Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Dieser Sonntag hat's in sich

Dieser Sonntag hat's in sich

Titel: Dieser Sonntag hat's in sich Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Marcia Muller
Vom Netzwerk:
studierte sie, wobei sie ihre Lippe
nach unten zog und runzelte, wie das Kinder oft tun. »Allstate? Wir haben
Allstate, glaube ich. Gibt es noch mehr Ärger wegen Franks Fahrt nach San
Francisco letzten Sonntag?«
    »Ich würde es nicht Ärger nennen,
zumindest noch nicht. Wir können die Sache vielleicht recht schnell aufklären.
Können wir uns irgendwo unterhalten?«
    »Sie meinen, wo die uns nicht stören
können?« Sie deutete auf das Haus.
    »Ja.«
    »Sie stehen vor einer Frau, die weiß,
wie man jedem unter einundzwanzig entkommt. Folgen Sie mir.«
    Ihr Zufluchtsort erwies sich als eine
Weinlaube auf einem kleinen Hügel auf dem hinteren Teil des Grundstücks. Die
Weinstöcke waren alt und knorrig und mit dem Gitterwerk zu einer Einheit
verwachsen. Blätter und verkümmerte rosinenähnliche Trauben hingen herunter und
verdeckten die dahinterliegende Sitzplanke fast völlig. Jane Wilkonson
schlüpfte unter den Ranken hindurch und ließ sich auf die Bank fallen. Sie
seufzte und zog eine Packung Camel aus ihrer Blusentasche. Ich setzte mich
neben sie und lehnte dankend ab, als sie mir eine Zigarette anbot. Sie zündete
sich eine an, inhalierte tief und ließ den Rauch in einem langen,
genießerischen Atemzug entweichen.
    »Ich weiß, daß sie schlecht für mich
sind«, sagte sie. »Ich höre das pausenlos von Frank — er mag es nicht, daß ich
rauche. Aber eine Frau braucht auch irgendeine Freude im Leben.«
    Ich schaute auf den festgetretenen
Boden vor der Bank; er war mit Zigarettenkippen übersät. Jane Wilkonson
flüchtete sich offenbar oft in diese Laube — und allein, da ihr Mann nicht
wollte, daß sie rauchte.
    Sie sah meinen Blick und fügte hinzu:
»Ich kann nicht trinken — sonst würde ich mit den Kindern nicht mehr fertig
werden. Ich spiele nicht, und ich esse nicht zuviel — trotz meiner Figur. Und
nun, das mit Frank... Worum geht es also mit dieser Versicherung? Überprüfen
Sie einen Schadensfall?«
    Ich fragte mich, was sie wohl über
ihren Mann hatte sagen wollen. War Sex auch eine ihrer verlorenen Freuden?
»Ja«, antwortete ich, »ich untersuche einen Fall von Fahrerflucht.« Dann
erzählte ich ihr die gleiche Geschichte wie Hal Johnstone.
    Während ich sprach, vertieften sich die
Falten um ihren Mund. Sie drückte ihre Zigarette auf der Erde aus, warf der
Packung, die zwischen uns auf der Bank lag, einen sehnsüchtigen Blick zu und
verschlang dann die Finger ineinander.
    »Das ist mal wieder typisch«, sagte sie
bitter.
    »Wie bitte?«
    »Oh, nichts. Nur etwas Unsinniges, das
mir gerade einfiel. Ihr Zeuge glaubt also, daß diese Person, die sein Auto
angefahren hat, mein Mann war?«
    »Sein Bericht ist nicht ganz klar. Es
handelt sich um die Autonummer Ihres Mannes, aber der Zeuge beschrieb einen
Laster, nicht einen grünen Ranchero. Und die Farbspuren auf dem anderen Auto
sind weiß, nicht grün.«
    »Aha.« Sie warf wieder einen Blick auf
die Zigaretten, dann holte sie eine heraus und zündete sie fast trotzig an.
    » War Ihr Mann am Sonntag in San Francisco,
Mrs. Wilkonson?«
    Sie zuckte ärgerlich die Achseln. »Das
muß wohl so sein? Mich brauchen Sie da nicht fragen. Ich weiß nicht, wo er an
seinem freien Tag hinfährt. Es ist sein einziger freier Tag, und ein Mann hat
das Recht — oh, verdammt.«
    Ich wartete; als sie nicht fortfuhr,
fragte ich: »Fährt Ihr Mann an seinem freien Tag immer weg?«
    »In der letzten Zeit schon. Er ist mit
der Arbeit im Ranchbüro samstags so gegen acht Uhr abends fertig — er muß
vorher noch die Vorfälle der Woche mit Mr. Johnstone besprechen. Dann bringt er
die Kinder ins Bett, und wir essen zu Abend. Ich versuche immer, es etwas
festlich zu machen, und er bleibt auch immer zum Essen. Das muß ich ihm anrechnen.
Wissen Sie, es ist unsere einzige Mahlzeit ohne die Kinder. Jede Woche denke
ich, daß er es sich vielleicht anders überlegt und bleibt. Aber gleich nach dem
Essen packt er eine kleine Tasche und fährt weg.«
    »Und Sie haben ihn nie gefragt, wohin
er fährt? Oder warum?«
    Sie schüttelte den Kopf.
    »Oder ob es eine andere Frau gibt?«
    Ihre Lippen zuckten, und sie nahm einen
tiefen Zug aus ihrer Zigarette — absichtlich, um Zeit für eine Antwort zu
gewinnen. »Ich wünschte, es wäre nur das. Eine Frau lernt es, solche Sachen
durchzustehen, damit fertig zu werden. Aber dies... Wir führen keine Ehe, in
der man viele Fragen stellt. Oder zumindest stelle ich sie nicht.«
    Offenbar nicht, dachte ich. Ich kannte
nicht viele Frauen,

Weitere Kostenlose Bücher