Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Die Räder des Lebens

Die Räder des Lebens

Titel: Die Räder des Lebens Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Jay Lake
Vom Netzwerk:
Chinesen.«
    »Ich verstehe, warum die Chinesen nicht in der Wüste patrouillieren«, sagte sie trocken. »Und ich gehe davon aus, dass es in Europa keinen Hafen gibt, den sie anlaufen könnten.«
    »Es gibt da aber die freien Städte, Madam. Selbst die Königin kann ihre Fahne nicht einfach überall hissen.«
    »Freie Städte?« Paolina war diese Art ihres Unwissens nicht peinlich – sie war nur einfach nicht ausreichend informiert. Es lag ja nicht daran, dass es ihr an Verstand fehlte.
    Bucknell begann zu wackeln. Sie hatte bemerkt, dass er das immer dann tat, wenn das Knabbern auf seinen Lippen keine bessere Antwort zustande brachte. Sie hoffte, dass die Grenzbereiche ihres Wissens in einem normalen Gesprächsrahmen nicht so offenkundig waren.
    »Wo jeder ohne Erlaubnis an Land gehen kann, sag ich mal«, brachte er schließlich hervor. »Aber die Sachen kosten da natürlich was. Also, frei ist da nicht viel. Wein und Frauen –« Er unterbracht sich und lief so hochrot an, dass seine Gesichtsfarbe an das Georgskreuz in der britischen Flagge erinnerte. »Ich meine, natürlich muss man da bezahlen, wenn Sie verstehen, was ich meine.«
    Paolina verkniff sich ein Kichern. »Ich glaube schon. Welche gehören denn zu den freien Städten?«
    »Oh, Alexandria, Sewastopol, Beirut, Aden, Cotonou. Orte, die an der Grenze liegen, Madam. Sie würden London oder Rom oder Marseille niemals zu einer freien Stadt machen.«
    Langsam verstand sie, worauf er hinauswollte. »Und so gehen die Chinesen an den Orten vor Anker, wo die beiden Kaiserreiche angrenzen und sie miteinander handeln können.«
    Er steigerte sich langsam hinein. »Ja. An Deck höre ich immer, dass sie im Osten am häufigsten aneinandergeraten. Die amerikanischen Kolonien trennen die Chinesen von uns, aber in Afrika und Indien und diesen Bergkönigreichen, wo sie dem fetten Buddha huldigen, da hakt es dann. Also handeln wir in Alexandria, bekämpfen uns aber Goa. Ich habe mit Chinesen getrunken, von denen ich wusste, dass sie mich eine Woche später töten würden. Wie unsere Verfolger, die Kapitän Sayeed vom Himmel geholt hat?« Er starrte sie lächelnd an, während Paolinas Schuldgefühle wieder aufbrachen. »Das war bestimmt eins von ihren Drachenschiffen. Die haben wir auf dem Weg zur Mauer in Cotonou getroffen, wo wir dann Sie abgeholt haben. Das Schiff hatte so einen heidnischen Namen, den ich nicht aussprechen kann, aber er hörte sich nach Shirley Cheese an. Aber der Kapitän des Chinesen und Kapitän Sayeed haben sich ein ordentliches Abendessen in einem dieser Krauskopppaläste gegönnt, während unsere Besatzung und seine Leute am Strand diesen Palmwein getrunken haben, von dem einen die Augen wehtun, und wir haben Echsen überm Feuer geröstet, die waren so groß wie Wolfshunde.«
    Paolina wurde immer übler. Es hatte sich nicht um gesichtslose Mörder gehandelt, sondern um Männer, die Sayeed gekannt hatte. Hatte er vorgehabt, das Luftschiff zu zerstören oder hatte er sich einfach nur verstellt? Die Zweifel ließen sich nicht verdrängen.
    Es verstörte sie auch, dass Sayeed bei ihrem Abflug von a Muralha einen Kurs Richtung Norden eingeschlagen hatte, der seinen Befehlen widersprach. Sie dachte, sie hätte sich bei dem Thema Straßburg geschickt verhalten, aber in Wirklichkeit hatte sie ihn um etwas gebeten, was er schon längst beschlossen hatte.
    Männer. Waren sie alle dreckig und dumm und logen sie an, bloß weil sie ein Mädchen war?«
    »Ist alles in Ordnung mit Ihnen, Madam?« Bucknells Stimme klang besorgt.
    »Verschwinde.« Die Zunge klebte ihr am Gaumen, und sie würde den Teufel tun, hier an Deck zu weinen, vor einem Jungen und allen anderen, die zufällig vorbeikamen.
    »Jawohl, Madam.« Er nickte, verbeugte sich und ließ sie stehen, wobei er sie anzusehen und zeitgleich wegzuschauen versuchte. »Sollte ich Dr. Florin holen, Madam? Haben Sie Ihre Tage?«
    Paolina spürte, wie lodernder Zorn ihre Verwirrung beiseitewischte. »Verschwinde, du verkrüppelter Schwachkopf!«
    Das tat er dann. Sie ging wieder an die Reling, um ins Wasser zu starren. Sie schämte sich für ihren Wutanfall und für sich selbst, aber sie wusste nicht, wie sie den angerichteten Schaden wiedergutmachen konnte, ohne noch törichter zu wirken.
    Paolina sah Bucknell für den Rest des Tages nicht mehr, aber Sayeed suchte sie schließlich auf, kurz nachdem sie sich Ärger mit der Decksdivision eingehandelt hatte. Sie aß eine Schüssel Bohnen und ein verschwindend

Weitere Kostenlose Bücher