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Die rote Farbe des Schnees

Die rote Farbe des Schnees

Titel: Die rote Farbe des Schnees Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Evelyn Holmy
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steuert auf sie zu
und bleibt vor ihr stehen.
    „Soll ich ihn Euch abnehmen?“
    Joan legt ihr Robert dankbar in
den Arm. Stöhnend drückt sie das Kreuz durch. Der Kleine hat in der Tat sein
Gewicht.
    Sie beobachtet, wie allmählich
Malcoms Ritter neben Amál und Kenneth Stellung beziehen. Sie schließen die Tür.
Dann kommt, was sie erwartet hatten. Ein Handgemenge entsteht vor Kenneth.
Schreie ertönen und die Männer greifen ein. Raban zieht eine keifende Magd an
nach hinten gebogenen Armen aus dem Gewühl hervor, stößt sie daraufhin unsanft
vor sich her zur Wand.
    „Ihr sollt verflucht sein,
vermaledeite Gotteslästerer“, kreischt sie, wobei sie sich umwendet und Raban
ins Gesicht spuckt. Mit einer fahrigen Bewegung des Kopfes wirft sie sich die
verwirrten, mit Strohhalmen der Bodenstreu durchsetzten Haare aus der Stirn.
Raban versucht, sie mit einem Schlag ins Gesicht zur Räson zu bringen und
drückt sie bäuchlings gegen die Wand. Ian und Leroy eilen ihm zu Hilfe. Sie
fesseln die Frau, knebeln sie gar und säbeln ihr das lange Haar mit ihren
Dolchen ab.
    Joan verfolgt das Geschehen
atemlos. Es scheint keinen Zweifel an der Schuld der Magd zu geben. Unterdessen
werden die Strohhalme weiterhin verglichen. Sie geht voller Spannung auf Amál
zu, um dann über seine Schulter hinweg neugierig seine Handgriffe zu
beobachten. Er vergleicht die Halme stets hinter vorgehaltener Hand, so dass
sie für den Besitzer nicht einsehbar sind. Plötzlich legt er einen Halm neben
den seinen, der zu ihrer grenzenlosen Verwunderung drei Finger breit KÜRZER ist
und versteckt ihn eilig in seiner Gürteltasche, während er Shepherd neben sich
anblickt und mit dem Kopf auf einen Waffenknecht direkt vor ihm weist. Der Mann
starrt auf Amál und legt die Hand auf den Schwertgriff an seiner Seite. Doch er
kommt nicht mehr dazu, die Waffe zu ziehen, da ihm bereits Shepherds Dolch an
der Kehle sitzt. Leroy kommt herbei und entwaffnet ihn unsanft. Der
Waffenknecht ist aschfahl geworden. Wortlos ergibt er sich in sein Schicksal.
    Joan erfasst mit einem Male die
ganze Tragweite ihrer Entdeckung, was sie vor Überraschung und gleichzeitiger
Fassungslosigkeit aufkeuchen lässt. Malcom tritt neben sie und legt
eindringlich einen Finger über den Mund.
    Sie bedenkt seine Gerissenheit
mit einem kopfschüttelnden Grinsen. Dann wendet sie sich eilig ab, damit man
dieses nicht bemerkt. Es gab nie längere Halme! Alle waren zu Beginn gleich
lang und die gottesfürchtigen Verräter kürzten sie heimlich eigenhändig. Joan
muss dieser Magd recht geben. Es grenzt in der Tat an Gotteslästerung. Doch in
ihrer verzweifelten Lage heiligt der Zweck allemal diese Mittel. Sie kommt
wieder neben Agnes und Robert, um in aller Ruhe den Waffenknecht und die Magd
zu betrachten, welche gefesselt und geknebelt ein erbärmliches Bild abgeben.
Doch niemand zeigt Erbarmen mit ihnen. Im Gegenteil. Malcoms Männer müssen das
wütende Gesinde von ihnen mit Gewalt fern halten. Joan entsinnt sich der vielen
toten Kinder vom ersten Überfall. In der Haut der beiden möchte jetzt wohl
niemand stecken. Doch haben sie sich selbst ins Unglück gebracht.
    Malcom lässt plötzlich seine
donnernde Stimme erklingen, so dass sich der Tumult etwas legt. Die Halme
scheinen alle verglichen. Amál zählt sie gerade zusammen mit Kenneth aus. Die
Anzahl muss mit jener der Menschen in der Halle übereinstimmen.
    „Mylord, überlasst sie uns.
Seid gewiss, dass sie es nicht überleben werden“, ruft der Schmied aufgebracht,
welcher allem Anschein nach ihre Stimme ist, und erntet beipflichtendes
Geschrei.
    Malcom hebt beschwichtigend die
Hände. „Wir müssen sie zuerst vernehmen. Wenn sie gestehen und obendrein
versichern, ihre Aussagen gegebenenfalls vor Gericht zu wiederholen, geben sie
wertvolle Zeugen gegen Percy ab. Danach wird ihnen selbst der Prozess gemacht.
Es steht euch frei, ihrer Hinrichtung beizuwohnen.“
    Widerrufe ertönen, doch Malcom
fährt unbeirrt fort. „Falls sie nicht gestehen, werde ich im Hof eigens für
diese beiden Kreaturen einen Pranger errichten lassen. Ihr könnt dann euer
Gemüt an ihnen kühlen.“ Er gibt seinen Männern einen Wink, auf den diese die
beiden Unglücklichen wegschleifen.
    Joan weiß, dass er ihnen damit
einen triftigen Grund zum gefügigen Geständnis gab. Sie werden mehr als
eingeschüchtert sein und ihm nicht viel entgegensetzen.
    „Es ist euch gestattet, euch
nach Herzenslust aus der Küche zu bedienen“, gibt Malcom seinen

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