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Die Zeit der Feuerblüten: Roman (German Edition)

Die Zeit der Feuerblüten: Roman (German Edition)

Titel: Die Zeit der Feuerblüten: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Sarah Lark
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gebetet. Elsbeth schien das Gebet allerdings auf die Nerven zu gehen, und auch Ida schien nicht mit dem Herzen dabei zu sein. Wahrscheinlich dachte sie an den Rest ihres Hausrats, der nach wie vor auf den Handkarren im Regen stand.
    Erst nach dem Gebet zeigte Ida ihren Freundinnen das Haus – wobei die Führung vor allem für Cat stattfand, die anderen Frauen würden bald Häuser von mehr oder weniger gleichem Grundriss bewohnen. Die Männer hatten sich bei der Gestaltung der Häuser an den Bauernhöfen ihrer Heimat orientiert. Es gab einen Eingangsbereich und eine große Diele, von der kleinere Räume abgingen. Die Frauen bewunderten bereitwillig das breite, trutzige Bett, das Ottfried gezimmert hatte, und auch die anderen wuchtigen, stabilen Möbel. Alle halfen eifrig, Idas weniges Geschirr und ihre Töpfe und Pfannen in den Küchenschränken unterzubringen. Cat stapelte die Vorräte an Trockenfleisch und Hülsenfrüchten in der Speisekammer, aufmerksam beobachtet von Chasseur, dem Hund, der sich gleich nach Idas Ankunft im Dorf wieder zu ihr gesellt hatte. Er hoffte wohl auf einen Schlafplatz am Kamin, aber Ida wies Cat an, ihm ein Strohlager im Stall zu machen.
    »Wenn du da auch schläfst, ist er ja wenigstens nicht allein«, erklärte sie und streichelte den langhaarigen, freundlichen Vierbeiner.
    Cat hatte vorher schon angedeutet, dass sie keinen Wert auf eine Schlafmöglichkeit im Haus legte. Ein Verschlag im Stall reichte ihr völlig aus und bot zudem mehr Sicherheit vor etwaigen nächtlichen Zudringlichkeiten vonseiten des Hausherrn.
    »Ottfried mag keinen Hund im Haus haben, bislang hab ich darauf bestanden, wegen der Ratten. Hier wird es hoffentlich keine geben.«
    Das zumindest ist der Vorteil häufiger Überschwemmungen, Ratten riskieren nicht, in dieser Ebene in Scharen zu ertrinken, dachte Cat, verzichtete aber darauf, es auszusprechen. Womöglich würde das ein weiteres Bittgebet nach sich ziehen.
    Schließlich verabschiedeten sich Idas Nachbarinnen. Es wurde Zeit, dass sie sich um ihre Männer und Kinder kümmerten. Die letzten Vorbereitungen für den Einzug am kommenden Tag konnten Cat und Ida allein bewerkstelligen.
    »Vor allem sollten wir schon mal die Kuh und die Pferde holen«, äußerte Ida in Anbetracht des Wetters.
    Es regnete weiter, und sie warf bereits ängstliche Blicke auf den Moutere. Der blieb brav in seinem Bett, Ida hatte jedoch längst festgestellt, dass die Überschwemmungen sich nicht voraussagen ließen. Sie hingen nicht davon ab, wie stark es im Schachtstal regnete, sondern von massiven Niederschlägen oder Schneeschmelzen in den Bergen.
    »Ja, die Tiere wären bestimmt auch gern im Trockenen«, sagte Cat.
    Sie half Ida, eine sehr störrische und ängstlich blökende Kuh von der Missionsstation aus ins Tal zu treiben. Die Dörfler, die sich um die anderen beiden Rindviecher kümmern sollten, hatten ihre Tiere schon abgeholt. Idas Kuh ließ sich zuerst willig hinterherziehen, mochte dann aber nicht weiter zum Fluss gehen. Die beiden Frauen hatten Mühe, ihr Beine zu machen.
    »Sie spürt doch nicht womöglich was?«, fragte Ida ängstlich mit Blick auf das Wasser.
    Cat zuckte die Schultern. »Keine Ahnung. Das ist die erste Kuh, mit der ich zu tun habe. Ich kann allerdings gern schon mit ihr und den Pferden im Stall bleiben.« An sich war ihr für die Nacht vor Idas Umzug ein Schlafplatz bei den Töchtern der Brandmanns angeboten worden, aber Brandmanns Hütte war auch schon ohne diese Einquartierung überfüllt. »Falls dann was passiert, lasse ich sie raus.«
    »Du hältst es also auch für möglich«, meinte Ida nervös, als die beiden gleich darauf auch die Pferde in den Stall holten. Die zwei Braunen folgten ihnen gern, sie waren erkennbar froh, aus dem Regen herauszukommen. »Also das mit dem Fluss … Du glaubst auch, es könnte weitere Überschwemmungen geben?«
    Cat verdrehte die Augen. »Ida, hier gibt es seit Menschengedenken Überschwemmungen. Wieso sollte sich das plötzlich ändern?«
    »Mein … mein Vater sagt es. Und Ottfried sagt es … aber ich … ich denke, wir hätten weiter oben siedeln sollen, auf den Hügeln. Bis dahin kommt das Wasser sicher nicht.«
    »Auch darauf würde ich mich nicht verlassen«, sagte Cat ehrlich. »Te Ronga meinte, dieses Tal gehöre den Flussgöttern. Sie könnten jederzeit Besitz davon nehmen. Wie hoch das Wasser dann steigt, weiß kein Mensch – zumindest kein pakeha .«
    »Das ist Aberglaube!«, fuhr ihr Ida ins Wort.

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