Du findest mich am Ende der Welt
⦠eine June Soundso.«
Eine June?! Sollte June Miller nach mir gefragt haben?!
Ich stützte mich aufgeregt auf die Schreibtischplatte. Das änderte
natürlich alles!
»Mademoiselle Conti, bitte erinnern Sie sich! Ich kenne eine
Amerikanerin, die heiÃt Jane Hirstman. Und ich kenne eine Engländerin, die
heiÃt June Miller. Also â wer hat nun nach mir gefragt â Jane oder June?«
»Hmmm.« Mademoiselle Conti runzelte die Stirn, dann sah sie mich
hilflos an. »June ⦠Jane ⦠das klingt alles so gleich, finden Sie nicht?« Sie
lächelte zaghaft.
»Nein, keineswegs«, polterte ich, »es sei denn, man hat ein Hirn wie
ein Sieb.«
Das Lächeln verschwand.
Mademoiselle Conti strich sich über ihr dunkles glänzendes Haar, das sie wie
stets im Nacken zu einem Knoten geschlungen hatte. Sie umfaÃte nervös ihren
Chignon wie um sicherzugehen, daà jedes Haar noch an seinem Platz war. Jetzt
tat sie mir fast ein wenig leid. Ich bià mir auf die Unterlippe. Das mit dem
Sieb hätte ich nicht sagen dürfen. Reumütig schaute ich Luisa Conti an und
überlegte gerade eine kleine Entschuldigung, als sie ihre mädchenhaften Hände
entschlossen auf den Schreibtisch legte und sich aufrichtete.
»Nun, Monsieur«, Mademoiselle Conti sah geradewegs durch mich
hindurch, »ich fürchte, ich kann Ihnen in dieser Sache nicht weiterhelfen.« Sie
klang sehr beleidigt. »Natürlich hätte ich mir den Namen dieser Jane ⦠oder
June korrekterweise aufschreiben müssen, aber ich wuÃte nicht, daà diese
Angelegenheit für Sie von so groÃer Bedeutung ist.« Sie schwieg einen Moment,
dann fügte sie steif hinzu: »Für die Dame jedenfalls schien es nicht so wichtig
zu sein, sie hat mir nicht einmal aufgetragen, Ihnen etwas auszurichten â trotzdem
hielt ich es für richtig, Sie von dem Anruf in Kenntnis zu setzen. Vielleicht
war das ein Fehler.«
Ich seufzte. » Bitte, Mademoiselle Conti, ich habe das nicht so
gemeint. Sie haben alles richtig gemacht, und es ist nicht Ihre Schuld, gewiÃ
nicht.« Ich strich verlegen über die dunkelgrüne Lederbespannung des
Schreibtisches und dachte an die geheimnisvolle Principessa und diese
»unglückselige Geschichte«, die auf keinen so gut paÃte wie auf June.
»Allerdings â¦Â«
»Allerdings â¦?« Luisa Conti sah mich fragend an, und ich beschloÃ,
sie zur Komplizin zu machen.
»Allerdings wäre es gerade im Moment schon wichtig für mich zu
wissen, ob es eine Jane oder eine June gewesen ist, die nach mir gefragt hat.
Ich will Sie nicht mit Details aus meinem Leben langweilen, aber es würde mir
unter Umständen sehr helfen, eine schwierige Frage zu klären. Etwas, das mich
sehr beschäftigt und mir schlaflose Nächte bereitet â¦Â« Ich breitete die Hände
aus und wartete.
Luisa Conti blieb stumm, sie schien zu überlegen, ob sie auf mein
Friedensangebot eingehen sollte. SchlieÃlich sagte sie: »Kenne ich die Damen
denn?«
»Aber ja«, entgegnete ich erleichtert. »Jane hat schon öfter hier
gewohnt, allerdings erst einmal, seit Sie hier arbeiten. Jane Hirstman â das
ist diese groÃe Amerikanerin mit den feuerroten Locken und der lauten Stimme,
eine gute Kundin von mir, erinnern Sie sich?«
Luisa Conti nickte. »Ist das die, die immer alles amazing findet?«
Ich grinste. »Genau die.«
»Und June? Ist das auch eine
gute Kundin von Ihnen?«
»Nun ⦠äh ⦠nein, eigentlich nicht.«
Voller Wehmut dachte ich an die schöne June und wie ich es mir bei
ihr verscherzt hatte.
»War sie denn schon mal hier im Hotel? Zum Ãbernachten?«
»Na ja, nicht zum Ãbernachten, aber hier im Hotel war sie schon â¦
vor nicht ganz einem Jahr, an einem Morgen im März, es hat fürchterlich
geregnet ⦠so eine junge, temperamentvolle Engländerin mit kastanienbraunen
Locken â¦Â« Ich räusperte mich verlegen. »Sie waren auch da, und ich glaube kaum,
daà Sie das vergessen haben. Es gab ⦠na ja ⦠es gab einen ziemlichen Auftritt ⦠zerbrochenes Geschirr â¦Â«
Zum zweiten Mal an diesem Tag sah ich Mademoiselle Conti erröten.
»Oh ⦠das «, sagte
sie nur, und ich wuÃte, daà sie es nicht vergessen hatte.
Von allen Freundinnen, die ich jemals hatte, war June Miller
die eifersüchtigste.
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