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Drachenspeise: 1 (Ein Märchen für große Mädchen) (German Edition)

Drachenspeise: 1 (Ein Märchen für große Mädchen) (German Edition)

Titel: Drachenspeise: 1 (Ein Märchen für große Mädchen) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alice Alderwood
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eindeutig! Da ist wohl jemand dem alten Kajim zu nahe gekommen!«
    »Woher weißt du … ach, egal!« Gerun winkte ab und fasste traurig nach Nadifs Händen. Der Fiebernde reagierte mit einem leisen Stöhnen und flatternden Lidern.
    »Weiter! Wir müssen weiter!«, flüsterte er heiser.
    »Tss, tss!« Nuffl verzog seinen kleinen dünnen Mund. »Erst einem Drachen im Wege stehen und dann auch noch drängeln! Du, Menschin Gerun, machst jetzt ein Feuer, damit wir einen Tee kochen können! Dieser Drachenkämpfer stirbt uns sonst noch in dieser Nacht weg!«
    Entsetzt sah Gerun auf. »Er darf nicht sterben! Was soll ich ohne ihn machen?«
    »Feuer sollst du machen, hörst du schlecht?« Der Elf stampfte schon wieder mit dem Fuß auf. Gerun erhob sich gehorsam, um im letzten Licht des Tages einige trockene Äste unter den nahen Bäumen aufzulesen, die sie in Nadifs Nähe zu einer kleinen Pyramide aufschlichtete.
    »Na, jetzt brenne das Zeug aber auch an!« Der Elf wedelte mit der Hand, als würde er ein Herr Dienstboten scheuchen. Gerun hob die Schultern.
    »Ich habe keine Ahnung, wie man ein Feuer entfacht! Das haben immer die Küchenmägde getan!«
    »Ihr Götter, warum habt ihr die Menschen so dumm gemacht!«, rief Nuffl theatralisch aus und schnippte mit den mageren Fingern. Augenblicklich schob sich eine Flamme durch die Äste, suchte sich knisternd neue Nahrung.
    »Und jetzt husch! Sieh nach, ob du einen Topf findest und fülle ihn mit Wasser!« Der Elf knickte seine Beine zum Schneidersitz ein und ließ sich in gebührender Entfernung vom Feuer nieder. Zwischen den Grashalmen sah man ihn kaum in seiner grünen Kluft, außerdem überragte sein Hütchen nur unwesentlich die Blüten des Löwenzahns.
     
    Der Haushofmeister des Königs war wirklich ein umsichtiger Mann. Tatsächlich entdeckte Gerun einen kleinen Kupferkessel bei den Habseligkeiten, die ihnen in den Satteltaschen zugestanden worden waren. Sie stapelte einen Brotlaib, eine Speckseite und einen wabbeligen Frischlingsbalg, von dem sie annahm, dass er mit Wein gefüllt war, auf ihren Arm. Wenn er ihr helfen konnte, Nadif zu heilen, war es ihr nicht leid darum, ihre Vorräte mit dem Elf zu teilen. Außerdem würde ein so kleines Wesen wahrscheinlich sowieso nicht sehr viel essen.
    Sie sollte sich täuschen. Genüsslich verschlang Nuffl den gesamten Speck, wobei er mit dem Wein kräftig nachspülte. Inzwischen war es dunkel geworden, nur die beiden Mondsicheln am Himmel und das Feuer spendeten etwas Licht.
    »Kocht das Wasser endlich?«, mümmelte der Elf zwischen zwei Bissen. Er hatte erstaunlich spitze und auch scharfe Zähne, denn er brauchte beim Essen kein Messer zur Hilfe zu nehmen. Er biss die Speckbrocken samt der harten Schwarte einfach ab. Gerun blieb nur, seinen Appetit zu bestaunen.
    »Ja! Was jetzt?«
    »Dann wollen wir Tee kochen!« Nuffl legte den letzten Rest Speck vor sich auf den Boden und hob die fettigen Hände hoch in die Luft. Wie Spinnen schwebten seine Finger über den Grashalmen und vollführten einen ominösen Tanz, der Gerun einmal mehr an krabbelnde Insekten erinnerte. Dann geschah etwas sehr seltsames. Aus der Wiese lösten sich einzelne Blätter und Halme, Blüten hüpften von ihren Stängeln und vereinten sich mit all den anderen Pflanzenteilen zu einer über dem Kopf des Elfen wirbelnden Wolke. Mit seinem Zeigefinger dirigierte Nuffl den Pflanzenwirbel geradewegs in den Teekessel hinein.
    »Das lässt du jetzt aufkochen und dann nimmst du den Topf vom Feuer. Wenn du meinst, es ist kühl genug zum Trinken, gibst du deinem Gefährten davon. Er muss so viel trinken, als es nur irgend geht!« Der Kleine stopfte sich den Rest Speck in den Mund und erhob sich mümmelnd. »Jetzt noch zu unserer Freundin, der Schmeißfliege! Siehst du, sie hat Eier in die Wunde deines Kriegers gelegt! Das ist gut, das ist sehr gut!«
    »Gut soll das sein?« Ekel schüttelte Gerun.
    »Natürlich ist das gut! Du wirst Wegerichblätter auflegen, damit der Stoff nicht an der Wunde festklebt und dem armen Mann hier das Gesicht verbinden. Dann können die Maden ausschlüpfen und in aller Ruhe ihr Werk vollbringen!«
    »Ich soll Nadif allen Ernstes lebendigen Leibes von Würmern auffressen lassen?«
    »Maden, du dummes Weib, Maden, keine Würmer! Sie fressen nur das schlechte, faule Fleisch, das gesunde lassen sie hübsch in Ruhe! In vier, fünf Tagen nimmst du den ganzen Verband ab, dann wird die Wunde heilen können. Aber ich muss dich warnen! Dein Galan wird

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