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Die Päpstin

Titel: Die Päpstin Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Aufbau
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neben ihm saß. Die Frau nahm einen Bissen von der Süßigkeit; dann flüsterte sie dem Bischof
     etwas ins Ohr, und beide lachten.
    Der Kammerherr räusperte sich. »Die Männer sind mit dem Kind aus Ingelheim eingetroffen, Eminenz.«
    Der Bischof schaute seinen Bediensteten mit fragenden Blicken an. »Was? Kind? Welches Kind?«
    »Das, nach dem Ihr habt schicken lassen, Eure bischöfliche Gnaden. Die Anwärterin für die Domschule, die Euch empfohlen wurde.
     Von dem Grie…«
    »Ach, ja.« Der Bischof winkte ungeduldig ab. »Jetzt fällt’s mir wieder ein.« Er legte der dicken Frau den Arm um die Schultern,
     während er Johanna und Johannes musterte. »Was ist das, Widukind? Sehe ich schon doppelt?«
    »Nein, bischöfliche Gnaden. Der Dorfpriester von Ingelheim hat seinen Sohn ebenfalls geschickt. Die beiden Kinder sind heute
     eingetroffen und wollten nicht getrennt werden.«
    »Aha.« Das Gesicht des Bischofs strahlte vor Erheiterung. »Was sagt man dazu? Ich verlange eins, und ich bekomme zwei. Wenn
     der Kaiser doch ebenso großzügig wäre wie diese Geistlichen vom Lande!«
    Der Tisch erbebte vor Gelächter. Einige Rufe ertönten; darunter: »Hört, hört!« und: »Amen!«
    Der Bischof streckte den Arm aus und riß das Bein eines Brathähnchens ab. Dann sagte er zu Johanna: »Bist du wirklich die
     kleine Gelehrte, als die du mir angekündigt und empfohlen wurdest?«
    |113| Johanna zögerte; sie wußte nicht, was sie auf diese seltsam formulierte Frage erwidern sollte. Schließlich sagte sie: »Ich
     habe fleißig studiert, Eminenz.«
    »Pah! Studiert!« schnaubte der Bischof und nahm einen Bissen vom Hähnchenbein. »An der Domschule wimmelt es von Dummköpfen,
     die angeblich studieren, aber rein gar nichts wissen. – Was weißt
du
, Kind?«
    »Ich kann lesen und schreiben, Eminenz.«
    »Welche Schrift? Theodisk oder Latein?«
    »Theodisk, Latein und Griechisch.«
    »Griechisch? Höre sich das einer an! Sogar unser hochgeschätzter Odo kann kein Griechisch. Stimmt’s, Odo?« Der Bischof grinste
     einen schmalgesichtigen Mann an, der ein paar Stühle entfernt saß.
    Odos Mund verzog sich zu einem humorlosen Lächeln. »Es ist eine heidnische Sprache, Eminenz. Eine Sprache von Götzendienern
     und Häretikern.«
    »Sehr richtig, sehr richtig.« Die Stimme des Bischofs klang spöttisch. »Alles, was Odo sagt, ist richtig. Odo hat immer recht.
     Nicht wahr, Odo?«
    Der Angesprochene verzog das Gesicht. »Ihr wißt sehr genau, Eminenz, daß ich Euren letzten … wunderlichen Einfall nicht gutheiße.
     Es ist gefährlich – und noch dazu wider den göttlichen Willen – eine Frau in die Domschule aufzunehmen.«
    Von einem der hinteren Tische rief eine Männerstimme: »So, wie sie aussieht, ist sie noch keine Frau.« Wieder brandete eine
     Woge von Gelächter durch den Saal, begleitet von schlüpfrigen Bemerkungen.
    Eine brennende Röte stieg Johanna von der Kehle bis in die Wangen. Wie konnten diese Leute sich im Beisein des Bischofs derart
     benehmen?
    Der Lärm legte sich allmählich, und der Mann, den der Bischof mit Odo angeredet hatte, fuhr fort: »Außerdem ist es sinnlos,
     eine Frau an der
scola
aufzunehmen. Frauen sind von Natur aus nur in sehr begrenztem Maße fähig, logische Schlüsse zu ziehen.« Er streifte Johanna
     mit einem abfälligen Blick; dann schaute er den Bischof wieder an. »Ihre natürlichen Körpersäfte sind kalt und feucht und
     von daher für eine nennenswerte Hirntätigkeit ungeeignet, zumal die brauchbaren Teile des weiblichen Hirns ohnehin winzig
     klein sind. |114| Frauen sind nicht imstande, höhere Begriffe oder gar gedankliche Konzepte spiritueller und moralischer Natur zu begreifen.«
    Johanna starrte den Mann an.
    »Ich habe diese Meinung bereits des öfteren gehört«, sagte der Bischof. Er lächelte Odo mit dem Gesichtsausdruck eines Mannes
     an, der sich köstlich amüsierte. »Aber wie erklärt Ihr Euch dann die gelehrten Errungenschaften dieses Mädchens? Ihre Kenntnis
     des Griechischen, zum Beispiel? Eine Sprache, die nicht einmal Ihr, der
Lehrmeister
Odo« – er dehnte die Worte genüßlich – »beherrscht.«
    »Sie hat sich dieser Fähigkeit
gebrüstet
; aber einen Beweis haben wir nicht zu sehen oder zu hören bekommen«, sagte Odo eingeschnappt. »Ihr seid leichtgläubig, Eminenz.
     Die angeblichen Griechischkenntnisse dieses Mädchens könnten erlogen sein. Reine Erfindung, als unser griechischer Freund
     uns von ihren Fähigkeiten berichtet hat, um uns

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