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Die Zeit der Feuerblüten: Roman (German Edition)

Die Zeit der Feuerblüten: Roman (German Edition)

Titel: Die Zeit der Feuerblüten: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Sarah Lark
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der Geister.
    Jetzt ballte sie die Fäuste. So wie Ida es darstellte, klang es ja, als hätte sie Te Rongas Glauben nicht respektiert! Eigentlich konnte sie das so nicht stehen lassen. Aber ein Blick in die Gesichter der Pastoren und Dorfältesten bewies, dass Ida genau das Richtige sagte. Pastor Wohlers und Pastor Riemenschneider strahlten. Idas Vater und Herr Brandmann verzogen zwar leicht den Mund, konnten jedoch nicht umhin, anerkennend zu nicken.
    »Natürlich wird Cat … äh … Katharina … noch Anleitung brauchen«, meinte Ida. »Es … es wäre bestimmt gut, wenn sie in einer Familie unterkäme, in der sie die entsprechende Unterweisung erhielte.«
    Ida sah zu ihrem Vater auf. Der Vorschlag, den sie eben machen wollte, fiel ihr nicht leicht, hatte sie sich doch schon darauf gefreut, Cat in ihrem eigenen Haus zu haben und mit ihr zusammenzuarbeiten. Aber seit sie Elsbeth vorhin wiedergesehen hatte, stand ihr Entschluss fest: Ihre Schwester brauchte die Hilfe dringender als sie. Elsbeth wirkte verhärmt und unglücklich, sie fürchtete sich zu Tode um Franz, der immer schwächer und bleicher wurde, und sie wurde den Anforderungen nicht gerecht, die ihr Vater an die Führung seines Haushalts stellte. Cat, die Ida recht tatkräftig schien und die sich obendrein auf heimische Heilpflanzen verstand, würde sich schnell nützlich machen. Und bei Langes war ihre Tugend auch nicht gefährdet. Ottfried dagegen …
    Ida hätte es sich selbst nie eingestanden, aber die bemühten Scherzworte, die er Cat auf der Reise zugeworfen, die Blicke, mit denen er sie verschlungen hatte … Das alles gefiel weder ihr noch ihrer Freundin. Cat schien peinlich berührt und zog sich jetzt schon von Ottfried zurück. Sicher war es besser, wenn sie nicht mit den jungen Brandmanns in ihr neues Haus zog.
    »Genauso ist es!« Sowohl Ida als auch Cat fuhren zusammen, als Ottfried Brandmann seiner Frau plötzlich ins Wort fiel. »Die junge Frau muss mit Gottes Hilfe auf den Pfad der Tugend zurückgeführt werden, auf dem sie sicher einmal wandelte, bis die Wilden sie verführten. Dies ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, die so manches Opfer erfordert. Aber meine Gattin und ich haben uns die Entscheidung, Katharina mitzunehmen, nicht leicht gemacht. Und wir werden uns gern weiterhin um ihr Seelenheil bemühen. Mit harter Arbeit auf unserem Hof, mit Unterweisung im Gebet durch meine tugendhafte Frau und natürlich unter meiner strengen Aufsicht, wird sie auf den rechten Weg zurückfinden. Ich kann euch allen versichern, dass ich ein Auge auf sie halten werde. Ida und ich werden morgen in unser neues Haus ziehen. Im anschließenden Kuhstall lässt sich ein Verschlag für eine Magd anlegen. Mit der Erlaubnis der Ältesten würden wir Katharina dort unterbringen.«
    »Aber …« Ida wollte etwas einwenden, und Elsbeth blickte verständnislos. Sie hatte sich schon auf die Hilfe gefreut. »Ich dachte …«
    »Ein selbstloses Angebot«, lobte Pastor Wohlers. »Im Sinne wahren Christentums. Ich möchte doch an die Ältesten appellieren, es anzunehmen! Wo soll die junge Frau denn hin, wenn wir sie jetzt verbannen? Man mag sich gar nicht vorstellen, welchen Gefahren sie in der Wildnis ausgesetzt wäre.«
    Cat selbst hätte sich sehr gut vorstellen können, sich fluchtartig zu entfernen – von der »Wildnis« gingen auch keinerlei Gefahren für sie aus. Allerdings hatte sie vom Moutere Valley aus das gesamte Gebiet der Ngati Toa zu durchqueren, bis sie auf den ersten Stamm der Ngai Tahu stoßen würde. Da musste sie schon vorsichtig sein. Ein paar Tage sollte sie besser kein Feuer anzünden und vielleicht besser nachts wandern. Unangenehm, sicher auch nicht gänzlich risikofrei, aber nicht die schlechteste Alternative zu einem Leben unter Ottfrieds »Aufsicht«. Idas Ehemann war ihr durch seine salbungsvolle Ansprache nicht sympathischer geworden.
    Dann blickte sie jedoch kurz zu Ida hinüber und verwarf ihre Fluchtpläne. Die junge Frau schaute derart besorgt, ja fast ängstlich drein, als sich ihr Vater, Brandmann und die anderen Kirchenoberen jetzt zur Beratung zurückzogen. Sie schien den dringenden Wunsch zu haben, Cat bei sich zu behalten, obwohl sie bei Ottfrieds letzter Wortmeldung zusammengezuckt war. Ida war sicher naiv, aber so ganz konnten ihr Ottfrieds schmierige Annäherungsversuche während der Reise doch nicht entgangen sein. Und trotzdem fieberte sie nun der Entscheidung der Ältesten entgegen, als ginge es um ihren eigenen

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