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Die Silberne Festung

Die Silberne Festung

Titel: Die Silberne Festung Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Dale Brown
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Kontrollzentrum durchgeführt werden. Das Cockpit war so geräumig, daß der Kosmonaut seinen Sitz nach hinten drehen konnte, um das zweite Instrumentenpult zu bedienen, und die Luftschleuse im Rumpfunterteil erlaubte ein leichtes Andocken an die sowjetische Raumstation Mir. Das war sehr wichtig, denn in seiner Rolle als Jäger würde Elektron I vor dem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre bestimmt nachtanken müssen.
    »Ganz ausgezeichnet…«, murmelte Goworow vor sich hin. Er begutachtete das Waffenkontrollpult und die vielen Schalter an dem multifunktionalen Steuerknüppel, um sich davon zu überzeugen, daß sie richtig angeordnet waren. In der Schwerelosigkeit, wo es kein oben und unten gab, konnte der Pilot sich nicht auf Muskelreaktionen verlassen, die ihm sonst sofort zeigten, welcher Schalter betätigt werden mußte. Deswegen mußten alle Schalter im Cockpit eines Raumflugzeugs einer funktionalen Hierarchie entsprechend angeordnet sein.
    Gulajew, der ihn dabei beobachtete, gestand sich ein, daß er keine Lust gehabt hätte, mit seinem Vorgesetzten zu tauschen und Pilot von Elektron I zu sein. Das dunkle Innere des Raumflugzeugs wirkte irgendwie bedrohlich. Das war Gulajew noch nie aufgefallen, aber jetzt… Er gab sich einen Ruck und sah auf seine Uhr. »Entschuldigung, Genosse General, aber wir müssen ins Kontrollzentrum zurück.«
    Goworow nickte, ohne den Steuerknüppel jedoch gleich loszulassen. Sekunden später packte er die Haltestange über dem Einstieg und zog sich daran aus dem Cockpit.
    »Ja«, sagte er gedankenverloren, »ja…« Dabei fuhr er mit einer Hand über den Rumpf dieses fliegenden Wunderwerks – oder wäre streicheln der bessere Ausdruck gewesen?
Armstrong-Raumstation
    »Achtung, an alle! Überwachungsgebiet erscheint am Radarhorizont.
    Alarmstufe Rot.«
    Als diese Durchsage aus den Deckenlautsprechern kam, befand Ann sich auf ihrem Posten im Computermodul. Bis vor wenigen Minuten hatte sie überlegt, ob sie Silver Tower verlassen sollte. Das war eine der schwersten Entscheidungen ihres Lebens gewesen, und die Tatsache, daß Skybolt dicht vor der Einsatzreife stand, hatte alles noch schwieriger gemacht. Ein einziger weiterer Test hätte darüber Klarheit gebracht – aber dazu würde es wohl nicht kommen, solange sich die Ereignisse auf der Erde überstürzten. Selbst sie mußte einsehen, daß es Prioritäten gab. Außerdem zeigte das von Jason – Saint-Michael! – vorgebrachte Argument, daß nicht zwei Mitglieder ihrer Familie in diese Sache verwickelt sein sollten, allmählich Wirkung. Ann fand es bedrückend, nicht zu wissen, wie es ihrem Vater ging; sie wußte nicht einmal, ob er…
    Ihr Entschluß stand fest: Sie würde die Raumstation verlassen. Vielleicht konnte sie Skybolt schon bald wieder testen, aber bis dahin war sie hier oben eigentlich überflüssig. Andererseits würde ihr der sture General fehlen. Das stimmte, so merkwürdig es war, sich das einzugestehen… Seit ihrem ersten Tag an Bord waren sie sich eigentlich immer nur in die Haare geraten – aber Ann glaubte jetzt zu wissen, woran das gelegen hatte. Sie waren einander ähnlich: sie und Saint-Michael. Beide von einer Idee besessen; beide selbstbewußt, besitzergreifend und zugleich unsicher, wenn es um emotionale Kontakte ging.
    Hatte er die ganze Zeit versucht, Kontakt mit ihr aufzunehmen – und war sie zu dumm oder zu stur gewesen, um diese Tatsache zu erkennen? Hätte ihr unterbrochenes Gespräch vor dem Angriff auf die Trägergruppe Nimitz noch interessant werden können? Als Ann jetzt darüber nachdachte, drängte sich ihr dieser Schluß auf, und sie hätte sich am liebsten selbst geohrfeigt. Großartig, Page! Du hast’s wieder mal geschafft! Dabei ist er ein Mann, den es festzuhalten lohnt – ein richtiger Mann wie jemand an Bord der California, der ihrem Herzen nahestand…
    Im Kommandomodul wandte Oberst Marks, der Chefingenieur, sich an Saint-Michael. »Greifen wir den russischen Träger an, General?«
    Saint-Michael schüttelte den Kopf. »Ich habe den Auftrag, den Iran vor einer sowjetischen Invasion zu schützen, nicht aber die Breschnew zu versenken. Das Ganze scheint ein harter, aber fairer Tausch zu sein – die California gegen diesen sowjetischen Verband, den wir auf dem Flug nach Teheran vom Himmel geholt haben. Wenn die Russen sich damit zufriedengeben, besteht noch Hoffnung, daß…«
    »Von der Breschnew starten Flugzeuge«, meldete Chief Master Sergeant Jefferson. »Sie fliegen mit hoher

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