Die Silberne Festung
Besatzung an, ihre Masken ebenfalls anzulegen. »Die Freiwache ins Rettungsboot!« befahl er. Das Rettungsboot war eine nicht steuerbare Kapsel mit allen Lebenserhaltungssystemen.
Während Walker sich daran machte, alle Masken auf richtigen Sitz und korrekte Sauerstoffzufuhr zu überprüfen, stöpselte Saint-Michael den Mikrofonstecker in die Buchse seiner Sauerstoffmaske. »Die Besatzungen der einzelnen Module melden sich bei mir!«
»Sergeant Bayles im Rettungsboot, Skipper. Ich habe Moyer, Yemana, Kelly und die Wartungstechniker bei mir. Alle wohlauf. Die Schlaf- und Freizeitmodule sind evakuiert, überprüft und abgesperrt. Ich trage meinen Raumanzug und bin zur Hilfeleistung bereit.«
Kevin Baker, der im Kommandomodul Feuerwache hatte, kämpfte noch mit der Sauerstoffmaske, aber dann meldete er: »Hier Kevin, Sir. Mir fehlt nichts. Ich kann Ann durch den Verbindungstunnel sehen. Auch ihr scheint nichts zu fehlen. Aber der Hauptverbindungstunnel ist drucklos – die Enterprise muß eine Nottrennung durchgeführt haben. Wiederhole: Der Haupttunnel zur Raumfähre ist nicht benutzbar.«
»Hier Page. Im Computerzentrum alles in Ordnung. Ich trage meine Maske.«
Saint-Michael sah zu Walker hinüber, der vor einem Besatzungsmitglied im Raumanzug stand. »Probleme, Jim?«
»Sergeant Wallis’ Helmsprechanlage scheint nicht zu funktionieren.«
Der General warf Walker sein Notizbuch zu, das wegen der noch immer herrschenden geringen Schwerkraft tatsächlich einen kleinen Bogen beschrieb, anstatt wie sonst geradeaus zu fliegen. »Schreiben Sie ihm auf, was er zu tun hat. Er soll die Rettungskugeln auspacken, Davis und Montgomery ins Rettungsboot bringen und dort Bayles ablösen. Im Rettungsboot kann er seine Sprechanlage reparieren… Sergeant Bayles ins Kommandomodul!«
Wallis bestätigte Walkers hastig gekritzelte Anweisungen, indem er den rechten Daumen hochreckte, und machte sich daran, die Rettungskugeln auszupacken: luftdichte Kunststoffhüllen, in der eine Person Platz hatte.
Im Katastrophenfall konnte ein Besatzungsmitglied den Reißverschluß der Rettungskugel von innen schließen und sie mit einer Sauerstoffflasche unter Druck setzen. Ein weiteres Besatzungsmitglied, das einen Raumanzug trug, konnte die Rettungskugel dann ins Rettungsboot, in ein sicheres Modul oder zu einer Raumfähre schaffen. Bis Bayles im Kommandomodul eintraf, hatte Wallis neben jedem der Männer mit Klettband eine offene Rettungskugel befestigt. Dann half er, die beiden Verletzten zur Luke des Verbindungstunnels zu schaffen.
»Zustand aller Sektionen überprüfen und melden«, verlangte Saint-Michael über Lautsprecher. »Die Atemluft ist überall bis auf den Hauptverbindungstunnel und das Andockmodul in Ordnung. Keine Verunreinigung, nur dieser Hitzestau…«
»General, ich sehe das Problem, glaube ich«, berichtete Wallis. Er hielt eines der in der Raumstation verteilten Mikrofone vor sein Helmvisier und brüllte, so laut er konnte, aber seine Stimme klang so dumpf, als stecke sein Kopf in einem Eimer. »Ich bin im Verbindungsgang zwischen den Schlaf- und Freizeitmodulen. Von hier aus kann ich den Kiel sehen. Die Kühlrippen sind beschädigt, als ob ein riesiger Rasenmäher darübergefahren wäre. Sie sind…« Dann folgte ein erstickter Aufschrei.
»Wallis? Mein Gott, was…?«
In diesem Augenblick flackerten die Lichter im Kommandomodul erneut, wurden dunkel und brannten dann wieder normal. Auf den Computerbildschirmen erschienen Warnungen und Error-Anzeigen. Die Luft wurde drückend heiß, fast nicht mehr atembar.
»Skipper…«
»Wallis? Alles in Ordnung bei Ihnen?«
»Ich… mir ist nicht viel passiert. Uns hat ein Laserstrahl erwischt, Sir.
Ich hab’ das verdammte Ding gesehen ! Es hat den Kiel bestrichen und nacheinander die Module abgetastet. Irgendwas am Kiel sprüht Funken…
wahrscheinlich eine der SBR-Antennen.«
»Schaffen Sie’s bis zum Rettungsboot?«
»Hoffentlich… Sir, die SBR-Antenne eins hat’s bestimmt erwischt. Die Antenne ist beschädigt, und aus dem Steuergerät fliegen Funken…«
»Okay, gut gemacht, Wallis! Sehen Sie zu, daß Sie ins Rettungsboot kommen und sich untersuchen lassen. Baker und Page ins Rettungsboot.
Ann, Sie müssen den Verbindungstunnel zwischen Skybolt und dem Lagermodul benützen. Und vergeßt nicht, den Luftdruck zu kontrollieren, bevor ihr die Luken öffnet! Los, los, Beeilung!«
Saint-Michael drehte sich zu Walker um, der mit Jefferson die am Kiel montierten
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