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Die Rückkehr des Zweiflers - Covenant 08

Die Rückkehr des Zweiflers - Covenant 08

Titel: Die Rückkehr des Zweiflers - Covenant 08 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Stephen R. Donaldson
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sie ins Leben zurückholte, bald nicht mehr zählen. Als Rauch und Anstrengung ihren Blick trübten, führte die Frau, Palla, sie an der Hand, während der Mann, Jevin, den Ort nannte, an dem ihr nächster Patient lag. Jedes Mal, wenn Vertorn ihr einen Deckelkrug in die Hand drückte, nahm sie ein paar Schlucke, ohne sich darum zu kümmern, was er enthielt. Der Rest war eine albtraumhafte Abfolge von zerfetztem Fleisch, zersplitterten Knochen, schlimmen Infektionen und endlosen Schmerzen.
    Verwundungen und Schmerzen reduzierten Menschen zu nichts mehr als der Summe ihrer Leiden. Und wie sie schien Linden kleiner zu werden. Lange nachdem sie die erkennbaren Grenzen ihres Durchhaltevermögens überschritten hatte und nur noch aus Bewusstseinsfragmenten bestand, die von Gesundheitssinn und Erdkraft zusammengehalten wurden – blind von Tränen, unempfindlich gegen Jammern und Klagen, fast wie in Trance –, ging sie weiter von einem Verwundeten zum anderen, ohne sich um die Kosten zu kümmern. Dass sie nicht alle, lediglich ein Zelt von dreien retten konnte, bedeutete ihr nichts. Nur die Wunde unmittelbar vor ihr war wichtig: die todbringende Infektion, die Symptome von Brustfell- oder Lungenentzündung, Krätze oder Entkräftung, der stumme oder wimmernde Protest gequälten Fleischs. Undeutlich spürte sie in Pallas Berührung und hörte aus Jevins Stimme, dass die beiden ähnlich krank waren, wie Vertorn es gewesen war. Aber sie konnte nichts für sie erübrigen. Und sie versäumte auch, etwas von der Kraft des Stabs für ihre eigenen Bedürfnisse abzuzweigen. Sie empfand sich selbst nicht mehr als real, bestand nur noch aus Wahrnehmung und Flammen. Eine Heilerin, die vor Erschöpfung zusammenklappte, konnte niemanden mehr behandeln. Aber sie vertraute darauf, dass der stetige Strom von Erdkraft sie vor dem Zusammenbrechen bewahren würde.
    Dann jedoch richtete sie sich von einem Mann auf, der eine tiefe Bauchwunde hatte ... und Jevin rief sie zu keinem neuen Patienten. Auch Palla zog sie nicht durch die Reihen weiter. Stattdessen wurde sie von einer Stimme angesprochen, die Vertorn zu gehören schien.
    »Meine Lady?«, fragte er zaghaft. »Meine Lady Linden. Du musst aufhören, damit du wieder zu Kräften kommst. Lord Berek ist eingetroffen. Er verlangt dich zu sprechen.«
    Als Linden nicht reagierte, griff der Feldscher in die Flammen und schlug ihr leicht ins Gesicht. »Meine Lady, hör mir zu. Es ist Lord Berek, der dich zu sprechen verlangt.«
    Linden holte erschaudernd tief Luft. Unsicher brachte sie die Kraft des Stabs zum Erlöschen, ließ ihn aus den Händen fallen. Im nächsten Augenblick fand sie sich zwischen Palla und Jevin hängend wieder, die Mühe hatten, sie auf den Beinen zu halten. Als sie den Rauch, das Blut, die noch unbehandelten Wunden wegblinzelte, sah sie, dass Vertorn ihr einen Deckelkrug an den Mund hielt.
    »Trink«, befahl er ihr aus Beklommenheit herrisch. »Der Wein ist sauer, aber ich habe ihn mit Nährkräutern versetzt. Du musst wieder auf die Beine kommen. Unbedingt!«
    Linden nahm benommen ein paar Schlucke aus dem Krug. Der Wein war wirklich sauer und kratzte im Hals, aber er verlieh ihren überlasteten Nerven und Muskeln wieder ein wenig Energie.
    Lord Berek ...
    Vertorn wollte ihr irgendetwas mitteilen.
    Lord Berek ist gekommen.
    Sie versuchte zu sagen: Er soll warten. Dies ist wichtiger. Aber dazu hatte sie nicht mehr die Kraft. Vertorns Mitteilung zwang sie zu erkennen, dass sie ihn nicht zurückweisen konnte. Sie hatte die Leiden in diesem Zelt, die akuten Fälle von Infektion und Fieber nur verringert, den Würgegriff des Todes nur gelockert. Sie würde ihre Arbeit nicht allein zu Ende bringen können.
    Sie brauchte Hilfe ...
    Der Gedanke, dass Berek sie zu sprechen verlangte, erschien ihr unwichtig, keiner Beachtung wert. Aber sie musste mit ihm sprechen.
    Jetzt umklammerte sie den Stab gierig, flehte ihn fast um seine segensreiche Wirkung an. Ohne seine Stärkung würde sie kaum ohne Hilfe gehen können. Die Leiden der Verwundeten erforderten mehr von ihr.
    Sobald Linden ihren erschöpften Nerven, ihrem ermatteten Herzen ein wenig Erdkraft zugeführt hatte, murmelte sie heiser: »Du wirst mich führen müssen. Ich kann nicht sehr gut sehen.« In der Luft hing zu viel Rauch. Und die Heilung von Hieb- und Stichwunden und Infektionen stand ihr lebhafter vor Augen als Reihen von schmutzigen Strohsäcken oder unbedeutende Zeltpfosten.
    Palla und Jevin stützten sie weiter.

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