
    »Pell hat gefragt, wie viel sie gespart hat, und sie hat gesagt, neuntausendzweihundert Dollar. Und er hat gefragt: ›Das ist alles? ‹«
    Ziemlich kostspieliger Telefonsex, dachte Dance spöttisch.
    »Dann hat sie sich nach der Besuchszeit erkundigt, und er meinte, das sei keine gute Idee.«
    Er wollte nicht, dass sie ihn besuchte. Damit ihr Name nicht verzeichnet wurde.
    »Haben Sie eine Ahnung, wo die Frau sich während der Gespräche aufgehalten hat?«
    »Er hat Bakersfield erwähnt. Einmal hat er ausdrücklich gesagt: ›Nach Bakersfield.‹«
    Er hatte sie zum Haus seiner Tante geschickt, wo sie den Hammer abholen und in dem Brunnenschacht deponieren sollte.
    »Ach ja, da fällt mir noch etwas ein. Sie hat ihm was von Kardinälen erzählt.«
    »Von katholischen Priestern?«
    Er lachte auf, wenngleich nur gequält.
    »Nein, von Vögeln. Von Kardinälen und Kolibris im Garten. Und von mexikanischem Essen. ›Wohlfühlessen.‹ So hat sie es genannt.«
    »Hatte ihre Stimme irgendeinen Akzent?«
    »Nicht, dass er mir aufgefallen wäre.«
    »War ihre Stimme hoch oder tief?«
    »Eher tief. Irgendwie sexy.«
    »Klang sie schlau oder dumm?«
    »Herrje, dass kann ich nicht sagen.« Er klang erschöpft.
    »Gibt es sonst noch etwas, das uns weiterhelfen könnte, Tony? Kommen Sie, wir müssen diesen Kerl wirklich erwischen.«
    »Mehr weiß ich nicht, tut mir leid.«
    Sie musterte ihn und kam zu dem Schluss, dass er tatsächlich nichts mehr wusste.
    »Okay, ich glaube, das dürfte vorläufig reichen.«
    Er sprang auf. An der Tür blieb er stehen und wandte sich um. »Verzeihen Sie, dass ich so verwirrt war. Es ist ein harter Tag.«
    »Das können Sie laut sagen«, stimmte Dance ihm zu. Er verharrte reglos im Eingang, wie ein verzagtes Haustier. Als er den erhofften Trost nicht bekam, schlurfte er davon.
    Dance rief Carraneo an, der zu dem Versandladen unterwegs war, und ließ ihn wissen, was sie von dem Aufseher in Erfahrung gebracht hatte: dass Pells Komplizin keinen Akzent und eine tiefe Stimme zu haben schien. Vielleicht würde das Personal sich auf diese Weise besser an die Frau erinnern können.
    Dann setzte sie sich mit der Direktorin von Capitola in Verbindung und erzählte ihr, was geschehen war. Die Frau schwieg für einen Moment und sagte dann leise: »Oh.«
    Dance fragte, ob es in dem Gefängnis einen Computerfachmann gebe. Das war der Fall, und sie bat darum, dass er die Computer im Verwaltungsbüro auf Onlineaktivität am Vortag sowie auf E-Mails untersuchte. Es müsste einfach sein, da das Personal sonntags nicht arbeitete und Pell vermutlich als Einziger im Internet gewesen war – falls überhaupt.
    »Es tut mir leid«, sagte Dance.
    »Ja. Danke.«
    Kathryn meinte weniger Pells Flucht als vielmehr eine der noch ausstehenden Konsequenzen. Sie kannte die Direktorin nicht, nahm

Weitere Kostenlose Bücher