Ein Feuer Auf Der Tiefe
Futter seiner Umhänge gewechselt. Es war Flensers Stunde des täglichen Wahnsinns, in der manchmal die willensschwache Tyrathect wieder hervortrat und vergebens versuchte, ihre Vorherrschaft wiederherzustellen. Es machte nichts. Wenn eins von seinen Gliedern abgetrennt war, war das verbleibende Rudel nur zu viert. Es gibt Viersams von normaler Intelligenz, doch es steckte keins in Flenser/Tyrathect. Das ganze Baden und Kleiderwechseln fand in einem wirren Dämmerzustand statt.
Und obwohl sich Flenser ›überall zugleich‹ befand, war er natürlich keine Spur klüger als zuvor. Nach den ersten schrillen Versuchen entwickelte er eine Vorliebe, radikal unterschiedliche Szenen zu sehen und zu hören – aber es war so schwierig wie eh und je, ein mehrgleisiges Gespräch zu führen. Wenn er mit Stahl plänkelte, hatten seine anderen Glieder Amdijefri oder Rangoliths Spähern sehr wenig zu sagen.
Fürst Stahl war mit ihm fertig. Flenser ging mit seinem früheren Schüler die Wehrgänge entlang, doch wenn Stahl etwas zu ihm gesagt hätte, hätte es ihn von seinem gegenwärtigen Gespräch abgelenkt. Flenser lächelte (und vermied sorgfältig, dass sein eines Glied bei Stahl es zeigte). Stahl glaubte, dass er gerade mit Fernspäher Rangolith sprach. O ja, er würde es tun – in ein paar Minuten. Ein Vorteil dieser Situation war, dass niemand mit Sicherheit alles wissen konnte, was Flenser gerade im Schilde führte. Wenn er vorsichtig war, würde er vielleicht wieder hier herrschen. Es war ein gefährliches Spiel, und die Umhänge selbst waren gefährliche Vorrichtungen. Man brauchte einen Umhang nur für ein paar Stunden aus dem Sonnenlicht zu nehmen, und er verlor an Kraft, und das Glied, das ihn trug, war vom Rudel abgeschnitten. Schlimmer war das Problem des Rauschens – das war das Wort der Pfahlwesen. Der zweite Satz Umhänge hatte seinen Benutzer umgebracht, und die Raumleute waren sich nicht über den Grund im klaren, außer dass es eine Art ›Interferenzproblem‹ sei.
Flenser hatte nichts derart Extremes durchgemacht. Doch manchmal, auf seinen fernsten Streifzügen mit Rangolith oder wenn die Kraft eines Umhangs schwand…, dann war ein unglaubliches Kreischen in seinem Geist, als drängte sich ein Dutzend Rudel um ihn, Klänge, die zwischen dem Wahnsinn von Sex und Blutrausch hin und her schwankten. Tyrathect schienen solche Gelegenheiten zu gefallen, sie kam dann aus der Verwirrung hervor und überschwemmte ihn mit ihrem weichen Hass. Normalerweise lauerte sie an den Rändern seines Bewusstseins und verschob hier ein Wort, da ein Motiv. Nach dem Rauschen war sie viel schlimmer; einmal hatte sie fast einen Tag lang die Kontrolle behalten. Wenn er ein Jahr Zeit ohne Krisen gehabt hätte, hätte Flenser Ty und Ra und Thect studieren und das richtige herausschneiden können. Thect, das Glied mit den weißen Ohrspitzen, war wahrscheinlich dasjenige, das getötet werden musste: Es war nicht besonders klug, aber anscheinend das Bindeglied des Trios. Mit einem präzise geformten Ersatz konnte Flenser vielleicht großartiger werden als vor dem Massaker in der Parlaments-Senke. Doch vorerst saß Flenser fest; ein chirurgischer Eingriff in die eigene Seele war eine schreckliche Herausforderung – sogar für Den Meister.
So. Vorsichtig. Vorsichtig. Halte die Umhänge gut geladen, unternimm keine langen Ausflüge und lass niemanden alle Fäden in deinem Plan sehen. Während Stahl glaubte, er suche Rangolith, sprach Flenser mit Amdi und Jefri.
Das Gesicht des Menschen war nass von Tränen. »V-viermal haben wir R-ravna verpasst. Was ist mit ihr geschehen?« Seine Stimme glitt hoch. Flenser hatte nicht gewusst, dass so viel Flexibilität in der Rülpsvorrichtung steckte, die die Menschen zum Erzeugen von Lauten verwendeten.
Die meisten von Amdi drängten sich rings um den Jungen. Er leckte Jefris Wangen. »Es könnte unsere Ultrawelle sein. Vielleicht ist sie kaputt.« Er sah Flenser flehend an. Auch in den Augen der Welpen standen Tränen. »Tyrathect, fragt bitte Stahl noch einmal. Lasst uns den ganzen Tag im Schiff bleiben. Vielleicht gibt es Botschaften, die durchgekommen, aber nicht aufgezeichnet worden sind.«
Flenser bei Stahl stieg die Nordtreppe hinab, überquerte den Paradeplatz. Eine schmale Scheibe Aufmerksamkeit widmete er den Klagen des anderen über die schlampige Pflege der Übungsstände. Wenigstens war Stahl klug genug, die Strafschaffotts drüben auf der Verborgenen Insel zu lassen.
Flenser bei
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