Drachentempel 02 - Drachenfeuer
Straße reihten. Sie sahen alle fast identisch aus. Ein paar Läden, stets eine Bar, ein wenig Lowtech-Industrie. Werkstätten für Laster waren ebenfalls häufig, mit Reihen rostender Ungetüme draußen auf dem Gras. Roboterstationen für die Straßeninstandhaltung, ebenfalls mit verstreut herumstehenden Autowracks. Eine halbautomatische Stahlverhüttung, die Doppel-T-Träger ausstieß. Ein Wiedergewinnungsofen mit hohem Zwillingsschornstein, aus dem dichter fetter Rauch in die klare Luft quoll, ein großer stinkender Haufen Abfall in der Landschaft dahinter. Die Häuser in der Umgebung der Anlagen waren wesentlich einfacher als die Appartementblocks in Memu Bay. Diese hier waren wenig mehr als einstöckige Schuppen mit Holzwänden, einem Dach aus Wellkomposit und Sonnenkollektoren. Erwachsene saßen draußen und beobachteten die Straße und den Verkehr. Kinder rannten auf den unbefestigten Wegen umher und spielten Nachlaufen oder Fußball.
»All das hier war beim letzten Mal noch nicht da«, sagte Lawrence, während sie durch eine kleine Siedlung fuhren, die sich Enstone nannte. Ein großes Schild am Straßenrand warb für die Bootswerft, die sich auf dem ausgedehnten Gelände hinter den flachen Häusern angesiedelt hatte.
»Wir sind zwanzig Klicks vom Meer entfernt«, protestierte Lewis.
»Ist wahrscheinlich billiger, hier draußen zu produzieren«, antwortete Amersy. »Das ist die Sekundärwirtschaft von Memu Bay. Es fängt immer in der Umgebung reicherer Ansiedlungen an, die bereits eine Weile bestehen. Je größer die Bevölkerung, desto größer der Anteil an ungelernten Arbeitern und Tagelöhnern.«
»Du meinst arme Leute«, sagte Dennis.
»Genau das meine ich.«
Der Verkehr auf diesem Abschnitt des Great Loop Highway war ebenfalls sehr viel stärker, als Lawrence vom letzten Mal in Erinnerung hatte. Der größte Teil waren Laster oder Lieferwagen, die zwischen der Stadt und den kleinen Fabriken und Geschäften verkehrten und Vorräte und Rohstoffe transportierten. Wenn das so schnell weitergeht, dachte Lawrence, wird es nicht lange dauern, bis die Dörfer zu einem einzigen großen Vorort verschmolzen sind.
Sie passierten das letzte Dorf entlang dem Great Loop Highway, als Lawrences Prime feststellte, dass ein anderes Prime den Marschbefehl für die Patrouille bemerkt hatte. Ein anderes Prime? Doch ein Irrtum war ausgeschlossen.
Das muss KillBoy sein, dachte Lawrence. Es war die einzig mögliche Erklärung. Tatsächlich war es die einzige Erklärung, die Sinn ergab. Lawrence hatte von Anfang an gewusst, dass der Widerstand hochentwickelte Subversionssoftware zu seiner Verfügung hatte. Was für eine Ironie, dachte er, dass es ausgerechnet Prime ist.
»Ich möchte, dass ihr eure Sensoren auf Suchmuster A5 umschaltet«, sagte Lawrence zu den anderen.
»Lasst eure AS den Input nach lokalem Datenverkehr und elektronischen Aktivitäten untersuchen. Irgendjemand scheint sich gerade für uns zu interessieren. Möglicherweise müssen wir mit gegnerischen Aktivitäten rechnen.«
»Woher zur Hölle willst du das wissen?«, fragte Amersy.
»Ich besitze eine kluge Software, die illegale Suchpings entdecken kann. Und jemand hat Nachforschungen über unsere Patrouille angestellt. Jemand, der nicht zu Zantiu-Braun gehört.«
»Meine Güte, Sarge!«, sagte Karl. »Sie müssten dich zum General machen.«
»Das ist wirklich eine ziemlich kluge Software«, sagte Amersy trocken.
»Das ist sie. Los, kommt, Leute, aufwachen.« Er überprüfte sein Telemetriegitter, um sich zu überzeugen, dass alle ihre Sensoren aktivierten. Als alle soweit waren, drehte er sich zu Hal um, der hinten im Jeep saß. Der Junge lehnte auf der Tür und starrte hinaus in die Landschaft. Der Wind spielte mit seinen Haaren. Auf seinem Gesicht spielte ein permanentes schiefes Grinsen, während er die vorbeihuschende Szenerie beobachtete. Edmond saß neben ihm, die Füße auf einer Kiste voller medizinischer Vorräte, die Hals Module benötigten.
»Alles in Ordnung?«, erkundigte sich Lawrence.
»Alles unter Kontrolle, Sarge.«
Sie überquerten die Grenze zwischen terrestrischer und einheimischer Vegetation. Das einzige andere Fahrzeug, das noch auf dem Great Loop Highway unterwegs war, war eine Zugmaschine mit einem Tieflader-Anhänger, der ihnen aus dem Hinterland entgegen kam. Als sie ihn passierten, sah Lawrence, dass er getrimmte Baumstämme geladen hatte. Er fragte sich, wie legal das war – in der Stadt gab es mehrere Fabriken, die
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