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Die Tänzer von Arun

Titel: Die Tänzer von Arun Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Elizabeth A. Lynn
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fand er einen Wasserschlauch. Das Mondlicht durch das Fenster beschien eine Reihe von Tellern und Schüsseln. Er nahm sich eine davon. Mit dem Wasserschlauch unterm Arm kehrte er zu den Chearis zurück. Er hielt Elli den Schlauch hin. Als sie ihn zurückreichte, war er bei weitem weniger prall. Er goß etwas Wasser in die Schüssel und tauchte seine Ferse hinein. Durch die Vorhänge am Fenster wehte der Gartenduft ins Zimmer. Kerris' Kopf fühlte sich dumpf und benommen an. Vielleicht war Kel bei Sefer, dachte er. Neid schoß in ihm auf. Er befahl sich, kein Idiot zu sein ... Jensie weinte jetzt, und Ilene wiegte sie immer weiter. Es krallte sich in ihn, daß das Mädchen so unglücklich war.
    Elli flüsterte an seinem Ohr: »Kerris, wo ist Kel?«
    »Ich weiß es nicht.«
    Sie seufzte und gab Calwin ein Zeichen. Der wühlte in seinem Pack und holte die weißen Würfel hervor. Dann hockten beide auf der Matte. »Wir spielen nach den Regeln von Mahita«, sagte Elli. »Eine tote Hand würfelt noch mal.« Cal nickte und schnippte die Würfel über die Matte.
    »Vier und drei. Dein Wurf.«
    Elli würfelte. »Drei und drei.«
    Über Jensies Kopf hing Ilenes sorgenvolles Gesicht. »Arillard! Vielleicht solltest du ihn suchen gehen.«
    »Du hast doch gehört, was Sefer gesagt hat. Er wird nicht gehen«, antwortete Arillard.
    »Es ist mir zuwider, wenn er so ganz allein verschwindet.«
    »Er muß das.«
    »Ich weiß.«
    »Und er kommt immer zurück.«
    »Ich denke jedesmal, eines Tages kommt er nicht mehr zurück.«
    Häßliche gewalttätige Bilder taumelten durch Kerris' Gehirn. Er sah: Das Lager der Asech in Flammen, er sah: Thera umringt von Bogenschützen, von Pfeilen durchbohrt, schreiend ... Er schauderte zusammen. Das waren nicht seine Gedanken. Er übernahm sie aus den Gehirnen anderer.
    »Sechs und eins«, sagte Elli.
    Die Vordertür ging auf und wieder zu. Alle, außer Jensie, blickten auf. Eine Frau kam herein. Sie stemmte die Hände in die Hüften und musterte sie. Sie hatte ein flaches Gesicht wie aus Kupfer. »Ilene«, sagte sie, »wo ist Sef?«
    Ilene zuckte die Achseln.
    »Irgendwo draußen auf der Straße«, beantwortete die Frau sich ihre Frage selbst. »Und Kel?«
    »Der läuft sich die Wut aus dem Leib«, sagte Ilene.
    »Aha. Wenn Sef heimkommt, sagt ihm, daß ich hier bin.« Sie ging durch den Raum auf die Treppe zu, den Kopf gesenkt, die Füße müde schleifend. Sie stieg hinauf. Dann hörte Kerris, wie sie sich oben bewegte.
    Die Bilder kehrten zurück. Er wußte nicht, was tun, um sie zum Verschwinden zu bringen. Sie drangen von seinen Gefährten in ihn ein, von Elli und Arillard und Jensie, am meisten von Jensie ... »Wer war das?« fragte er in dem Bemühen, sich abzulenken.
    Ilene antwortete: »Terézia. Sie ist Sefers Hauspartnerin. Sie gehört zu Cleos Trupp. Wahrscheinlich hat Cleo sie heimgeschickt.«
    Kerris überlegte sich, ob wohl alle Menschen, die die Innere Sprache besaßen, ihre Tage damit verbrachten, sich mit den Gedanken anderer herumzuschlagen, mit den Ängsten und Träumen aus fremden Köpfen zu ringen. Er hing so schlaff vom Pferd, wie ein Toter, vielleicht war er tot, vielleicht haben sie uns belogen, diese Mörder. Ach, sein leuchtendes rotes Haar, und seine Augen waren geschlossen ... Kerris schob diese brutale Klage heftig von sich.
    Er stand auf. »Ich gehe ein bißchen in den Garten.«
    Ilene sagte: »Wir sollten lieber beisammen bleiben.«
    »Ich geh nicht weit.« Er humpelte über die Matten. Das Geflecht tat ihm an der Ferse weh. Das Gras draußen war kühl, feucht und linderte den Schmerz. Mit der Brise kam ein Hauch von Rauch. Er setzte sich auf die Bank. Noch immer konnte er die Gedanken der Leute im Haus fühlen. Ilene machte sich Sorgen um Jensie und um Kel. Jensie folterte sich mit Bildern von Riniard.
    Die kühle Brise brachte Knötchen von Gänsehaut auf seinen Arm. Er erwog, ob er nicht hineingehen und seine Tunika holen solle. Die Gedanken der anderen trieben zu ihm her. Elli war mit dem Würfeln beschäftigt – aber nur ein Teil ihres Denkens war beim Spiel, ein anderer befaßte sich mit Riniard.
    Irgendwo raschelte Laub. Jemand bewegte sich durch den Mondschein. Kerris sprang auf die Beine. Sein Herz jagte.
    »Kerris?« Es war Kel. Mit vier langen Sätzen kam er durch den Garten. »Was machst du hier draußen?«
    »Ich bin unruhig geworden.«
    »Ach so.« Kel wandte sich den Lichtvierecken der Fenster des Hauses zu. »Sefer ist nicht drin?« fragte

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