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Die Räder des Lebens

Die Räder des Lebens

Titel: Die Räder des Lebens Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Jay Lake
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Professor? Ich kann sie nicht alle vom Himmel fegen. Wenn Ihre Männer nicht bereit sind, für eine mögliche Schlacht zu exerzieren, dann hat es nicht einmal Sinn sich zu wehren, wenn der Feind vor der Tür steht.«
    »Das ist Ihre Aufgabe.«
    In diesem Augenblick waren al-Wazir alle Befehle dieser Welt egal, der Professor, sein Tunnel – alles war ihm egal. Diesen zermürbenden zufälligen Angriffen konnten sie nichts entgegensetzen. Genauso gut könnte er versuchen, sich der steigenden Flut entgegenzustemmen, und wusste zugleich doch, dass er den Männern in seinem Rücken nicht vertrauen konnte. »Dann sollten Sie sich mit Ihren Leuten vielleicht wie Schlangen am Flussufer verstecken, während ich mich auf den Weg mache, um richtige Hilfe zu holen. Wir hatten von Anfang an nicht genügend Männer, um einen Krieg zu führen, und das hier ist ein Krieg. Ophir wird uns immer wieder angreifen. Sie haben sich mit den Mördern verbunden, die mein Schiff vor zwei Jahren zum Absturz gebracht haben. Ich bin Manns genug, um mich unter freiem Himmel zu bewegen. Ihr Bergleute könnt euch ja verkriechen und rumheulen.«
    »Er wird bloß losziehen und noch mehr von denen holen«, sagte Mercks, der über Ottweills Schulter sprach. »So hat er die Beagle oder Bassett umgebracht, oder wie immer der hölzerne Vogel hieß.«
    »Englischer Bastard«, sagte al-Wazir ruhig. »Wenn ich der Meinung wäre, dass ich damit irgendetwas erreiche, dann würde ich dir deine Zähne einschlagen und sie dir durch den Arsch wieder einführen, damit dir deine Scheiße auch so richtig gut durchgekaut wieder rauskommt und du für den Rest deiner Tage dein Essen schlürfen müsstest. Aber der liebe Professor wird euch alle nötig haben, damit er euch in den Tod schicken kann, während ich Hilfe hole. Ich werde ihn nicht mehr daran hindern, sein Wohnzimmer mit englischen Leichen zu pflastern.« Er stand auf. »Herr Professor Doktor Ottweill, eigentlich gehört es sich ja zu sagen, es hat mich gefreut, Sie kennenzulernen, aber zu lügen ist eine Todsünde. Ich werde meinen Befehlen gehorchen und tun, was ich kann, um Hilfe herbeizuholen.«
    »Geh doch, du Feigling«, sagte Ottweill.
    Al-Wazir widerstand dem Bedürfnis, den Professor auf der Stelle zu erschießen. Stattdessen nahm er seine Patronen, seinen Karabiner und schritt durch das noch schwelende, zerstörte Lager. Er würde nach Boas suchen, ihn freilassen, das Tor durchschreiten und allein den Weg hinunter zur Anlegestelle am Acalayong antreten. Der Mitémélé floss dort in die Bucht von Benin. Er war schon einmal von der Bucht nach Hause aufgebrochen.
    Bei Gott, er würde es auch diesmal nach Hause schaffen.
    Der braune Fluss strömte gemächlich an ihm vorbei. Die Anlegestelle war nicht behelligt worden, was ihn ein wenig überraschte. Am anderen Ufer sah er einige einheimische Kanus, die in dem Schlamm lagen, der sich zwischen Acalayong und dem Wasser ausbreitete. Al-Wazir ging bis ans Ende des Piers und starrte auf die Krokodile hinab, die es sich zwischen den zerbrochenen Rippen der Parsifal gemütlich gemacht hatten.
    Er hätte Boas gerne wiedergefunden, doch es gab keine Spur von ihm, weder als Metallsplitter noch auf zwei Beinen. Al-Wazir hoffte sehr, dass Boas sich auf den Weg zurück zu seinem Volk gemacht hatte und dass er es in einem Stück wieder zu seiner Stadt, irgendwo oben an der Mauer, hinauf schaffte.
    Was ihn betraf, so musste er sich ein Floß bauen. Er glaubte nicht in der Lage zu sein, eins der Kanus dieser Krausköppe vernünftig zu handhaben, und es lagen keine größeren Boote vor Anker. Ein Floß bedeutete eine sehr lange, langsame Reise die Küste hinauf, bis er ein ordentliches Schiff fände, das ihn nach Hause bringen würde.
    Ist das mein Schicksal?, fragte sich al-Wazir. Schon sein Vater hatte es vor vielen Jahren geschafft, von der Mauer zurückzukehren. Und jetzt war er wieder hier, vermutlich der einzige Mann in der Geschichte Englands, der diese Strecke ein zweites Mal auf sich nahm.
    Es war gut, dass er keinen Sohn hatte. Der arme Kerl wäre wohl dazu verurteilt, diesen ellenlangen Weg dreimal hinter sich zu bringen.
    Er konnte nichts anderes tun, als ein Floß zu bauen, also machte er es. Während der Arbeit dachte er immer wieder an den Metallmann. Er war fort, wie alle anderen auch.
    Drei Tage später testete al-Wazir sein kleines Gefährt voll beladen auf dem Mitémélé, als er ein vertrautes Geräusch hörte. Luftschiff. Er sah zum Himmel hinauf,

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