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Die Quellen Des Bösen

Die Quellen Des Bösen

Titel: Die Quellen Des Bösen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Markus Heitz
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versunken, doch der rundliche Mann arbeitete immer noch. Ihr Glück sollte doch nicht geendet haben?
    Nach der Eroberung der Festung schienen die tarpolisch-tzulandrischen Besatzer dazu übergegangen zu sein, ihre Gefangenen nach Ulsar zu transportieren, während sie weitere Schiffe in den schützenden Fjorden sammelten.
    Diese Umschichtung erschien Perdór sehr aufwändig und unsinnig. Viel einfacher wäre es gewesen, die Rogogarder auf einer der unbedeutenderen Inseln festzusetzen oder an Ort und Stelle hinzurichten.
    Der kleine Tzulan hat etwas Besonderes mit den Menschen vor. Opferungen in der Kathedrale?, lautete seine düstere Einschätzung.
    Etliche der Cerêler, die in die finsteren Mauern der Stadt gegangen waren, kehrten nicht mehr zu ihren Familien zurück. Stattdessen erhielten die Angehörigen die Nachricht, sie befänden sich als Gast des Kabcar auf unbestimmte Zeit in Ulsar. Kalisstra sei den Heilern gnädig. Hoffentlich dienen sie Bardri¢ nicht zu widerlichen Experimenten.
    Perdór nahm die Schreibfeder, um seinen Spionen in Tarpol, die er beinahe an zwei Händen abzählen konnte, Anweisungen zu geben. Sollte einer von ihnen Torben und Varla oder Norina unter den Gefangenen erkennen, sollte alles geschehen, was zur Befreiung notwendig war.
    Als er die Spitze des Kiels ohne hinzuschauen in das Tintenfass tunken wollte, verfehlte er unerwartet den Rand, und das eckige Ende traf lediglich das Papier.
    Perdór, Perdór, du wirst senil, wunderte er sich und wiederholte die Prozedur.
    Der Behälter rutschte von selbst zur Seite, wich der Feder aus. Der König runzelte die Stirn, stand auf und drehte sich um, ohne jemanden zu entdecken. Ein Verdacht keimte in ihm auf. »Soscha, hör auf, einen alten Mann wie mich mit solchen magischen Spielereien zu necken. Und vor allem zu erschrecken. Mein Herz ist nicht mehr das Beste, Liebes.«
    Keine Antwort.
    Soll der Kasper dahinterstecken? Er nahm das Fässchen zur Hand und begutachtete es. Er fand weder Schnüre noch andere Hilfsmittel, die auf einen Schabernack Fiorells hinwiesen. Vorsichtig stellte er es wieder hin und wartete ab.
    Etwas zupfte ihn an den Bartlocken.
    »Soscha, lass das!«
    Die Schreibfeder flog hoch, tauchte in die Tinte und setzte die Spitze aufs Papier. »Bist du Perdór?«, las er erstaunt, dann fiel die Feder um.
    Der Exilherrscher bückte sich, um unter den Tisch zu schauen. Doch hier war es so leer wie im übrigen Zimmer. Was geht denn hier vor? Ist ein Teil von Soschas Magie ausgebüxt und will sich mit mir aus Langeweile unterhalten?
    Die Feder schnellte nach oben und unterstrich die Frage doppelt, drängelte auf eine Antwort, ehe sie wieder zur Seite kippte.
    »Ja doch, ich bin es«, beeilte sich der Ilfarit zu versichern. »Und wer bist du?«
    Ein Windstoß fuhr durch den Raum, wirbelte die Blätter umher. Perdór hörte das leise, äußerst melodiöse Lachen einer Frau. Unsichtbare Hände brachten seine Haare durcheinander und drehten an den grauen Korkenzieherlöckchen seines Bartes. Man schubste ihn hin und her, wirbelte ihn um die eigene Achse, dass ihm schlecht von dem ungewollten Karussellfahren wurde.
    »Aufhören!«, befahl Perdór, und das Treiben erstarb. »Was für ein Spuk sucht mich denn hier heim?« Wütend zerrte er an seinem Morgenrock und richtete ihn, während die Blätter auf ihn herabsegelten.
    Wieder schrieb der Gänsekiel wie von Zauberhand. »Der Meister will dich sehen.«
    »So, will er das?!« Aufgebracht rannte er zur Tür und riss sie auf. »Fiorell!«, schrie er. »Wenn das einer deiner Späße ist, kannst du dich auf was gefasst machen! Schaff dich auf der Stelle hierher! Hopp, hopp!«
    Es dauerte eine Weile, bis der Hofnarr in seiner Nachtkleidung erschien. Er stand mit kleinen Augen im Türrahmen, eine lange Mütze mit Bommel zierte seinen Kopf. Und er sah verschlafen aus. »Was denn, Majestät? Ist eine Praline ausgelaufen?«
    Misstrauisch betrachtete er das verknitterte Gesicht des Mannes. »Wo warst du eben?«
    »Ich komme direkt von einem Empfang, seht Ihr das nicht? Ich habe mit den Schönheiten Kensustrias getanzt und wurde zum bestangezogenen Mann des Abends erkoren«, erklärte er trocken und kratzte sich gähnend am Hintern. »Mal ehrlich, Majestät, wie sieht es denn aus?«
    »Du hast wirklich geschlafen?« Der Argwohn gegenüber dem Possenreißer wich nur langsam. Dafür lieferten sie sich zu viele Gefechte.
    »Geträumt wie ein Schlafbiber«, schwor er tranig. »Bis mich Euer Geplärre sehr

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