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Die Wurzeln des Himmels: Metro 2033-Universum-Roman (German Edition)

Die Wurzeln des Himmels: Metro 2033-Universum-Roman (German Edition)

Titel: Die Wurzeln des Himmels: Metro 2033-Universum-Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tullio Avoledo
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mich.
    Ein wahnsinniger Mörder.
    Das sind die magischen Worte, die ich nicht vergessen darf.
    Ich nehme mir vor, mich in der Nähe dieses Mannes nie zu entspannen und nie in meiner Wachsamkeit nachzulassen.
    Ich beschließe, nicht nachzugeben.
    »Trotzdem, ich bin todmüde. Wie wäre es mit einem Nachmittagsschläfchen?«
    »Wenn Sie unbedingt wollen …«
    »Wo kann ich schlafen?«
    »Überall.«
    Ich mustere ihn verwirrt. »Haben Sie kein Feldbett oder einen Schlafsack?«
    »Diese Diener Gottes stählen sich an Widrigkeiten. Wir glauben nicht an das Bequeme. Suchen Sie sich irgendeine Stelle zum Schlafen aus. An Platz mangelt es gewiss nicht.«
    »Kann ich wenigstens eine Decke haben?«
    »Wir haben keine Decken. Diese Diener Gottes …«
    »… glauben nicht an die Kälte«, sagt Bune voller Ironie.
    Ich hebe die Hand. »Verstanden.«
    Fasten, Buße und all die anderen Reue-Rituale der Kirche … Davon habe ich nie viel gehalten, denn sie sind vor allem genau das: Rituale. Wahre Buße wird im Herzen geboren und bleibt dort. Mit anderen Worten, es ist eine Frage des Gewissens, nicht des äußeren Erscheinungsbilds. Vielleicht haben meine protestantischen Vorfahren mir ein wenig Zweifel an einer Institution wie der Beichte gegeben, wenn sie nicht von aufrichtigen Gefühlen begleitet wird, und von einer Reue, die nicht nur in Worten zum Ausdruck kommt, sondern auch in Taten.
    Bevor ich die Fahrerkabine verlasse, sehe ich mir das seltsame Geschöpf an, das Gottschall Caliban nennt. Seit der kleine Mann wieder am Steuer Platz genommen hat, hat er den Fahrersitz nicht einmal verlassen. Man könnte meinen, er sei tatsächlich ein Teil der Maschine. Früher, vor dem Tag des Leids, war es normal, nicht auf andere zu achten. Man konnte in einer aus Tausenden bestehenden Menschenmenge unterwegs sein und sich doch allein fühlen. Es war die Regel, anderen Leuten keine Beachtung zu schenken. Das hat sich geändert. Heute müssen wir auf den Nächsten achten. Weil nur noch wenige Menschen übrig sind und weil jeder von ihnen eine Gefahr sein kann. Ich frage mich, wie viele überlebende Menschen es auf der Erde gibt und wie viele von den seltsamen Geschöpfen, den Neuen Menschen, die uns oft so monströs erscheinen. Ist es wirklich nur das Inferno aus atomaren, chemischen und bakteriologischen Waffen gewesen, dem sie ihre Entstehung verdanken? Oder sind sie, wie wir selbst, aus der Schöpfung hervorgegangen, als eine Antwort Gottes, oder der Natur, auf eine tödliche Herausforderung?
    Ich taste mich durch einen düsteren Korridor und erreiche schließlich den schwarzen offenen Bereich, den Gottschall Kathedrale genannt hat. Hier gibt es ein wenig Licht, das durch einige Ritzen in der Decke kommt. Das Licht ist schwach, genügt mir aber, das Gesicht des Christus am Kreuz zu erkennen.
    Vor dem Bildnis des Mannes, der vor zweitausend Jahren gefoltert und umgebracht wurde, knie ich nieder und bete für die Milliarden, die innerhalb weniger Minuten gestorben sind, und die anderen, die aufgrund jener Momente des Wahnsinns noch sterben werden. Niemand von uns weiß, wie der Krieg ausgebrochen ist. Vielleicht war es gar kein Krieg in dem Sinne. Vielleicht steckt ein menschlicher Fehler dahinter, oder der Fehler einer Maschine.
    Niemand wird die Geschichte des Letzten Krieges schreiben. Selbst dann nicht, wenn die Menschheit wieder aufersteht, wenn sie sich erhebt wie der Phönix aus der Asche.
    Nach dem Gebet strecke ich mich unter dem Kreuz auf dem Boden aus und benutze den Arm als eine Art Kopfkissen. Da ich keine Decke habe, rolle ich mich zusammen, um meine Körperwärme zu bewahren. Gedanken, Zweifel, schreckliche Erinnerungen; das alles versucht, mich am Einschlafen zu hindern. Aber schließlich setzt sich die Müdigkeit durch, und ich sinke in einen kurzen, unruhigen Schlaf.

25
    DIE ERDE DES MORGEN
    Ein Geräusch links von mir weckt mich.
    Es ist kein lautes, drohendes Geräusch, doch es genügt, um mich aus dem Schlaf zu reißen.
    Bevor ich aufgewacht bin, habe ich geträumt.
    Ich wäre gern in den anderen Traum zurückgekehrt, in den von der Erde des Morgen: zum blauen See, über den warmer Wind streicht und die Segel der Boote bläht.
    Stattdessen habe ich davon geträumt, im Haus meiner Eltern zu sein, in Medford.
    Es war Morgen, und warmer Sonnenschein kam durchs offene Fenster, zusammen mit dem Brummen eines Rasenmähers einige Häuser entfernt. Im Erdgeschoss lief der Fernseher.
    Ich streckte mich in dem blauen

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